Von Carsten Matthäus

Manchmal möchte man den Ton einfach ausdrehen. Wenn das Wetter in Vancouver schon ärgerlich ist, sind es die Fernsehexperten umso mehr.

Es ist nicht viel los bei Olympia im deutschen Fernsehen. Da blenden sie einfach Bilder von schlafenden oder kekskauenden Kindern in Vancouver ein. Gerade kämpfen sich die letzten Teilnehmer des Biathlon-Sprints über die Ziellinie, aber sie haben ja eh keine Chance mehr. Oder "kaane Schaaans", wie ZDF-Experte Herbert Fritzenwenger zum x-ten Mal gesagt hat.

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Gefangen in Wind und Schnee: Biathlet Michael Greis. (© Foto: Reuters)

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Der Mann weiß einfach alles. Zünftig bairisch redet er daher, ein Gscheidhaferl würde man ihn im Freistaat nennen. Das ist einer, der zu jedem noch so geringen Fakt etwas erzählt, ungefragt natürlich. Bei jedem Schuss sagt Fritzenwenger sofort: "Fehler, rechts tief", oder: "Zwei Rasten mehr nach links!". Verschmitzt bemerkt er dann, dass die Läufer seine wertvollen Tipps jetzt gerade nicht hören. Ach.

Aber dann, mitten im Rennen, hat er sein endgültiges Experten-Verdikt gefunden. Es sei ein "reines Startnummernrennen", sagt er und wiederholt das freimütig wieder und wieder. Die Deutschen mit ihren hohen Startnummern schauen laut ZDF-Experte Fritzenwenger bei so einem Rennen "natürlich mit dem Ofenrohr ins Gebirg", was dem Spruch "ganz blöd aus der Wäsche" entspricht. Wortreich und in Endlosschleife redet er von "stumpfem Schnee" und von Wasser im Zielfernrohr.

Ja, wir Zuschauer haben es verstanden! Wir müssen es nicht von einem Dampfplauderer immer wieder ins Ohr geblasen bekommen. Sieht ja jeder, dass das Wetter bei diesem Biathlon-Rennen für jeden Mist war, der nicht unter den ersten zehn Startern war.

Man kann es auch einmal kurz erklären, dass es mit Langlaufen und Schießen nicht so weit her ist, wenn es erst regnet, dann schneit und schließlich die Sonne rauskommt. Man braucht es aber eigentlich gar nicht sagen, denn es gibt Fernsehbilder mit Regen und Schnee und schlechter Sicht und so.

Wenn das Wetter in Vancouver schon ärgerlich ist, dann sind die mitgereisten Fernsehexperten die echte Pest. Es sieht fast aus, als würden sich die Moderatoren von ARD und ZDF nicht mehr allein vor die Kamera trauen. Immer steht da noch ein ausgedienter Sportler oder Trainer und redet mit bedeutungsvoller Miene - gefragt oder ungefragt - neunmalklug daher.

Was aber wirklich schlimm ist, ist die damit verbundene Relativierung der sportlichen Höchstleistungen. Natürlich hat einer, der gerade beim Langlauf der Nordischen Kombination an allen vorbeiläuft, "einen Superski". Selbstredend haben die deutschen Teilnehmer vorher beim Springen "richtig Pech mit dem Wind" gehabt. Dass ein Konkurrent mit einem perfekten Sprung gewann, fiel im verbalen Windgeschwurbel kaum noch auf.

Gar nicht zu reden von den deutschen Biathleten - die hätten nach einhelliger Expertenmeinung gar nicht erst anzutreten brauchen, so "schaasenlos" waren die. Der Gewinner der Goldmedaille, der Franzose Vincent Jay, musste dann auch sofort bestätigen, dass er nur wegen der niedrigen Startnummer gewinnen konnte. Da zählt beim ZDF die Expertenehre mehr als der Respekt vor der Leistung.

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