TÜV-Gutachten Aus der Traum vom Schaum?

Das bei der Fußball-WM in Brasilien eingesetzte Freistoßspray steht im Verdacht, Spieler und Schiedsrichter krank zu machen. Die Einschätzung des TÜV könnte Folgen für die Bundesliga haben.

  • Das in Argentinien hergestellte Spray "9-15 fair play limit" steht im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Nach Aussage des TÜVs darf es momentan nicht eingesetzt werden.
  • Der Deutsche Fußball-Bund ist zuversichtlich, eine Lösung ohne Mängel zu finden.
  • Fifa will eigene Regeln austellen
  • Bei der Fußball-Weltmeisterschaft bekam der weiße Schaum gute Bewertungen.

Spray-Einsatz in der Bundesliga könnte sich verzögern

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien wurde das Spray gerne verwendet - und positiv bewertet.

(Foto: dpa)

Die für Mitte Oktober geplante Einführung des Freistoßsprays in der Fußball-Bundesliga könnte gefährdet sein. In einem von der Bild-Zeitung in Auftrag gegebenen Gutachten kam der TÜV zu dem Ergebnis, dass das in Argentinien hergestellte Spray namens "9-15 fair play limit" im Verdacht steht, hormonell wirksam zu sein und damit auf lange Sicht ein Risiko für die Gesundheit zu sein.

Hormonell wirksame Chemikalien wirken im Körper wie natürliche Hormone und können damit den natürlichen Hormonhaushalt beeinträchtigen. Aus diesem Grund werden sie mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.

"Es darf in Deutschland und in der EU nicht eingesetzt werden, weil es nicht zugelassen ist. In der gegenwärtigen Form kann es auch nicht zugelassen werden", sagte Greta Dau. Die Wissenschaftlerin vom TÜV Rheinland wies darauf hin, dass die bei einer neuntägigen Untersuchung festgestellte Treibhaus-Konzentration mit 33 Prozent "vielfach höher" liege, als es bei nicht gekennzeichneten Dosen erlaubt sei.

Zudem entspräche unter anderem die Angabe der Nettofüllmenge nicht europäischen Vorgaben. Außerdem fehle die Kennzeichnung mit dem Flammensymbol für hochentzündliche Produkte.

Der DFB sucht nach Alternativen

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte relativ gelassen auf die Situation. "Wir sind zuversichtlich, eine Lösung ohne Mängel zu finden", sagte Lutz Michael Fröhlich, der zuständige DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichter. Der Sachverhalt sei dem DFB neu und werde geprüft, meinte Fröhlich. Er bestätigte aber auch, "dass wir unabhängig davon bereits seit Wochen mit anderen Anbietern in Gesprächen sind, um nach Alternativen zu dem kostenintensiven Import aus Argentinien zu schauen".

Nach Meinung von TÜV-Mitarbeiterin Dau sei mit "einem Ordnungswidrigkeitsverfahren und einer Geldbuße" zu rechnen, falls die Schiedsrichter wie geplant am 8. Spieltag das Spray einsetzen. Nach der Premiere am 18./19. Oktober sollte das Hilfsmittel ursprünglich auch im DFB-Pokal, beginnend mit der zweiten Runde am 28. Oktober, benutzt werden.

Fifa will eigene Richtlinien aufstellen

Die FIFA will angesichts der Diskussion um die Umweltverträglichkeit von Freistoß-Sprays bald eigene Richtlinien aufstellen. In den vergangenen Monaten habe das International Football Association Board (IFAB) in Zusammenarbeit mit dem Fußball-Weltverband an einem Konzept gearbeitet, in dem "Mindestvoraussetzungen für derartige Sprays definiert werden" sollen, wie ein Sprecher sagte. Ziel sei es, "qualitativ hochwertige und sichere Fabrikate", etwa mit Blick auf Umweltfragen, "vom Rest unterscheidbar zu machen".

Bei der Fußball-WM kam der Schaum gut an

Der Schaum war bereits im Sommer bei der WM in Brasilien im Einsatz und ist in dieser Saison schon fester Bestandteil der Champions League, der Europa League sowie der Primera División (Spanien) und der Ligue 1 (Frankreich). Die Einführung in Deutschland war nach Bedenken seitens der Schiedsrichter zunächst verschoben worden. Ursprünglich hätte das Spray zum Bundesligastart zum Einsatz kommen sollen. Die Erfahrungen bei der WM waren positiv.