Von Ulrich Hartmann, Göteborg

Die deutsche U21-Auswahl macht ein großes Spiel, verpasst aber etliche Chancen und erreicht gegen Spanien zum Auftakt der Europameisterschaft nur ein 0:0.

Eigentlich hatte der Trainer Horst Hrubesch gute Erfahrungen mit Auftaktspielen gegen Spanien gemacht. Als seine U19-Nationalmannschaft im Juli 2008 Europameister geworden ist, hatte sie im Auftaktspiel Spanien mit 2:1 besiegt. "Nach diesem ersten Sieg gegen Spanien sind wir regelrecht durchs Turnier gelaufen", hat Hrubesch erzählt und damit verdeutlichen wollen, wie wichtig ein Erfolg zu Beginn ist und welche Kräfte er freisetzen kann.

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Imponierendes Solo, erfolgloser Abschluss: Marko Marin hatte die letzte große Gelegenheit vor der Halbzeit. (© Foto: dpa)

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Ein Jahr später nun hätte Hrubesch dies als U21-Bundestrainer gerne noch einmal erlebt, allerdings ist der deutschen Mannschaft im ersten von drei Gruppenspielen gegen Spanien in Göteborg trotz eines großen Spiels bloß ein enttäuschendes 0:0 gelungen. Das ist zu wenig, um euphorisch durchs Turnier zu laufen, aber auch zu viel, um gleich melancholisch zu werden.

Dass man auch mit einem Unentschieden zum Auftakt gegen Spanien noch Europameister werden kann, ist nun der wichtigste Beweis, den die deutschen Fußballer in Schweden erbringen müssen.

Das neue Göteborger Fußballstadion heißt eigentlich "Gamla Ullevi", also "Altes Ullevi", weil es an der Stelle des "Alten Ullevi" gebaut worden ist. Aber weil dieses ja nun neu ist, nennen sie es einfach "Neues Altes Ullevi" und damit auf Schwedisch: "Nya Gamla Ullevi".

Das klingt verwirrend, ist es aber nicht so sehr wie jenes aufregende Hin und Her, das sich die Deutschen und die Spanier dann lieferten. Die zum engen Favoritenkreis gehörenden Teams mussten sich schon im ersten Spiel auf ihre Stärken abklopfen und taten dies derart beherzt, dass es in der zu abendlicher Stunde noch recht hoch stehenden Mittsommersonne zu einer erhellenden Partie mit allerhand lichten Spielzügen kam.

Diesem Umstand zuträglich war, dass Hrubesch auf seinen 1,94 Meter großen Kopfballstürmer Sandro Wagner (MSV Duisburg) verzichtet und lieber auf eine bodenständige flotte Doppelspitze mit Mesut Özil (Bremen) und Ashkan Dejagah (Wolfsburg) gesetzt hatte.

Souverän gestaltete zweite Halbzeit

Özil sorgte dann auch für Aufregung im spanischen Revier, seine Vorstöße waren allerdings bisweilen von Hektik geprägt, weshalb die gleichermaßen fidelen Spanier zu den besseren Chancen kamen, etwa als Marc Torrejon (Espanyol Barcelona) den Ball in der 32. Minute an die Latte köpfte. Der heftig von Werder Bremen umworbene Mönchengladbacher Marko Marin hatte kurz vor der Pause mit knappem Schuss nach imponierendem Solo die letzte große Gelegenheit der ersten Halbzeit.

Eine noch viel bessere hätte Dejagah in der 51. Minute zur 1:0-Führung verwerten müssen, drosch den Ball aber aus wenigen Metern übers Tor, bevor in der 62. Minute der Fuß des spanischen Torwarts Sergio Asenjo (Valladolid) einen Schuss von Özil am Flug ins Tor hinderte.

Am Ende einer souverän gestalteten zweiten Halbzeit, in der die Mannschaft ihre selbst formulierten Titel-Ambitionen spielerisch untermauerte, stand schließlich auch deshalb nur ein 0:0, weil Özil in der 81. Minute allein vor Asenjo auftauchte, den Ball aber auch diesmal nicht in dessen Tor hineinbrachte. Was diese Erfahrungen wert sind, wird sich vielleicht am Donnerstag im Spiel gegen Finnland zeigen.

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(SZ vom 16.06.2009/segi)