Die Türkei spielt über weite Strecken schwach, gewinnt aber das zähe Duell gegen Kroatien mit 3:1 im Elfmeterschießen. Jetzt treffen die Türken im Halbfinale auf Deutschland.
So plötzlich kann sich ein Turnier drehen, nun saßen also die Deutschen am Freitagabend in ihrem Hotel in Ascona vor dem Fernseher beisammen und schauten sich lange entspannt und am Ende wohl ziemlich erstaunt an, wer sie denn nun am kommenden Mittwochabend (20.45 Uhr/ZDF) in Bern zum Halbfinalduell um den Einzug ins Endspiel fordern würde. Gegen Portugal gingen sie ja noch mit der Hypothek des Außenseiters an den Start, der einen Tag weniger Erholung nach dem letzten Gruppenspiel zur Verfügung hatte.
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Die Türkei feiert ihren glücklichen Viertelfinalsieg gegen Kroatien. (© Foto: dpa)
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In der Vorschlussrunde sind sie nun wohl wieder im Vorteil, wenngleich die Zeitspanne diesmal kaum ins Gewicht fallen dürfte. Doch sorgenvoll werden Joachim Löws Männer nicht ins Bett gegangen sein, denn die am Ende überglücklichen Türken dürften sie mit ihrer tristen Leistung kaum beeindruckt haben. Nach zwei Toren in der Schlussphase - das 1:1 erzielte Semih (120. + 2) im Wortsinne in allerletzter Sekunde und nur kurz nach Ivan Klasnic' spätem Führungstor (119.) - versagten im Elfmeterschießen gleich zu Beginn Kroatiens jungem Regisseur Luka Modric sowie Schalkes Ivan Rakitic und dem Dortmunder Mladen Petric die Nerven; der Gegner blieb fehlerfrei.
Beiden Mannschaften wird ja ein feuriges Temperament zugeschrieben, doch wer einen hitzigen Schlagabtausch erwartet hatte um die jeweils erste Halbfinale-Teilnahme überhaupt bei einer EM, der lehnte sich zunächst eher gelangweilt zurück. Zahlreiche kleine Fouls und nicht weniger Missverständnisse nahmen der Partie das Tempo; ohnehin waren beide Teams merklich darauf bedacht, mit ruhigem Aufbau irgendwie der eigenen Nerven Herr zu werden und möglichst den entscheidenden Fehler zu vermeiden.
Nach Altintops erstem Distanzschuss (5.) verabschiedeten sich vor allem die Türken früh vom Offensivspiel, sie bekamen nun hinten etwas zu tun. Besonders über die Außenbahnen näherten sich die Kroaten mehrfach mit Schwung der Gefahrenzone, gerade rechts musste sich Sabri häufiger von Olic, Kranjcar oder Rakitic überlaufen lassen.
Olics Großchance
Nach 18 Minuten brach dann allerdings Spielmacher Modric über die linke Deckungsflanke durch und brachte den Ball präzise vor die Füße des heranstürmenden HSV-Stürmers Olic - der ein erinnerungswürdiges Kunststück folgen ließ. Den Ball aus rund 200 Zentimetern Entfernung nicht in die Maschen zu setzen und stattdessen gegen die Querstange, das dürfte ihm jedenfalls nicht mal bei höchster Konzentration erneut gelingen, und wenn man ihm dafür noch so viel Geld böte. Kollege Kranjcar ist über so viel Unvermögen derart verblüfft gewesen, dass er den im Grunde ebenfalls kinderleichten Abpraller per Kopf unmotiviert über den Kasten setzte.
Den ersatzgeschwächten Türken war ihre Personallage deutlich anzumerken. Bis zur Pause sollte sich der WM-Dritte von 2002 aber immerhin sortiert und das zähe Ringen um ein paar Freiräume wieder in die neutrale Zone verlagert haben. Jetzt lauerten sie auf einen Fehler des Gegners. Kandidat für einen kapitalen Lapsus ist traditionell Verteidiger Simunic, und er wurde seinem zweifelhaften Ruf, den er sich als Profi von Hertha BSC erworben hat, bald gerecht. Allerdings konnte er ja auch nicht damit rechnen, dass Tuncay es doch einmal wagte, in den Strafraum einzudringen. Simunic stellte sich ihm ungelenk in den Weg und hielt den Kontrahenten fest, das Duo ging wie beim missratenen Paarlauf kapital zu Boden. Doch Referee Rosetti, ein Italiener mit strengem Blick, ließ Milde walten und unterließ den durchaus möglichen Elfmeterpfiff (36.).
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