TSV 1860 Auf der Suche nach dem inneren Messi

Bei Union Berlin trifft 1860 auf seinen früheren Stürmer Bobby Wood.

Von Markus Schäflein

Es ist jetzt ein gutes Jahr her, dass der damalige Sport-Geschäftsführer Gerhard Poschner im Trainingslager in Marbella den bevorstehenden Weggang des Stürmers Bobby Wood kommentierte. Erzgebirge Aue, der Klub, der Wood per Leihe aufnehmen wollte, befand sich wie der TSV 1860 München im Abstiegskampf der zweiten Fußball-Bundesliga. Poschner sah darin aber kein Problem: "Es würde sich beißen, wenn wir Befürchtungen hätten, dass wir großen Schaden davontragen würden", sagte er - sollte heißen: Wood, der bei Sechzig wegen Meinungsverschiedenheiten mit Poschner und dem damaligen Trainer Markus von Ahlen in Ungnade gefallen war, werde Aue sowie nicht helfen können. "Poschner zeigt Verkaufstalent", lobte der Wochenanzeiger.

Was die vergangene Spielzeit anging, konnte man Poschners Einschätzung fast noch recht geben: Wood fiel in Aue etliche Wochen wegen eines Meniskusrisses aus und steuerte insgesamt nur drei Tore in neun Einsätzen bei - Aue stieg ab, Sechzig rettete sich über die Relegation.

In dieser Spielzeit allerdings stürmt Wood erneut für einen direkten Konkurrenten der Löwen. Im Sommer wurde der amerikanische Nationalspieler, noch unter Poschner, an Union Berlin verkauft. Zu Sechzig mochte er längst nicht mehr zurückkehren. Und diesmal zeigt sich, dass Poschner sich täuschte. Acht Treffer und vier Vorlagen hat der 23-Jährige für die Berliner verbucht und damit entscheidend dazu beigetragen, dass sie als Tabellen-13. bereits zehn Zähler mehr gesammelt haben als der TSV. Wood, der viertbeste Torjäger der zweiten Liga, müsse "nur seinen inneren Messi rauslassen", jubilierte unlängst der amerikanische Fernsehsender NBC Sports, dann könne er jederzeit "ein paar hilflose Verteidiger mit starker Ballkontrolle austanzen und aus einem an physikalische Unmöglichkeit grenzenden Winkel treffen". Nicht ganz so lyrisch, aber nachdrücklich hat auch der amerikanische Nationaltrainer Jürgen Klinsmann seine Begeisterung für Wood zum Ausdruck gebracht; Klinsmann war es auch, der Wood zum Abschied aus Giesing riet, um wieder auf die Beine zu kommen. "Er ist ein cooler Typ und hilft mir sehr", sagt Wood.

Der amerikanische Nationalspieler Bobby Wood, 23, hat in dieser Spielzeit für Union Berlin bereits acht Treffer und vier Torvorlagen bejubelt.

(Foto: imago/Jan Hübner)

Von 2007 bis 2014, seit der U15, spielte der in Honolulu geborene Stürmer für Sechzig. Am Sonntag tritt er nun zum zweiten Mal gegen seinen ehemaligen Klub an, es ist immer noch "ein besonderes Spiel" für ihn. Das Treffen an der Alten Försterei (13.30 Uhr) ist auch für die Löwen besonders: Es stellt die Gelegenheit dar, die Berliner noch mit in den Abstiegskampf zu ziehen - bei einem Auswärtssieg der Münchner wären es noch sieben Punkte Abstand.

Dabei setzt 1860-Trainer Benno Möhlmann auf Rückenwind aus dem vergangenen Heimspiel, als seine Mannschaft zwar 0:1 gegen den 1. FC Nürnberg verlor, sein neues 4-4-2-System aber vor allem in der ersten Hälfte zu deutlicher Überlegenheit und einer Serie hervorragender Torchancen führte. "Auch wenn sich von den Punkten her nichts verändert hat, hat sich die Zuversicht bei uns intern verbessert", beteuert Möhlmann, "diese Leistung gibt uns die Power, daran zu glauben, dass wir es schaffen. Wir haben im inneren Kreis eine Basis gefunden, auf der man erfolgreich sein kann." Nun gehe es darum, "in Berlin genauso aufzutreten". Selbstredend erkennt Möhlmann daher "keinen zwingenden Grund", an der Aufstellung oder dem Kader etwas zu ändern. Zumal Winterzugang Goran Sukalo, fürs defensive Mittelfeld vorgesehen, weiter mit rätselhaften Adduktorenbeschwerden ausfällt.

"Die Zuversicht hat sich verbessert": Benno Möhlmann.

(Foto: dpa)

Dass die Leistung gegen Nürnberg nicht von Erfolg gekrönt war, lag maßgeblich an der mangelhaften Verwertung der Chancen. Stürmer Sascha Mölders berichtete, er habe sich die Szene, als er den schon am Boden liegenden Nürnberger Torwart Raphael Schäfer anschoss, mittlerweile um die 50 Mal angeschaut. Die Trainingsspiele hielt Möhlmann in der vergangenen Woche auf verkleinertem Platz ab, damit seine Spieler häufiger in Torabschlusssituationen kamen. "Wir haben gegen Nürnberg Riesenchancen gehabt, die kann man nicht so leichtfertig vergeben", klagt Möhlmann. "Da müssen sie eine andere Konsequenz gegenüber sich selber zeigen." Man könnte auch sagen: den inneren Messi wecken.