Zweitligist TSV 1860 München stellt Manager Miroslav Stevic und Investor Nicolai Schwarzer vor. Dieser soll Millionen für neue Spieler bereit stellen.
Es sah aus wie ein klassisch vollzogener Stabwechsel: Miroslav Stevic, der neue Sportdirektor des Fußball-Zweitligisten 1860 München, kam frohen Mutes im schwarzen Westenanzug zur Tür der Geschäftsstelle herein.
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Neuer, starker Mann bei Sechzig: Sportdirektor Miroslav Stevic. (© Foto: dpa)
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Nur Minuten später trat sein entmachteter Vorgänger Stefan Reuter durch die selbe Tür den Heimweg an, einen schwarzen Schal um den Hals geschlungen. Er sei "beurlaubt", sagte Reuter heiser-traurig, dann fuhr er vom Hof.
Soweit die gewöhnlichen Bilder und Emotionen vom Managerwechsel der Löwen am Dienstag. Die Begleitumstände der Inthronisierung von Stevic waren jedoch außergewöhnlich im deutschen Fußball.
Neben dem neuen Sportchef stellte 1860 einen Privatinvestor vor, der schrittweise Millionensummen in unbekannter Höhe für Transfers zur Verfügung stellen soll, damit der Traditionsverein bis 2010 den Aufstieg in die Bundesliga schafft. Dieser Rendite-orientierte Frischgeldgeber, der Berliner Immobilienunternehmer Nicolai Schwarzer, 35, stellte eine Bedingung: nicht mit Reuter!
Kurz in Mainz auf der Bank
Dies korrespondierte mit der hausinternen Vorrunden-Bilanz. Die sportliche Lage mit Tabellenplatz elf sei als "unbefriedigend" bewertet worden, deshalb habe man eine "Neuausrichtung" forciert, sagte Präsident Rainer Beeck bei einer 90-minütigen Pressekonferenz am Dienstag.
Das im Juni 2008 eingesetzte Präsidium, mit Beeck und dessen Stellvertretern Franz Maget und Michael Hasenstab, hatte zunächst einen engen Schulterschluss mit Geschäftsführer Reuter demonstriert. Doch bereits nach dem missratenen Saisonstart, als Trainer Marco Kurz unter Druck geriet, wurde das Betriebsklima rauer.
Damals, im August, konnte Reuter seine Hausmacht noch halten. Seit Dezember aber wurde hinter den Kulissen der Deal mit der Berliner Investorengruppe angebahnt, eingefädelt von Veit Wirth, einem Anwalt aus Münster. Am vorigen Mittwoch war Schwarzers Einstieg dann unterschriftsreif, damit stand Reuters Ablösung fest.
Das triste 0:2 der Löwen zum Rückrunden-Start gegen Freiburg war also nicht der Auslöser des Machtwechsels. Man hätte so oder so den Investoren die Tür geöffnet. Und Stevic.
Dem ebenfalls in der Kritik stehenden Kurz, mit dem Stevic 2007 in Köln die Trainerlizenz erwarb, sprach der neue Manager eine Jobgarantie aus - bis Sonntag: "Er sitzt in Mainz auf der Bank und ich daneben", sagte Stevic, "ich schätze Marco fachlich und als Mensch. Ich mache mir jetzt von innen ein Bild, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Alles andere als das Ziel Aufstieg bis 2010 wäre eine Lüge für unsere Fanfamilie."
In den Medien gaben bereits diverse Trainer indirekte Bewerbungen ab, von Klaus Augenthaler bis - kein Witz - Werner Lorant. Auch Namen wie Matthäus und Slomka spuken umher. Wahrheitswert: sehr fraglich.
Stevic will 1860 ,,wieder ein Gesicht mit Leidenschaft und Frische im Kopf geben''. Der Zuschauerschnitt sank in dieser Saison rapide, nun hoffen viele Fans auf Stevic als Schwungerzeuger.
Der Serbe, von 1994 bis 1998 Löwen-Profi, ist ein charismatisch-quirliger Typ, er hat aber keine Erfahrung als Manager. Stevic macht kein Hehl daraus, dass sich mit dem Einstieg bei 1860 für ihn "ein Traum erfüllt" hat.
Seit längerem wusste auch Reuter, früher in Dortmund Teamkollege von Stevic und heute sein Nachbar in Grünwald, von dessen Ambitionen. Das Verhältnis der beiden war entsprechend frostig.
Das von Beeck in der Pressekonferenz generös vorgetragene Angebot des Präsidiums, Reuter könne Geschäftsführer bleiben und sich künftig um die Sponsorenpflege kümmern war für den von allen Sportkompentenzen Entbundenden "aus vielen Gründen nicht annehmbar".
So teilte es Reuter den Reportern mit - das Präsidium, das mit Reuter bis tief in die Nacht um eine Lösung gerungen hatte, wurde erst später informiert.
Vizepräsident Hasenstab, selbst Investmentbanker, stellte den neuen Berliner Investor vor: Schwarzer, der auch Geschäftsbeziehungen zum Bundesligisten Hertha BSC pflegt, sei ein "ehrenwerter Geschäftsmann".
Bereits im Vorsommer stand ein Einstieg von Geldgebern bei 1860 im Raum, deren Verbindungsmann offenbar Stevic war. Damals hatte Beeck die Offerte als "unseriös" abgelehnt, weil die Investoren anonym bleiben wollten.
Mit der Person Nicolai Schwarzer legte das Präsidium nun seine Vorbehalte ab. Dessen Einstieg - mittels Gründung der Cornerstone Blue Lion GmbH - wertete Vizepräsident Maget "in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten als besonderen Erfolg".
Über mögliche Hintermänner Schwarzers verriet 1860 nichts. Betont wurde allerdings, dass die Einstellung von Stevic ,,keine Bedingung'' (Hasenstab) Schwarzers gewesen sei.
In den kommenden vier Transferperioden, so die Vereinbarung, kann 1860 nun bei Bedarf siebenstellige Summen des Investors in Anspruch nehmen, um zweckgebunden "Leistungsträger zu verpflichten", sagte Beeck.
Szenarien einer Vereinsübernahme durch ausländische Privat-Equity-"Heuschrecken" wies das Präsidium ebenso verhement zurück wie Medienberichte, man habe an den Neu-Investor bereits 20 Prozent der KGaA-Anteile für sieben Millionen Euro veräußert. "Wir schwimmen weiterhin nicht im Geld, unser strukturelles Etatdefizit bleibt. Wir können das Team aber jetzt gezielt verstärken", differenzierte Hasenstab.
Die erste Sofortmaßnahme des Managers Stevic war die Vepflichtung von zwei serbischen Landsleuten für die Defensive: Antonio Rukavina, 25, von Borussia Dortmund und Nikola Gulan, 18, aus Florenz.
Als Spielerberater will Stevic künftig nicht mehr tätig sein, bisher hatte er das Gladbacher Toptalent Marko Marin betreut, aus ,,Freundschaft zur Familie'', wie Stevic betonte. Nach seiner eigenen Darstellung war er nie ein offizieller Agent, Stevic weiß: Berater und Klubmanager zugleich, das wäre so unvereinbar wie Gewerkschaftler und Firmenchef.
Eine Balkanisierung des Kaders und eine Abkehr vom gepriesenen 1860-Jugendstil sei nicht zu befürchten, beteuerte Stevic: "Unser Kochrezept bleibt bayerisch. Mit welchen Zutaten, wird man sehen."
Fragwürdig waren aber die zeitlichen Abläufe des Wechsels in der sportlichen Leitung. Noch in der Winterpause hatte Reuter drei Offensiv-Zugänge verpflichtet und das Talent Timo Gebhart nach Stuttgart verkauft. Zu diesem Zeitpunkt hatte das 1860-Präsidium bereits alle Aufsichtsräte in seine Renovierungspläne eingeweiht.
Beeck sagte, so lange der Einstieg Schwarzers nicht sicher gewesen sei, habe man Reuter Handlungsfreiheit gelassen. Dass von den Umsturzplänen bis Sonntag nichts nach außen drang, war in der Tat ein Paradigmenwechsel bei 1860.
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(SZ vom 04.02.2009/odg)
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Zitat: "weil 60 nach Wildmoser keine Struktur und keinerlei Investitionssicherheit bieten konnte. Warum also sollten sich seriöse Geldgeber bei 60 beteiligen?"
Sehe ich genau so. Dass ein Finanzinvestor mittelfristig eine Mehrung seines eingesetzten Kapitals sehen möchte, braucht niemand ernsthaft anzuzweifeln.
Zitat: "Jetzt möchte ich nicht die Wildmoser-Ära als die Beste darstellen, aber er war mit Sicherheit mehr ein Präsident als alles was nach ihm kam und er hatte bessere Kontakte und kam somit auch an andere Geldgeber ran."
Er war auch der beste Präsident nach dem altehrwürdigen Adalbert Wetzel. Und das zu Beginn der Wildmoser Ära der Verein vor dem Bankrott gerettet, die Mannschaft innerhalb kürzester Zeit auf Bundesliga-Format getrimmt und immerhin zehn Jahre lang ununterbrochen erstklassig (in Bezug auf die Ligen-Zugehörigkeit!) gespielt wurde, das sind auch unabänderliche Tatsachen.
Und das der Arena-Vertrag als Partner des verhassten Nachbarn unterzeichnet wurde, hat sich erst mit dem Abstieg aus der ersten Liga und dem bisherigen Verbleib in der Zweitklassigkeit als Mühlstein um den Hals herauskristallisiert.
Mein persönliches Fazit: Alle, die damals gegen Wildmoser und seine Art der Vereinsführung waren, sollten jetzt mal in einer ruhigen Minute überlegen, ob das damals alles sooo falsch war. Aber viele wünschten sich damals ein anderes Präsidium - und haben mittlerweile das dritte (?) innerhalb von fünf Jahren bekommen...
Das Problem ist doch das niemand weiß was in der Zukunft mit dem Club passiert. Welchen Gegenwert kann 60 heute einem Sponsor bzw. einem Investor geben? Leider fällt die Antwort darauf sehr dünn aus. Warum? - weil 60 nach Wildmoser keine Struktur und keinerlei Investitionssicherheit bieten konnte. Warum also sollten sich seriöse Geldgeber bei 60 beteiligen?
Jetzt möchte ich nicht die Wildmoser-Ära als die Beste darstellen, aber er war mit Sicherheit mehr ein Präsident als alles was nach ihm kam und er hatte bessere Kontakte und kam somit auch an andere Geldgeber ran.
De facto ist es heute aber so das man bei 60 nehmen muss was kommt, und dabei ist ein 35 jähriger Immobilien-Unternehmer aus Berlin eben das Beste das man kriegen kann (Kann man in Berlin mit Immobilien Geld verdienen?). Wenn aber bei 60 durch die neuen Geldgeber nicht eine Strategie einkehrt die dann auch konsequent verfolgt wird, dann wird man den Club bald wieder in der 3. Liga finden.
Sehr viel Wahres in Deinem Beitrag. Riedl war zudem Haushaltsexperte der CSU!
Die einzige Chance, die 60 noch hat, ist, dass tatsächlich sportlicher Erfolg eintritt.
Sonst helfen diese 5 Mio auch nicht, wenn Sponsoren und Zuschauer nicht zurückgewonnen werden können.
Das Sagen haben jetzt Leute, die nicht wegen des Herzblutes bei 1860 sind.
ist die Reaktion von Maget. Während solche Investoren ansonsten von ihm als Heuschrecken bezeichnet werden, sind sie hier ein Glücksfall. Arme 60ger! Schade für so viele tolle Fans
so muss es sein, überbezahlte Sportler, die nur gelernt haben hinter einem Ball herzurennen dürfen Mänätscher spielen und Neureiche die geldklimpernd sich Ahhs und Ohhs im Freundeskreis anhören möchten, damit sie sich wie der Scheich oder der russische Geschäftsmann fühlen können -- so für einen Moment. Das passt
ja, und dann der Loddar als Bundespräsident, der wäre doch bekannt, wer kennt schon diese Blonde da oder den Fehrnsehkommisar. Wie heißen die nochmal?
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