TSV 1860 München Schluss mit dem Geldfluss

Präsident Peter Cassalette

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)
  • Der TSV 1860 erklärt völlig überraschend, dass die Gespräche mit seinem Investor Ismaik in positiver Atmosphäre gelaufen sein.
  • Ob Ismaik allerdings ein fünf Millionen Euro großes Darlehen erteilen wird, um sicher die Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison zu erhalten, ist weiterhin offen.
  • Weitere Investitionen möchte Ismaik offenbar vorerst vermeiden.
Von Philipp Schneider

Seit Samstag hatten die Anhänger des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München auf eine Mitteilung ihres Vereinspräsidenten gewartet. Am Dienstag dann, erst drei Tage nach seiner Rückkehr von einer fünftägigen Reise zu Investor Hasan Ismaik, verschickte Peter Cassalette eine Pressemitteilung mit der schönen Überschrift: "Positive Gesprächsatmosphäre in Abu Dhabi".

Das überraschte. Warf die Zeile doch die Frage auf, weswegen Ismaik gleich in dem Moment, als Cassalette ein Flugzeug in Richtung München bestieg, eine überaus irritierende Kampagne auf Facebook und Twitter gestartet hatte: Jenen schon jetzt beispiellos missglückten digital-globalen PR-Feldzug, auf dem er seither Tag für Tag und von den Vereinsvertretern unwidersprochen längst bekannte Missstände im Klub, pauschale Anschuldigungen und kuriose Verschwörungstheorien verbreitet. Warum nur konnte Ismaik all diese Themen nicht in der kleineren Runde mit positiver Gesprächsatmosphäre besprechen?

Vor diesem Hintergrund verblüffte es jedenfalls wenig, dass in der inhaltlich dürren Mitteilung lediglich ein Erfolg vermeldet wurde, der vor einer Woche noch als Selbstverständlichkeit durchgegangen wäre: Die etwa 1,5 Millionen Euro Transfereinnahmen aus dem Verkauf von Marius Wolf, der zu Hannover 96 wechselt, darf wohl Sportdirektor Oliver Kreuzer verwenden. Ismaik habe "sich damit einverstanden erklärt, dass wir diese Transfereinnahmen reinvestieren können", berichtet Cassalette.

Ismaik unterstützt die Löwen auch in Zukunft - nur finanziell nicht

Von der Million Euro, die der Jordanier noch vor Wolfs Verkauf für Wintertransfers zugesagt hatte, ist keine Rede. Genauso wenig wie von einer Zusage, dass der Jordanier seinem Klub im März abermals ein Darlehen in Höhe von rund fünf Millionen Euro erteilen wird, das wohl mal wieder benötigt wird, um gegenüber der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen ausgeglichenen Haushalt für die kommende Saison nachzuweisen. Entsprechend vielsagend wird Cassalette in der Mitteilung zitiert: "Hasans Sichtweise war uns bereits im Vorhinein bekannt, mit der entsprechenden Erwartungshaltung bin ich nach Abu Dhabi gereist." Und während des persönlichen Austauschs habe Ismaik "diese Meinung nochmals bekräftigt".

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Außer Erlösen aus Verkäufen wird demnach kein Cent mehr fließen, weder in den Kader noch in den Haushalt. "Entweder spürbare Veränderungen, oder keine Investitionen!" - so lautete die Doktrin, die der Jordanier auf der vorweihnachtlichen Pressekonferenz in London aufgestellt hatte. Der Zahlungsstopp war die Konsequenz seiner Sichtweise und ist es noch immer. Daran ändert sicher auch Ismaiks "Zusage, die Löwen auch künftig zu unterstützen", nichts, die auf den Zusatz finanziell verzichtet.

Die DFL soll endlich die 50+1 Regel kippen

Nun ist die Vereinsmitteilung glücklicherweise nicht so dürr, dass sie ganz ohne Botschaft auskommen müsste. Nach Lage der Dinge, das wurde schon in London deutlich, glaubt Ismaik noch immer, dass er 50+1 kippen könnte, indem er Druck ausübt auf die DFL. "Einer der wohl wichtigsten Punkte sei nach wie vor die 50+1-Regel" heißt es. "Wir haben verstanden, dass das für ihn ein wesentliches Thema ist", wird Cassalette zitiert.

"Falls es in dieser Angelegenheit zu Gesprächen mit der DFL kommen sollte", heißt es weiter, "sei der Verein daran interessiert, teilzunehmen." Offensichtlich hat sich Cassalette durchgerungen, diesen Inhalt als ein Versprechen des Vereins zu kommunizieren: Dass er Ismaik eines fernen Tages begleiten wird, sollte der erste arabische Investor im deutschen Profifußball das vermutlich aussichtslose Unterfangen starten, 50+1 abzuschaffen, indem er persönlich vorstellig wird in der DFL-Zentrale in Frankfurt.

Das alles mag leicht naiv anmuten. Doch fügt es sich nahtlos in Ismaiks Gesamtstrategie, sogar die Fans auf Facebook zum Sturm auf 50+1 zu bewegen. Auch wenn die in ihren Kommentaren längst nicht so freundlich kommunizieren wie Cassalette.

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