So auch beim ersten Spiel der deutschen Elf gegen Australien: der anerkennende Szenenapplaus, als Philipp Lahm seinem Gegenspieler den Ball stibitzte, das verzweifelte Raunen, als Miroslav Klose den Ball über das Tor schoss, die aufmunternden Zurufe an die Spieler und schließlich dieser befreiende Jubel, als Klose doch noch treffen durfte - unhörbar wegen der Vuvuzela-Klänge. Stattdessen immer nur: Trööööööööööt!

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Die Vuvuzelas, so hieß es vor dem WM immer wieder, gehören nun einmal zur afrikanischen Kultur - statt zu trommeln oder zu hupen habe der Südafrikaner nun einmal die Angewohnheit, in eine Tröte zu blasen, für deren Lautstärke es verschiedenste Maßeinheiten gibt: Es sei so laut wie ein startender Airbus oder die Trompeten von Jericho - obwohl doch kaum jemand dabei war, als die sieben Schofaren die Mauern zum Einstürzen brachten und wohl auch noch niemand neben einem Airbus stand, als der gerade startete. Und außerdem gibt es auch Experten, welche die Tradition der Vuvuzela in Frage stellen - und ihre weite Verbreitung eher als gelungene PR ansehen.

Kulturell mag man von den Tröten halten, was immer man mag. Es gibt ja auch Trommeln und Ratschen und Hupen. Das Erleben eines Spiels vor dem Fernseher wird durch die Vuvuzelas jedoch zerstört, weil eine akustische Monokultur entsteht, die dem Fußballfan vor dem Fernsehgerät zuwider sein muss. Fangesänge vor dem Spiel, die bislang gerade bei Weltmeisterschaften ein kultureller Austausch der teilnehmenden Nationen war, sind nicht zu hören: Das getragene "You'll never walk alone" oder die englische hymne, die von den Three-Lions-Fans während einer Partie eingestreut wird, wenn gerade nichts los ist. Dieses einfache "Schlaaaaand" oder ein "Daaa-da-da-da-da-daaaaaa-da" nach dem Bass der White Stripes werden übertönt, weil zu viele Menschen in eine Tröte blasen.

Nun hat der Zuschauer bei dieser WM schon sportlich allzu viel Monotones miterleben müssen, doch wenn dann die deutsche Elf überzeugend und teils begeisternd spielt - wie übrigens noch keine andere Nationalelf bislang bei diesem Turnier -, dann will der Zuschauer dabei sein, miterleben, mithören. Er will Kloses befreienden Schrei hören, die Begeisterung der deutschen Fans bei Podolskis Führungstreffer, Löws anerkennenden Applaus für Klose bei der Auswechslung, aber kein Getröte. Das akustische Miterleben des Spiels verändert sich - und es verändert sich nicht positiv.

Ein Verbot der Krachmacher im Stadion durch den Weltverband Fifa ist freilich nicht in Sicht. "Solange Sepp Blatter sagt, das gehört dazu, gibt es wenig Hoffnung", heißt es aus ARD-Kreisen. Klar, Blatter sitzt ja auch nicht vor einem TV-Gerät, sondern in den VIP-Logen der Stadien. "Wenn es für eine Abschaffung Gründe gibt, ja", sagte OK-Chef Danny Jordaan: "Wenn irgendwelche Vuvuzelas aus Wut auf den Platz geworfen werden, werden wir handeln." Heißt übersetzt: Nur weil sie nerven, handeln wir nicht.

Dem Fußballfan vor dem Fernseher bleibt deshalb derzeit nur die Möglichkeit, den Ton komplett abzuschalten und die Stimmung selbst zu erzeugen - das war an diesem Abend gar nicht so schwierig. Nur einmal, als ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein Miroslav Kloses Jubel nach seinem Treffer als "inneren Reichsparteitag" bezeichnete, da wünschte sich der Zuschauer, dass Oliver Kahn eine Vuvuzela in der Hand hat und nun kräftig hineinblasen möge.

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  1. Tröten und unsägliche Vergleiche
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(sueddeutsche.de/mikö/aum)