Von Moritz Kielbassa

In die schöne neue Welt des Hoffenheimer Großseins dringen branchenübliche Störfaktoren ein, Trainer Rangnick verlangt daher die "Rückkehr zu den Wurzeln".

Es ging schon unglücklich los, dieses Hoffenheimer Fußballjahr nullneun. Silvester feierten zehn Spieler gemeinsam in New York, ein Indiz für guten Gruppengeist, doch zurück kehrte die Hälfte der Manhattan-Urlauber: krank. In den Wochen danach haben die Medien keine Dorfmärchen mehr erzählt aus Hoffenheim, sie kündeten von vielerlei Widrigkeiten. Torjäger Vedad Ibisevic verletzte sich schwer, er hatte wie kein Zweiter den Flow der Hinrunde verkörpert. Trainer Ralf Rangnick rieb sich an Mannheimer Waldhof-Fans, weil die bei einem Hallenturnier unflätig pfiffen.

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Komm ich helf Dir: Die TSG Hoffenheim und Demba Ba könnten derzeit ein paar helfende Hände gebrauchen. (© Foto: ddp)

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Und er rüffelte die Vip-Gäste in der schicken, neuen Rhein-Neckar-Arena, die wegen ausgiebigen Buffet-Genusses zu spät zur zweiten Halbzeit kamen. Das 1:4 gegen Leverkusen hat 1899 in der Vorwoche zudem die Tabellenführung gekostet, aber das ist kein Thema, das Rangnick beschäftigt. Er will, dass seine Spieler, beginnend mit dem Ländle-Derby am Samstag in Stuttgart, vor allem eines tun: Fußball wieder als ihr Kerngeschäft begreifen.

Sauer aufgestoßen sind dem vom englischen Soccer geprägten Fußball-Puristen Rangnick zuletzt eine Reihe von Mode- und PR-Terminen seiner Spieler. Die sind zwar branchenüblich in Höhenluftregionen, passen aber nicht gut zum Bild der Traumfabrik Hoffenheim. Lange Zeit ist es Rangnick dort gelungen, sein Ideal vom Fußball ohne Showeffekte und störenden Zinnober umzusetzen: "Wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren", fordert der Trainer daher mit strenger Emphase.

"Wenn die Jungs wie Popstars gehypt werden und monatelang über Gott und die Welt befragt werden, sogar über die Handtaschen der Freundin, nur nicht über Fußball, dann ist es zutiefst menschlich, dass sie irgendwann selbst glauben, sie wären alle kleine Ribérys." Sprachgewandt wie Rangnick ist, drückte er damit zweierlei aus: Kritik an den Spielern, quasi mit der Kräuterdistel durch die Blume gesagt - zugleich aber nahm er seine Mannschaft in Schutz. Durch Medienschelte.

Spätestens seit der Auswertung der Leverkusen-Niederlage ist Rangnick in Habachtstellung. Hoffenheim, bekannt für aggressives Pressing, foulte beim 1:4 nur halb so oft wie der Gegner, und auch die Spielanalyse-Software meldete Bedenkliches: "Es kann nicht sein, dass der Gegner sechs Kilometer mehr läuft als wir. Das gab es noch nie", grantelte Rangnick. Noch 14 Tage vorher hatte sein Sturm-Zugang Boubacar Sanogo erstaunt konstatiert, jetzt wisse er, "warum Hoffenheim Erster ist: Weil alle 90 Minuten rennen". Dem Actionfußball der Vorrunde lag eine immense Laufleistung zugrunde.

Dass dieser Zauber zum Rückrunden-Start fehlte, dass Hoffenheims bisher so rasantes Spieltempo nachließ und zuweilen mehr hohe als flotte flache Pässe zu sehen waren - dafür gibt es plausible Gründe: den Substanzverlust durch Verletzte; und die normalen Zyklen des Fußballs, die auf jede Rauschphase einen Verlust der Hochform folgen lassen. Nicht gelten ließe Rangnick jedoch: Schickimickitum statt Fleiß.

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