Von Thomas Kistner

Zweiter Akt in der Doping-Affäre: Nachdem Triathlet Vuckovic die Vorwürfe zurückgewiesen hat, soll er auf Bitte der DTU-Chefin seine Ärzte von der Schweigepflicht entbinden.

Der erste Akt war Formsache, das Resultat absehbar: Triathlet Stephan Vuckovic ging gegen die Dopingvorwürfe vor, die Martin Engelhardt, Ehrenpräsident der Deutschen Triathlon Union, gegen ihn erhoben hatte (SZ 29.11.). Engelhardt habe sich nach anwaltlicher Aufforderung schriftlich verpflichtet, "seine Falschbehauptungen nicht mehr aufzustellen und sich einer Vertragsstrafe unterworfen", ließ Vuckovics Anwalt Michael Lehner erklären. Der Vorwurf sei unwahr und würde "eine schwerwiegende Verleumdung" und eine erhebliche Beschädigung für Vuckovics Fortkommen als Profi darstellen, heißt es.

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Stephan Vuckovic vor zehn Jahren auf dem Siegertreppchen. (© Foto: AP)

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Orthopäde Engelhardt hatte im Oktober per "Gedächtnisprotokoll" an DTU-Topfunktionäre geäußert, Vuckovic habe 2001 mit Epo gedopt und dies auch zugegeben, als der Athlet nach einem schweren Kollaps bei der EM im tschechischen Karlsbad mit Leber-Nierenversagen in eine Bayreuther Klinik gebracht und von Ärzten befragt worden sei, die einige Tage um sein Leben rangen und daher die Auskünfte benötigten. Damals seien auch die DTU-Ärzte Müller-Ott und Marka dabei gewesen, die ihn dann, so Engelhardt, über das Dopinggeständnis informiert hätten. Engelhardt hatte damals gerade den DTU-Vorsitz an Müller-Ott abgegeben. Doch beide Betroffenen bestritten Engelhardts Darstellung auf SZ-Anfrage, nun tun sie es auch gegenüber der Partei Vuckovic.

Engelhardt macht trotzdem keinen Hehl daraus, dass er weiter vom Doping-Geständnis überzeugt ist. Dass er nun zurückrudern muss, habe juristische Gründe. "Die Demokratie in Deutschland gibt jedem die Freiheit, mit juristischen Möglichkeiten Aussagen zu unterdrücken", sagte er der Stuttgarter Zeitung. "In Abwägung der finanziellen Folgen, die mir drohen, werde ich die Punkte nicht mehr verbreiten." Dafür aber dem Innenministerium, der Nada und dem DOSB seine Kenntnisse des Falls übermitteln: "Wenn der ernst gemeinte Wille besteht, für einen sauberen Sport zu sorgen, dann muss dieser Sache nachgegangen werden."

Das sieht auch Claudia Wisser so. Die neue DTU-Chefin setzt den Beteiligten "Frist bis 15. Dezember, Stellung zu nehmen". An Vuckovic richtet sie dabei eine delikate Bitte, die auf der Hand liegt: Er solle doch die Ärzte, die ihn 2001 in Bayreuth behandelten, von der Schweigepflicht entbinden", und sein Legionellen-Attest von damals vorlegen. Vuckovic dürfte nichts dagegen haben, er will ja beweisen, dass er sauber war. Zweifel daran schürt nicht nur Engelhardt. Der Athlet tauchte auch im Mail-Fachgesimpel der deutsch-spanischen Doperverbindung Peraita/Springstein auf. Letzterer trainierte ihn bis 2001.

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(SZ vom 05.12.2008/agfa)