U19-Europameister im Porträt Zum Stolz seines Opas

MITTELFELD:

Levin Öztunali: Endlich hat Levin Öztunali seinen ersten großen Erfolg. Bislang war der 18-Jährige ja vor allem eines: der Enkel von Uwe Seeler. Seine Jugend verbrachte der Sohn von Seelers Tochter - zum Stolz seines Opas - beim Hamburger SV. Früh beobachteten ihn Topklubs, auch der FC Bayern. Er ging jedoch zu Bayer Leverkusen, lehnte eine 500 000-Euro-Offerte des HSV ab - und hatte bei seinem Ex-Klub fortan ein Raffzahn-Image. Dass sein Wechsel richtig war, zeichnet sich ab: Öztunali kam bereits zu neun Bundesliga-Einsätzen, wurde zu Bayers jüngstem Bundesligaprofi. Er gilt als Sechser der neuen Schule, dem viele in der kommenden Saison eine noch bessere Rolle zutrauen. Roger Schmidt, Leverkusens neuer Trainer, hält große Stücke auf Öztunali. Keine ganz schlechten Vorzeichen.

Joshua Kimmich: Der FC Bayern ist ohne seine Weltmeister in die USA gereist, auch U-19-Europameister Joshua Kimmich hat nun erst einmal Sonderurlaub bekommen. Beim Saisonauftakt am Wochenende fehlt der 19-Jährige. Danach wird er sicherlich bald zu seinem ersten Zweitliga-Einsatz für RB Leipzig kommen. Der kleine Mittelfeldspieler trug entscheidend dazu bei, dass Leipzig nun eine Klasse höher spielt. Und auch am EM-Titel hatte er entscheidenden Anteil: Im Finale griff er rettend ein und schlug den Ball weg, als Torwart Schnitzler von den Portugiesen schon überlistet war.

Tänze, Küsse, Tränen

Der Sommer 2014 ist ein historischer für den deutschen Fußball: 18 Tage nach dem WM-Triumph gewinnen die Junioren-Nationalspieler das Finale der U19-EM. Das Tor des Abends erzielt Hany Mukhtar - gejubelt wird nach Schlusspfiff wie in Rio. Von Ulrich Hartmann mehr ...

Julian Brandt: Pokale und Auszeichnungen hat Julian Brandt, 18, schon einige gesammelt. Vor einem Jahr wirkte er dank 13 Toren in 23 Spiele nachhaltig am A-Jugend-Meistertitel des VfL Wolfsburg mit. Am Donnerstag gewann er den EM-Titel mit der U19-Nationalmannschaft. Zudem halten nicht wenige Beobachter Brandt für einen der größten Schätze in der prall gefüllten Talente-Schatzkammer des DFB. Ähnliches wurde allerdings auch Hochbegabten wie Piotr Trochowski, Marc-André Kruska oder Savio Nsereko nachgesagt. Brandt kann immerhin zwölf Bundesliga-Einsätze, zwei Tore sowie zwei Kurzauftritte in der Champions League vorweisen. Bayers neuer Trainer Roger Schmidt ist angetan von seinem schnellen, torgefährlichen Außenstürmer. Auch wenn er Brandt zunächst einmal den Auftrag erteilt hat, weiter an sich zu arbeiten, vor allem an der Physis. "Dann kann er in der in der Bundesliga im offensiven Mittelfeld künftig eine Top-Rolle spielen", sagt Schmid.

Marc Stendera: 17 Jahre, drei Monate und 27 Tage war Marc Stendera alt, als er für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga debütierte. 18 Jahre, sieben Monate und 21 Tage war er alt, als er U-19-Europameister wurde. Dazwischen liegen zehn Bundesliga-Einsätze und ein Kreuzbandriss. Eintracht wollte, dass sich das Talent bei der U19-EM Selbstvertrauen holt, um in der neuen Saison endlich den vorgesehenen Part im Mittelfeld auszufüllen. Der Plan ging auf. Stendera war als Spielmacher unverzichtbar für die Mannschaft, jetzt nimmt er unter dem neuen Trainer Thomas Schaaf erneut Anlauf in der Bundesliga.