Manchmal möchte man den Ton einfach ausdrehen. Wenn das Wetter in Vancouver schon ärgerlich ist, sind es die Fernsehexperten umso mehr.
Es ist nicht viel los bei Olympia im deutschen Fernsehen. Da blenden sie einfach Bilder von schlafenden oder kekskauenden Kindern in Vancouver ein. Gerade kämpfen sich die letzten Teilnehmer des Biathlon-Sprints über die Ziellinie, aber sie haben ja eh keine Chance mehr. Oder "kaane Schaaans", wie ZDF-Experte Herbert Fritzenwenger zum x-ten Mal gesagt hat.
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Gefangen in Wind und Schnee: Biathlet Michael Greis. (© Foto: Reuters)
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Der Mann weiß einfach alles. Zünftig bairisch redet er daher, ein Gscheidhaferl würde man ihn im Freistaat nennen. Das ist einer, der zu jedem noch so geringen Fakt etwas erzählt, ungefragt natürlich. Bei jedem Schuss sagt Fritzenwenger sofort: "Fehler, rechts tief", oder: "Zwei Rasten mehr nach links!". Verschmitzt bemerkt er dann, dass die Läufer seine wertvollen Tipps jetzt gerade nicht hören. Ach.
Aber dann, mitten im Rennen, hat er sein endgültiges Experten-Verdikt gefunden. Es sei ein "reines Startnummernrennen", sagt er und wiederholt das freimütig wieder und wieder. Die Deutschen mit ihren hohen Startnummern schauen laut ZDF-Experte Fritzenwenger bei so einem Rennen "natürlich mit dem Ofenrohr ins Gebirg", was dem Spruch "ganz blöd aus der Wäsche" entspricht. Wortreich und in Endlosschleife redet er von "stumpfem Schnee" und von Wasser im Zielfernrohr.
Ja, wir Zuschauer haben es verstanden! Wir müssen es nicht von einem Dampfplauderer immer wieder ins Ohr geblasen bekommen. Sieht ja jeder, dass das Wetter bei diesem Biathlon-Rennen für jeden Mist war, der nicht unter den ersten zehn Startern war.
Man kann es auch einmal kurz erklären, dass es mit Langlaufen und Schießen nicht so weit her ist, wenn es erst regnet, dann schneit und schließlich die Sonne rauskommt. Man braucht es aber eigentlich gar nicht sagen, denn es gibt Fernsehbilder mit Regen und Schnee und schlechter Sicht und so.
Wenn das Wetter in Vancouver schon ärgerlich ist, dann sind die mitgereisten Fernsehexperten die echte Pest. Es sieht fast aus, als würden sich die Moderatoren von ARD und ZDF nicht mehr allein vor die Kamera trauen. Immer steht da noch ein ausgedienter Sportler oder Trainer und redet mit bedeutungsvoller Miene - gefragt oder ungefragt - neunmalklug daher.
Was aber wirklich schlimm ist, ist die damit verbundene Relativierung der sportlichen Höchstleistungen. Natürlich hat einer, der gerade beim Langlauf der Nordischen Kombination an allen vorbeiläuft, "einen Superski". Selbstredend haben die deutschen Teilnehmer vorher beim Springen "richtig Pech mit dem Wind" gehabt. Dass ein Konkurrent mit einem perfekten Sprung gewann, fiel im verbalen Windgeschwurbel kaum noch auf.
Gar nicht zu reden von den deutschen Biathleten - die hätten nach einhelliger Expertenmeinung gar nicht erst anzutreten brauchen, so "schaasenlos" waren die. Der Gewinner der Goldmedaille, der Franzose Vincent Jay, musste dann auch sofort bestätigen, dass er nur wegen der niedrigen Startnummer gewinnen konnte. Da zählt beim ZDF die Expertenehre mehr als der Respekt vor der Leistung.
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Berliner Zeitung
das sehe ich inzwischen genauso ... bei ARD/ZDF tummeln sich seit Jahrzehnten ein Haufen verhinderter "Poeten", die einem erzählen was man sowieso sieht und mit Hintergrundinformationen um sich werfen, welche nur eines sind: absolut belanglos! Ausnahmen sind/waren oft nur die beiden Damen, Frau Müller-Hohenstein und die ja leider schwer erkrankte Frau Lierhaus.
Grundsätzlich mag ich das System mit 2 Kommentatoren, von mir aus auch einem "vom Fach", wenn der sich denn im Griff hat und auch wirklich wissenswertes von sich zu geben hat. Eurosport hat sich in dieser Hinsicht sehr gut entwickelt. Nur bei Snooker schalte ich grundsätzlich auf den englischen Kommentar, weil der Herr Kalb so gar nicht mein Fall ist.
bei den öffentlich rechtlichen Sendern, tummeln sich sogenannte Fachjounalisten und Ihre Einflüsterer, die einem den letzten Nerv rauben. Desshalb schaue ich mir Olympia bei Eurosport an, die sind eher zu ertragen und reden nicht so dä.... daher.
Dem kann ich nur zustimmen. Beim Eisschnelllauf der Damen (3000 m) hat sich Oberschwafler Wolf-Dieter Poschmann in einen derartigen Schwafelrausch hineingesteigert, dass die Übertragung nur noch mit ausgeschaltetem Ton zu ertragen war. Grauenhaft!
Weiter gings dann beim Rodeln, als des Öfteren in Überblendtechnik zwei Fahrer in derselben Kurve gezeigt wurden und die Rede war von einem dort angeblich sichtbaren Vorsprung Felix Lochs gegenüber seinem Konkurrenten. Leider hat der Reporter übersehen, dass der Vorsprung Felix Lochs gegenüber dem gezeigten Konkurrenten so groß war, dass er bei einem realistischen Zeitvergleich wahrscheinlich schon beim Duschen hätte gezeigt werden müssen. Pure Schaumschlägerei.
Das Geschwafel der Reporter ist wichtiger geworden als die Leistung der Sportler. Die werden nur noch als Statisten gebraucht. Solches Niveau mag man vielleicht bei RTL hinnehmen, für die öffentlich-rechtlichen ist es peinlich und inakzeptabel.
Ich kann nicht mehr hören wie schlecht hier alles ist! Nur unqualifizierte Kommentatoren und Experten. Ich frage mich was manche Leute hier erwarten. Zum Beispiel Biathlon ist nunmal nichts, was nur fünf Minuten dauert und was soll den der Kommentator da machen? 20 Minuten lang Zwischenzeiten vorlesen?
Und auf Olympia bei den Privaten wär ich gespannt. Alle fünf Minuten Werbung und die Finals laufen natürlich sowieso nur im Pay-TV. Und dass die Kommentatoren auch im Privatfernsehen nicht besser sind, erlebt man regelmäßig, wenn man auf Sat1 Championsleague schaut. Da kann man sich mal überflüssiges Geschwätz antun!
Noch kurz zu der Personalmenge. Auf ARD und ZDF werden über 300 Stunden Olympia übertragen! Gerade in den Randsportarten (ich selbst bin Judoka) freut man sich darüber wenn die eigene Sportart mal ein bisschen mehr Medienpräsenz hat und dann erwartet man aber auch dass das ganze wenigstens halbwegs fachkundig kommentiert wird und da bietet sich nun einmal ein ehemaliger Sportler an!
Grundsätzlich finde ich die Kritik im Kommentar angebracht. Was ARD und ZDF nach Vancouver schicken sind mittlerweile Journalisten, die Begeisterung und Emotionen mit Fansein verwechseln. Da werden Daumen gedrückt, wird mitgefiebert, wird nur das Beste gewünscht, sich mitgefreut, aber wenn die Deutschen mal nicht gut abschneiden, sind alle beleidigt und enttäuscht - wo ist bitte die kritisch-sachliche Distanz, die fachliche Analysen zulässt? Ein Liverporter darf ja gerne ein wenig ausflippen, aber wie unverholen parteiisch, anbiedernd und boulevardesk die übrigen Moderatoren und Fragesteller auftreten, ist nicht mehr auszuhalten.
Das Konzept mit ehemaligem Sportler und Experten finde ich aber grundsätzlich gelungen, wer wenn nicht der Sportler kann den Wettkampf besser erklären und analysieren? Nur klappt das im deutschen Fernsehen nicht, weil die Experten sich entweder dem miserablen Niveau (und den miserablen Themen) der Reporter anpassen, schlecht für ihre Expertenrolle ausgebildet sind oder manchmal sinnvolle Beiträge liefern, wobei sie dann aber im gleichen Zug aber oft ihren Journalistenpartner zurechtweisen müssen (wie schon angesprochen), was wiederum ein Armutszeugnis für alle Journalisten ist. Die Amerikaner kriegen das mit den Reporterteams (Journalist und Ex-Sportler) deutlich besser hin.
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