Transfersperre für den FC Barcelona Neue Messis aus Südkorea

Darf gute Arbeit einen Verstoß gegen die Fifa-Regeln erlauben? Der FC Barcelona bat den Weltverband vor langem um eine Ausnahme beim Transfer Minderjähriger, viele von ihnen aus Südkorea. Antwort gab die Fifa erst mit der jetzigen Strafe. In 18 Punkten wehrt sich der Klub und rätselt über den Hinweisgeber.

Von Oliver Meiler

Ihre Namen haben noch keinen schwungvollen Klang, doch bekannt sind die Teenager nun schon mal: die Südkoreaner Lee Seung Woo, Paik Seung Ho und Jang Gyeolhee, die Franzosen Theo Chendri und Kays Ruiz, der Kameruner Patrice Sousia, der Nigerianer Bobby Adekanye, der Japaner Takefusa Kubo und Ben Lederman aus den USA. Bei diesen jungen Fußballern vermutet der Fußball-Weltverband Fifa, dass sie regelwidrig beim FC Barcelona untergekommen sind; dass der Verein sie also zu jung unter Vertrag genommen hat, wobei sie keine der drei Ausnahmekriterien erfüllten.

Mehrere Jugendspieler dürfen seit einem Jahr kein Spiel für den FC Barcelona absolvieren.

(Foto: Getty Images)

Ihre Eltern haben erstens ihren Wohnsitz nicht nach Barcelona verlegt, weil es ihre Arbeit so verlangte; die Jungs waren zweitens nicht mindestens 16, der Transfer wurde nicht zwischen Ländern der Europäischen Union vollzogen; und sie spielten drittens vor ihrer Verpflichtung auch nicht in einem Verein, der weniger als 50 Kilometer von Barcelona entfernt war.

Eines der Talente, der Koreaner Lee Seung Woo, geboren 1998, gilt als "neuer Messi". So jedenfalls nennen ihn die lokalen Sportzeitungen Mundo Deportivo und Sport. Die Zeitungen folgen den Nachwuchsspielern der Masía, Barcelonas berühmter Fußballakademie, mit viel Aufmerksamkeit - gerade so, als ahnten sie, dass man die Zeitungsausschnitte mal in den glorreichen Annalen des Vereins ablegen wird.

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Seit einem Jahr schon, seit einer Warnung aus Zürich, dürfen Lee und seine Kameraden nicht mehr für die Teams ihrer jeweiligen Altersklasse spielen. Barça bildet die meisten von ihnen zwar weiter aus in der Masía, schulisch und fußballerisch, hat sie aber bis zum Erreichen des 18. Lebensjahrs aus dem Wettbewerb des katalanischen Fußballverbands suspendiert.

Der Klub hoffte, auf diese Weise die Fifa besänftigen zu können. In einem Brief baten die Katalanen gleichzeitig den Weltverband, Barcelona eine Ausnahme zu genehmigen, da man sich in der Akademie ja in jeder Hinsicht um die jungen Spieler kümmere. Oder anders: Barça räumte offen ein, gegen die Regeln verstoßen zu haben, bittet aber um Nach- und Einsicht, da man schließlich gute Arbeit leiste.

Doch die Fifa antwortete offenbar nie auf das Schreiben - bis sie den Klub jetzt mit einer Transfersperre und einer Geldstrafe belegte. Der FC Barcelona versucht nun, das Ungemach mit einem Einspruch, der 18 Punkte umfasst, doch noch abzuwenden. Man hatte genügend Zeit, um ihn aufzusetzen, seit der Warnung.

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Die Zeitung La Vanguardia hält die Strafe für einen "Skandal" und bestückt ihre Argumentation mit einer kühn apodiktischen These: "Lionel Messi", schreibt die Zeitung, "würde es als Fußballer nicht geben, wenn die Regeln der Fifa schon damals gegolten hätten." Nun, als Fußballer wahrscheinlich schon, vielleicht aber nicht als einer der weltbesten. Der 26-Jährige wird nicht müde, dem Klub seine Dankbarkeit für die Jahre in der Masía kundzutun - bei praktisch jeder Preisverleihung. Mit 13 Jahren war der Argentinier mit seinen Eltern und den drei Geschwistern nach Barcelona übergesiedelt.

Für viele Diskussionen sorgt in Barcelona nun auch die Frage, woher der anonyme Hinweis kam, der die Fifa zu Ermittlungen gegen Barça animierte. "Klingen da Glocken?", fragt Mundo Deportivo. Und viele Blicke richten sich auf den großen Rivalen in Madrid. . .