Jogi Löw hatte seinen ersten wirklichen Test als Bundestrainer: Seine Elf zeigte eine erfrischende und überzeugende Leistung und bezwingt Tschechien hochverdient mit 2:1. Nun darf sich Löw von seiner Mannschaft feiern lassen.
Im amerikanischen Sport gibt es die so genannte "Initiation". Junge Spieler und neue Trainer werden so in die Gemeinschaft aufgenommen. Der Neuling muss eine kleine Mutprobe absolvieren, bekommt von der Mannschaft wüste Schnapsmischungen überreicht und einen dämlichen Hut aufgesetzt.
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Die "Initiation" findet nicht nach dem ersten Spiel statt, sondern nach dem ersten Prüfstein - ein Spiel gegen den Tabellenführer etwa, gegen den Erzrivalen oder den Nachbarsverein. Es gilt die Regel: Erst nach dem ersten wahren Test ist "Initiation Day".
Joachim Löw ist nun seit acht Monaten Bundestrainer, den wahren Einstand aber feierte er beim Spiel in Prag gegen Tschechien. Schon vor der Partie kündigte Löw an, auch beim Auswärtsspiel seine offensive Philosophie verfolgen zu wollen.
Seine Mannschaft setzte die Vorgabe in der ersten Halbzeit beherzt um, während die tschechische Elf das spielerische Mittel Hoch-auf-Koller-und-dann-mal-sehen verfolgte. Schneider kombinierte fröhlich mit Lahm auf der rechten Seite, über links wirbelten Jansen und Schweinsteiger derart kräftig, dass der tschechische Rechtsverteidiger Sionko einen Zug abbekam und zur Pause ausgewechselt wurde.
Da konnte es sich Kevin Kuranyi erlauben, sich 40 Minuten nicht am Spiel zu beteiligen und den gut unterhaltenen Zuschauer zu geben. Nebenbei konnte er hin und wieder seine Sprungkraft üben - er sollte sie kurz vor der Halbzeit brauchen. Nachdem Schweinsteiger bei drei Eckbällen zuvor eine Durchschnittshöhe von 35 Zentimetern erreichte, übernahm Torsten Frings.
Sein Eckball flog höher - Kuranyi sprang rückwärts nach oben und schaffte es dennoch, Druck hinter den Ball zu bringen. Tschechiens Torhüter Petr Cech war so verblüfft, dass er nicht mehr eingreifen konnte.
Am Spiel der deutschen Mannschaft war besonders beeindruckend, dass trotz der 1:0-Führung weiter nach vorne gespielt wurde. Zuerst legte Podolski uneigennützig auf Schneider auf, doch der hielt sich an die Fußball-Regeln: Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten - und Bernd Schneider schießt kein Tor. Machte nichts, denn nur wenige Augenblicke später erhöhte Kuranyi - wieder per Kopf - auf 2:0.
Wie es sich für eine Feuertaufe gehört, musste die deutsche Elf danach beweisen, dass sie auch mit kritischen Situationen umgehen kann. Als Tschechien nach dem glücklichen Anschlusstreffer anrannte, geriet die Abwehr nicht ins Wackeln, sondern stand sicherer als die Mauern von Jericho.
Joachim Löw hat den ersten Prüfstein in seiner Amtszeit als Bundestrainer eindrucksvoll gemeistert. Hält sich die deutsche Elf an den amerikanischen Brauch, werden sie ihrem Trainer einen komischen Hut aufsetzen - und dafür sorgen, dass er die ganze Nacht jedes Getränk auf der Karte vorgesetzt bekommt. Die "Initiation" hat er eindrucksvoll bestanden.
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(sueddeutsche.de)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
langsam läuft der schmieder zur hochform auf. echt gut und routiniert geschriebener artikel.
Ich habe leider nur die zweite Halbzeit gesehen - und wahrscheinlich deshalb ein etwas anderes Bild vom Spiel. Die Tschechen hatten zwei Druckphasen, vor dem 2:0 und nach ihrem Anschlußtreffer, da war ich mir keineswegs sicher, ob das Spiel noch nach Hause gefahren wird. Vor allem in ihrer zweiten Drangphase waren sie auch spielerisch, vor allem aber kämpferisch tonangebend und hätten bei besserer Chancenauswertung den Ausgleich noch schaffen können. Schneider und Schweinsteiger hingegen produzierten viele Fehler, im Falle von Schneider ungewohnt.
Dennoch ist auch mir aufgefallen, dass sich die deutsche Mannschaft nicht hat einlullen oder gar komplett zurückdrängen lassen. Wie eine Mauer haben sie nicht gestanden, aber dennoch verteidigt, was ging, der Einsatz stimmte und die spielerischen Qualitäten waren auch noch zu erkennen. Wenn die erste Halbzeit so gut war wie beschrieben, geht der Sieg in Ordnung. Tschechien war phasenweise sehr stark, wie man das von ihnen kennt, aber diese kurzen Phasen reichten eben nicht.
Denn hirnamputierte Jubelperser sind nun mal - Pauli hin oder her - weiterhin das Markenzeichen einer ganz bestimmten anderen konservativen politischen Regionalausrichtung. Passau lässt grüßen.
Kommt es mit nur so vor, oder hat die SZ eine erstaunlich hohe Nörglerquote? Ob das wohl an der politischen Ausrichtung liegt?
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