Von Christof Kneer

Das Kreuz mit dem Band: Die TSG Hoffenheim muss wohl langfristig auf Torjäger Ibisevic verzichten - die Branche spekuliert schon lange über das Ende des Idylls.

Am schönsten ist es ja immer, wenn der Schmerz nachlässt. Ralf Rangnick atmete beim Test seiner Hoffenheimer gegen den Hamburger SV also tief durch, und in seinem Kopf verblassten langsam die Reste jenes Horrorszenarios, das sich Sekunden zuvor aufgedrängt hatte. Vedad Ibisevic stand ja wieder. Er lief zurück auf den Rasen, humpelnd noch, aber immerhin. "Da dachten wir alle: Gottseidank, vielleicht ist es ja doch nur eine Prellung", sagt Rangnick, der Trainer des Herbstmeisters.

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Hoffenheimer Horrorszenario: Vedad Ibisevic fällt aus. (© Foto: ddp)

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Am schlimmsten ist es vermutlich, wenn ein Schmerz, der schon nachgelassen hatte, wieder zurückkehrt. Es dauerte nur ein paar Momente, dann war das Horrorszenario wieder da. "Gleich bei der ersten Aktion hatte Vedad wieder Probleme", berichtet Rangnick. Als Ibisevic später ausgewechselt werden musste, glaubte keiner mehr an eine Prellung. Und nach den ersten Untersuchungen am Spielfeldrand stellten sich die Hoffenheimer darauf ein, dass sie vielleicht bald das böse Wort mit "K" sagen müssen: Kreuzband!

Am Donnerstag wurde der Stürmer vom Trainingslager im spanischen La Manga zurück nach Deutschland geflogen, wo am Abend die exakte Diagnose erwartet wurde. Um die Tragweite der Verletzung zu begreifen, brauchten die Hoffenheimer aber keinen konkreten Befund. "Ob Riss oder Anriss, die Behandlung ist fast die gleiche", hatte Manager Jan Schindelmeiser in vorauseilender Katastrophenerwartung schon am Mittag gesagt. Und Rangnick ergänzte, dass man mit der kreuzbandüblichen Halbjahrespause rechnen müsse, "falls eine Operations-Indikation vorliegt".

Kleine Grausamkeiten

Die halbe Winterpause hat die Branche darüber spekuliert, was wohl passieren wird, wenn die ersten kleinen Grausamkeiten ins Hoffenheimer Idyll einbrechen. Der FC Bayern hatte sich sicherheitshalber schon mal ein paar kleine Grausamkeiten einfallen lassen und ein paar kleine Lunten gelegt (Schauspieltruppe! Besserwisser! Größenwahn!), was dazu führte, dass die Hoffenheimer Debatten mitgehen mussten, die sie lieber ignoriert hätten. Seit dem Testspiel am Mittwochabend wissen die Hoffenheimer aber, dass das Luxusdebatten waren verglichen mit jener, die sie jetzt führen müssen.

Denn nun ist eine große Grausamkeit eingebrochen ins Idyll. Ibisevic, 24, hat in 17 Spielen 18 Tore geschossen, er war die Verkörperung des Hoffenheimer Laufes. "Wir werden jetzt wohl auf dem Transfermarkt handeln müssen", sagt Rangnick, in dessen Kader kaum Optionen stecken: Neben Demba Ba und dem ebenfalls angeschlagenenen Chinedu Obasi zählen nur noch der 19-jährige, noch unfertige Brasilianer Wellington sowie der 17-jährige, ebenfalls unfertige Deutsche Marco Terrazino zum Mannschaftsteil "Sturm".

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