Transfermarkt Klub der Superreichen

Manchester-City-Trainer Pep Guardiola mit Mittelfeldspieler Fernandinho.

(Foto: Phil Noble/Reuters)
  • Die Transferperiode ist in den meisten europäischen Ligen zu Ende. Mit dem Wechsel von Neymar zu Paris gab es einen neuen Rekord-Transfer.
  • Betrachtet man die Daten der vergangenen Jahre, sieht man, dass immer weniger Vereine den Markt dominieren.
  • Paris Saint-Germain und die beiden Klubs aus Manchester ragen dabei heraus.
Von Christian Endt, Benedict Witzenberger und Martin Schneider

In diesem Sommer wurde Pep Guardiola zum dritten Milliarden-Trainer in der Geschichte des Fußballs. Das bedeutet: Pep Guardiola hat im Laufe seiner Karriere beim FC Barcelona, bei Bayern München und bei Manchester City ziemlich genau eine Milliarde Euro ausgeben lassen, um seine Mannschaften zu verbessern. Eine Milliarde, nur zur Erinnerung, ist eine Eins mit neun Nullen. Die anderen beiden Mitglieder dieses sehr exklusiven Zirkels sind übrigens der aktuelle Bayern-Trainer Carlo Ancelotti (1,13 Milliarden) auf Platz zwei und Spitzenreiter José Mourinho (1,43 Milliarden, derzeit Manchester United).

Dass Guardiola nun Teil des Milliarden-Klubs ist, liegt auch an der diesjährigen Transferperiode, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zu Ende ging. Sein Klub war der größte der großen Käufer - noch vor Paris Saint-Germain, die sich ja mit Geld aus Katar den Brasilianer Neymar leisteten. Manchester City holte sich dagegen mit Geld aus Dubai lieber eine komplett neue Abwehr - und verpflichtete vergleichsweise unbekannte Spieler von der AS Monaco (Benjamin Mendy, Bernado Silva) oder aus Tottenham (Kyle Walker). Weil diese vergleichsweise unbekannten Spieler aber trotzdem alle mehr als 50 Millionen Euor kosteten, schlug Manchester Paris in den Gesamtausgaben knapp mit 244 zu 238 Millionen.

Die beiden aus Golfstaaten alimentierten Klubs lagen dann bei den Gesamtausgaben in diesem Sommer knapp vor dem FC Chelsea (vom russischen Oligarchen Roman Abramowich alimentiert) und dem AC Mailand (von einem chinesischen Geschäftsmann mithilfe eines New Yorker Hedgefonds alimentiert). Der FC Barcelona folgt quasi aus Notwehr, weil sie ja das Geld aus Katar für Neymar auf dem Konto haben, und dann kommt auch schon Manchester United. Die sind im Besitz der us-amerikanischen Glazer-Familie, die man durchaus als Turbo-Kapitalisten bezeichnen kann.

Schaut man sich die Transfersalden (Einnahmen minus Ausgaben) der vergangenen fünf Jahre an, dann erkennt man das Klassensystem. Weit oben sind einige wenige Klubs, unten sammelt sich das Fußvolk des Fußballs.

Auffällig: Der enorme Unterschied zwischen der Premier League und den restlichen vier europäischen Klassen. Während sich in allen anderen Ligen Klubs mit Transferüberschüssen finden (die schwarzen Punkte unter der Null-Linie), erzielt in England kein Verein ein Plus. Der international unbekannte Londoner Verein Crystal Palace hat zum Beispiel im betrachteten Zeitraum mehr Geld ausgegeben als Bayern München.

Ausreißer Real Madrid

Ausreißer ist ausgerechnet Real Madrid, das seit der Verpflichtung von Gareth Bale für 105 Millionen Euro im Jahr 2013 keinen Mega-Transfer mehr tätigte und Weltklasse-Spieler wie Toni Kroos vergleichsweise günstig für 30 Millionen Euro holte. Allerdings war die Strategie, auf eine eingespielte Mannschaft zu setzen, auch gar nicht so schlecht: In vier Jahren gewann Real dreimal die Champions League.

Dabei hat Real Madrid das Prinzip der exorbitanten Transferausgaben eigentlich erfunden. Schon in den 60er-Jahren sammelte der Klub die besten Spieler Europas. Beim legendären 7:3 im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Eintracht Frankfurt schossen der Ungar Ferenc Puskas und der gebürtige Argentinier Alfredo di Stefano zusammen alle sieben Tore. Anfang der 2000er führte Präsident Florentino Perez das Prinzip der "Galaktischen" mit Ronaldo, Zidane und Beckham weiter. Real Madrid gab in der Geschichte des europäischen Fußballs viel Geld aus - holte aber auch in der ewigen Tabelle des Landesmeister-Pokals und der Champions League die meisten Punkte.

Über die Jahrzehnte betrachtet zeigt sich: Wer Geld ausgibt, ist erfolgreich. Ausnahmen: Paris und Manchester City. Beide Klubs haben in den vergangenen Jahren mehr Geld ausgegeben als Madrid, Barcelona oder der FC Bayern in ihrer ganzen Geschichte. Eine einzige Halbfinal-Teilnahme von Manchester City im Jahr 2015 war der einzige größere Erfolg der beiden Klubs.

Trotzdem haben es Paris und City geschafft, sich in den Zirkel der Top-Acht-Klubs in Europa einzukaufen. Und das wird immer teurer. Die berühmte Schere zwischen Arm und Reich, sie geht auch im Fußball immer weiter auseinander. Der Abstand zwischen den Spitzenklubs und der Mittelschicht wird immer größer - man muss sich nur die Transfersalden der vergangenen vier Jahre anschauen. Allein die beiden Verein aus Manchester haben zusammen 1,2 Milliarden Euro in den Markt gepumpt. Der FC Sevilla hat mit 142 Millionen Euro Transfererlös das meiste Geld verdient, kann aber dadurch lange nicht mit den Top-Klubs mithalten. Die beiden erfolgreichsten Ausbildungsvereine Europas spielen übrigens nicht in einer Top-5-Liga: Benfica Lissabon und der FC Porto verdienten mit Spieler-Verkäufen 332 beziehungsweise 215 Millionen Euro.

Eine der Gründe dieses Ungleichgewichtes ist - neben den arabischen, russischen und chinesischen Investoren und der Tatsache, dass in der Champions League massiv viel mehr Geld verdient werden kann als in der Europa League - der Fernsehvertrag der Premier League. Im Februar 2015 verkündete die Liga, dass der neue Vertrag über drei Jahre 6,9 Milliarden Euro bringt. Das war doppelt so viel wie in der Periode zuvor und weit mehr als in jeder andere Liga in Europa. Es ist immer noch so, dass der Tabellenletzte in England mehr Einnahmen aus der TV-Vermarktung bekommt als der FC Bayern München. Warum ist der Vorsprung so groß? Nun, in England gibt es zwei Pay-TV-Sender (Sky und BT Sport), die im Wettbewerb zueinander stehen (in Deutschland gab es lange nur Sky bzw. Premiere). Außerdem ist die Liga international vermarktbar. Englisch ist eine Weltsprache, und im Gegensatz zur Bundesliga ist der Meisterschaftskampf spannend.

All das führt dazu, dass die Liste der teuersten Transfers der Fußballgeschichte spätestens im kommenden Jahr schon wieder neu durchgewürfelt werden dürfte. Kylian Mbappé ist - um eine Uefa-Regal zu umgehen - erstmal von Monaco nach Paris ausgeliehen, im kommenden Jahr wird er 180 Millionen Euro kosten. Und in der nächsten Transferperiode wird im Fußball auch nicht weniger Geld stecken. Im Gegenteil.

Mitarbeit: Thomas Gröbner

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