Streit bei 1860 München "Das ist eine Schande für den deutschen Fußball"

1860-Investor Hasan Ismaik.

(Foto: dpa)
  • Gegen den Willen von Investor Hasan Ismaik setzen die e.V.-Vertreter Michael Scharold als neuen Geschäftsführer beim TSV 1860 München durch.
  • Ismaik wollte, dass der bisherige Amtsinhaber Markus Fauser vorübergehend bleibt - damit dieser seine Kernforderungen umsetzt.
  • Über den neuen Geschäftsführer Scharold sagt Ismaik: "Ich habe ihn selbst zu Sechzig gebracht. Aber er ist kein Anführer, er ist schwach."
Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Rein äußerlich kam am Ende das Ergebnis heraus, mit dem ohnehin alle gerechnet hatten, nachdem ganz schön opulent telefoniert worden war zwischen München und Abu Dhabi am Montagnachmittag. Bevor Hasan Ismaik und sein Bruder Yahya nach mehr als vier Stunden interkulturellem Streitgespräch und ein paar nett gemeinten Happy-new-year-Floskeln den Hörer wieder auflegten, so schildert es jemand, der dabei war, habe es zwei Abstimmungen gegeben: eine über ein mögliches Engagement von Franz Gerber als Geschäftsführer. Die andere über ein Engagement von Michael Scharold für dieselbe Stelle. Damit war zu rechnen gewesen. Nicht so sehr allerdings mit dem Ergebnis der Umfrage: Für Scharold stimmten zwei Personen, nämlich die e.V.-Vertreter Robert von Bennigsen und Robert Reisinger. Für Gerber stimmte: niemand.

Ja, nicht einmal die Brüder Yahya und Hasan Ismaik votierten für den ehemaligen Sportlichen Leiter von Jahn Regensburg, Hannover 96 und Madagaskar. Allerdings nicht, weil sie Gerber nicht in Verantwortung für den Sport sehen wollten bei 1860. Das wollten sie schon. Sondern einzig und allein, weil sie als Geschäftsführer nur eine Person wollten: Markus Fauser, den bisherigen Amtsinhaber. Sie hätten gerne eine dritte Abstimmung gehabt - über die Option, dass Fauser bleibt. Zumindest vorübergehend. Um dann in Ruhe und gemeinsam mit den e.V.-Vertretern einen Nachfolger zu finden, mit ungefähr drei Monaten Bedenkzeit.

Ismaik klagt: "Nichts von den sechs Punkten ist umgesetzt worden"

Ungeachtet der Abstimmung über Gerber, von der Ismaik wusste, dass er sie nicht würde gewinnen können, hätte er Gerber gerne als Sportmanager eingestellt, wie er am Mittwoch noch einmal nachschob: "Er war unser Kandidat. Aber die Vereinsvertreter wollten nicht einmal ein Bewerbungsgespräch mit ihm führen." Aus Ismaiks Sicht hatte der Restrukturierungsexperte Fauser seinen Restrukturierungsauftrag am Tag seines Abschieds schlicht noch nicht erfüllt - und zwar, weil er Ismaiks Sechs-Punkte-Wunschliste, die ihm im KGaA-Konstrukt mehr Macht bringen sollten und die im von e.V.-Seite mitgetragenen Sanierungsplan enthalten waren, noch nicht umgesetzt hat.

"Sie haben 50+1 benutzt"

Regionalligist 1860 München präsentiert mit Michael Scharold einen neuen Geschäftsführer. Die Vereinsvertreter setzen sich gegen Investor Hasan Ismaik durch. Von Philipp Schneider mehr ...

Fauser war ja der geistige und für einen Regionalligisten bestens bezahlte Vater jenes sogenannten Sanierungsbeschlusses aus dem vergangenen Sommer, in dem festgehalten ist, dass beide Gesellschafter darauf hinarbeiten, dass die Kernforderungen des Jordaniers irgendwann mal umgesetzt werden, so sie denn überhaupt mit den Statuten der Deutschen Fußball-Liga in Einklang zu bringen sind. Schließlich stundete Ismaik im Gegenzug zu diesem Versprechen seine Darlehen.

"Fauser hat viel Geld bekommen und hat noch nichts getan", klagte Ismaik am Dienstagnachmittag im Telefonat mit der SZ: "Ich wollte, dass er bleibt und die Restrukturierung weitermacht. Nichts von den sechs Punkten ist umgesetzt worden." In Wahrheit, schob Ismaik am Mittwoch nach, sei Fauser sogar nicht einmal als geistiger Vater des Sanierungsbeschlusses zu sehen: "Er hat nichts getan. Die KGaA ist eine kleine Firma, viele Verträge waren durch den Abstieg nichtig geworden. Und Fauser wusste oft nicht, wie es weitergeht." Erst "Anthony (Power, der ehemalige Geschäftsführer bei 1860, d. Red.) hat ihnen den Weg gezeigt." Und weil er gehört habe, sagte Ismaik, dass Fauser viel Geld verdient habe, wolle er dessen Bezüge nachträglich "in der nächsten Sitzung prüfen".

Die Vereinsvertreter wollen spätestens seit dem Schwarzen Freitag, als 1860 in die Regionalliga stürzte, weder Geld, geschweige denn Darlehen, noch Ideen von Ismaik entgegen nehmen. Also empfanden die Brüder Ismaik die gesamte Telefonkonferenz wohl als etwas, das ja in der Tat in regelmäßigen Abständen immer mal wieder aufgeführt wird bei 1860: eine Farce.

"Ich versuche, mit ihnen zu kooperieren, aber sie tun, was sie wollen", beklagte sich Ismaik: "Sie respektieren ihren Partner nicht, sie nutzen 50+1, das ist eine Schande für den deutschen Fußball und für ganz Deutschland." Er mache sich "große Sorgen, dass sie die Firma kaputt machen", sagte Ismaik: "Was gerade stattfindet, ist die Zerstörung dieses Klubs." Kein Geld mehr zu wollen, ist aus Ismaiks Perspektive gleichbedeutend mit Zerstörung, denn: "Fußball ist Geld." Am Mittwoch ergänzte er: "Jeder Verein braucht Geld, um konkurrenzfähig zu sein: siehe Barcelona, oder Paris Saint-Germain." Dennoch freue er sich, "dass 1860 sich finanziell selbständig absichert. Ich bin stolz darauf, denn ich habe es gerettet".