Mit der Harmonie ist es längst vorbei: Während Präsident Dieter Schneider offenbar seinen Rücktritt vorbereitet, greift der jordanische Investor Hasan Ismaik entschlossen nach der Macht im Klub. Der gerade erst gerettete Zweitligist riskiert damit offen seine Zukunft.
Fairness, Verständnis, Partnerschaft. Mit diesen Worten präsentierten sich der Präsident des TSV 1860 München, Dieter Schneider, und der neue Geldgeber und Retter des Zweitligisten, Hasan Ismaik, vor wenigen Wochen den Medien und den Fans. Alles werde nun besser, versprachen die beiden, denen Hamada Iraki assistierte, der Münchner Statthalter des arabischen Immobilien-Millionärs Ismaik. Und nun: Attacken, Fouls, ja fast Feindschaft.
Bild vergrößern
Greift nach der Macht: 1860-Investor Hasan Ismaik. (© Bongarts/Getty Images)
Anzeige
Die im deutschen Profifußball bislang einmalige Verbindung eines zahlungskräftigen ausländischen Investors mit einem Traditionsverein ist nicht einmal bis zum ersten Heimspiel friedlich verlaufen. Am Samstag gegen den Karlsruher SC werden Ismaik und Schneider nicht mehr gemeinsam jubeln, wie beim ersten Besuch des Mannes vom Persischen Golf in der Arena, beim 4:0 gegen Energie Cottbus. Es gibt nichts mehr zu bejubeln.
Stattdessen muss wieder gezittert und gebangt werden um den TSV 1860. "Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagt einer aus der Vereinsspitze. Der Klub könne sich aussuchen, ob er die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ausgestellte Lizenz und die Pleite riskieren wolle oder sich lieber in eine offenbar völlige Abhängigkeit vom Investor begebe, die freilich auch das Ende bedeuten könnte. Präsident Schneider will das nicht länger mitmachen.
Der 64-jährige Unternehmer bereitet den Rücktritt vor, mit einer schonungslosen Erklärung, die am Samstag im Stadion lautstarke Schmährufe provozieren könnte: Gegen Ismaik und Iraki, gegen Teile der Klub-Führung, nur nicht gegen Trainer und Mannschaft. Solche Proteste wären nachvollziehbar, wegen mancher seltsamer Dinge, die bei 1860 derzeit geschehen.
Von Aufräumen, Erneuern und Transparenz redet Ismaiks Statthalter Iraki gerne, wenn er bei 1860 vorspricht. Doch wie passt das damit zusammen, wie derzeit das Finanzwesen geregelt ist? Um das Geld der 1860 Fußball GmbH & Co. KGaA kümmert sich nach Angaben aus Vereins- und Investorenkreisen Irakis Steuerberater, freiberuflich und auf der Basis eines mündlichen Honorarvertrags.
Er soll dafür sorgen, dass täglich auf Knopfdruck die finanzielle Lage sichtbar ist. Normalerweise sind die Finanzen aber der Job des Geschäfts- führers - oder eines speziellen, für diesen Bereich zuständigen Managers, für den vor allem die Geschäftsführungs-GmbH des TSV 1860 zuständig wäre.
Das wäre eine wirksame Vorkehrung gegen einen zu großen Einfluss des Investors. Und das wiederum wäre ganz im Sinne der DFL, der Organisation der Erst- und Zweitligisten, deren Statuten eine mehrheitliche Übernahme von Profiklubs durch Investoren verbieten. Dass nun Irakis Steuerberater sich einstweilen um das liebe Geld kümmert, verschafft dem Investor viel Einfluss. Mehr Einfluss, als ihm zusteht?
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- TSV 1860 München Beständiges Chaos 18.07.2011
- Probleme mit der DFL 1860 München - der Präzedenzfall droht 20.07.2011
- 2. Bundesliga: Sonntagsspiele Braunschweig verblüfft die Liga 24.07.2011
- 2. Liga: TSV 1860 München Stelldichein bei Spargelsuppe 24.07.2011
- 2. Liga: 1860 München - Karlsruher SC 2:1 Der Investor jubelt 23.07.2011
- 1860 München: Einzelkritik Rumpelstilzchen im Cola-Rausch 23.07.2011
- 1860 München: Hamada Iraki Der Investorenflüsterer aus Palästina 22.07.2011
Champions-League-Finale
Liebe SZ, vergleichen Sie bitte den Inhalt des Briefes mit Ihrem Titel "Attacken, Fouls, fast Feindschaft", nehmen Sie meine wiederholten Aufforderungen zur Nachfrage bei Schneider und beurteilen danach sehr kritisch meinen Vorwurf der oberflächlichen Zündelei im Boulevard-Niveau ohne Mindestrecherche.
Vor allem schauen Sie einmal auf die Intentionen Ihres Informanten.
Ich habe versucht, zu verstehen, warum die gemeinsame Interessenlage an einer vernünftigen Wirtschafterei zu solchem Zwist führen könnte und habe vergeblich auf Aufklärung gehofft.
meine Güte... 1860! Hast Du's immer noch nicht kapiert?
Es wurde die ganzer Zeit geweint, 1860 wird nur zuschauen, 1860 wird bald Geschichte…..etc
Denn kommt ein Investor aus dem Nichts, und überweist 13 Millionen, nach ein Paar Tagen kommt raus dass 5 Millionen gar nicht erwähnt wurden, in Firmen Kreisen wurde man sowas Betrügerei nennen, aber nein der Investor meint wirklich ernst und will die 1860 retten, er macht trotz allem weitere 5 Millionen locker. Und jetzt?
Er soll die Klappe halten, er geht soweit, weil er einen Steuerberater beauftragt hat, die Gelder der Verein zu kontrollieren, weil er Transparenz verlangt, weil er ein paar Sachen wie der FC Bayern machen will, weil er dieselben Fehler wie vorher vermeiden will.
Eins wurde glaube ich noch nicht verstanden, es handelt sich hier um einen Investor, nicht um ein Wohltäter, der einen Danke reicht.
Investition erfordert Kontrolle das ist das normalste auf der Welt, es mag sein dass diejenige die vom Verein bis jetzt (zu Unrecht) profitiert haben sich unwohl fühlen, ein Verein muss wenn es um Finanzen geht, genauso wie eine Firma geführt werden, übrigens bei der FC Bayern läuft nicht anders, Herr Höneß wurde nicht umsonst zu Manager des Jahres gewählt.
Ich kann cafewestend und schlechinger nur recht geben. Was die SZ in den letzten Monaten über 60 von sich gibt ist unter der Gürtellinie
und nicht mehr zu akzeptieren. ich denke jetzt z.B. gerade an den Artikel in dem der Rummenigge zitiert wird. Nichts davon war wahr.
Wenn geschrieben würde das da ein Hr. Schneider ist, der schon viel in seinem Leben gleistet hat und sich nicht von zwei jungen und vergleichsweisen unerfahrenen Leuten wie Hr. Schäfer oder Hr. Iraki reinreden lassen will.......
Iraki aber sagt das Gewurschtel der vergangen Jahre geht so nicht weiter ....
Es kann sogar sein das sowas zum Rücktritt von Hr. Schneider führt (was hoffentlich nicht passiert).
Sowas habe ich öfters schon auch an anderer Stelle gesehen.
Aber diese Verschwörungstheorien die Sie in Ihrem Artikel verbreiten sind kaum nachvollziehbar.
Ich sehe keine großen Unterschied zum Boulevard..
Ihr werdet euer blaues Wunder erleben, vor allem was das Finanzielle betrifft.
Paging