TV-Ereignis Olympia (1) Kachelmann: In Whistler schifft es unten rein

Wenn es oben schneit, dazwischen regnet und unten tierisch matscht, ist Wetterexperte Kachelmann der erste deutsche Olympia-Star.

Von Michael König

Sie haben einen Wetterfrosch nach Kanada mitgenommen, und sie sahen, dass es gut war. Jörg Kachelmann ist für die ARD bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver und Whistler im Einsatz, und er ist gleich zu Beginn ein gefragter Mann: Er redet Klartext - und ärgert nebenbei ein bisschen die Konkurrenz vom ZDF.

Kaum einer kann meteorologische Zusammenhänge so volksnah präsentieren wie der Schweizer. Normalerweise hat er dafür vor der Tagesschau nur ein paar Minuten Zeit, in Kanada aber lassen sie ihn ausreden. Denn Kachelmann hat neben Hoch- und Tiefdruckgebieten nun auch die Skipisten im Blick, und die sind von existentieller Bedeutung. Für die Spiele und für die Berichterstattung der ARD.

"Kommende Nacht ist es noch mal blöd", referiert Kachelmann am Samstagabend zur besten Sendezeit im Olympia-Studio in Whistler: "Oben kommen noch mal 20 Zentimeter Schnee drauf, das ist wunderbar. Aber unten schifft es wieder 20 Liter pro Quadratmeter rein, und es ist ein tierischer Matsch."

Wenn es irgendwo reinschifft, dann ist das nicht gut, und wenn dabei Matsch entsteht, dann ist das noch schlimmer.

Gemeint ist die Skipiste in Whistler, auf der am Samstagabend das Abfahrtsrennen der alpinen Ski-Herren hätte stattfinden sollen. Weil der Schnee aufgrund zu hoher Temperaturen aber zu weich ist - vor allem im unteren Bereich -, ist der Wettbewerb auf Montag verschoben worden. Schon am Freitag war die für Sonntag vorgesehene Super-Kombination der Frauen abgesagt worden.

Thoma zittert

Das warme Wetter bringt den Olympia-Fahrplan durcheinander, und damit wird zwangsläufig auch der Programmplan der ARD zu Matsch. Am frühen Abend ist noch alles in Ordnung, die Skispringer springen von der Normalschanze, Michael Uhrmann erreicht Platz fünf. Obwohl der Skisprung-Olympiasieger und ARD-Experte Dieter Thoma sagt, er habe so sehr mitgezittert, dass er fast von seinem Podest gefallen wäre.

Den Schweizer Sieger Simon Ammann. nennt der ARD-Kommentator "Harry Potter von Salt Lake City", weil er bereits bei den dortigen Spielen im Jahr 2002 als 21-Jähriger zwei Goldmedaillen gewann. Die Bildregie zeigt den mittlerweile 29 Jahre alten Zauberer, wie er seine Mutter umarmt und im Schnee auf und ab springt vor Freude. Und wieder auf. Und wieder ab.

Und dann noch einmal in Zeitlupe, als gäbe es beim Jubelsprung einen Schanzentisch oder sonst irgend etwas, was man analysieren könnte. Wer einen HD-fähigen Fernseher besitzt, kann Ammann sogar in superscharfer Bildqualität beim Jubeln zuschauen, denn ARD und ZDF senden hochauflösend, 17 Tage im Wechsel, insgesamt etwa 221 Stunden.

Für das abgesagte Ski-Rennen waren an diesem Samstagabend 75 Minuten vorgesehen, die anderweitig gefüllt werden müssen - also zurück zum Wetter.

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