Transfergeschacher um Robert Lewandowski Rauspressen, was geht

So begehrt, so kompliziert: Ob Robert Lewandowski bald zu den Bayern geht, ist noch nicht klar. 

(Foto: dpa)

Robert Lewandowski soll den BVB verlassen, deshalb drehen seine Berater an der Psychoschraube. Die Borussia könnte zur Freigabe ihres Stürmers genötigt werden. In der Wirtschafts-Sonderzonen Fußball schaffen Verträge längst nicht mehr Sicherheiten, sondern sind Spekulationspapiere geworden.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Der Preis für die größte Nervensäge der Saison hätte durchaus auch an Uli Hoeneß gehen können. Durch seine Steueraffäre entzieht er sich allerdings dieser Kategorie, seine Lage ist zu ernst. So dürften wohl der Deutsche Maik Barthel und der Pole Cezary Kucharski diesen Ehrenpreis konkurrenzlos einstreichen. Gefährdet war der Triumph der Berater des Torjägers Robert Lewandowski nur, als Hoeneß anregte, die Bundesliga möge schnellstmöglich eine Arbeitsgruppe zur Vermeidung sogenannter "spanischen Verhältnisse" einrichten.

Gemeint ist damit jener Dualismus, der Spaniens Liga seit Jahren die Spannung raubt, da Real Madrid und der FC Barcelona nur noch untereinander ausmachen, wer zuerst über die Ziellinie geht. Es hätte eigentlich ein honoriger Vorschlag von Hoeneß sein können, abenteuerlich ist im Nachhinein allerdings nicht nur der Zeitpunkt, zu dem er ihn äußerte.

Denn da hatte er längst gewusst, dass die Bayern an Mario Götze dran sind, auf den die Dortmunder ihre Zukunft bauen wollten. Hoeneß sorgte sich öffentlich um die Ausgeglichenheit der Liga, während hintenrum am Götze-Deal gearbeitet wurde - da hätte er besser geschwiegen. Zumal die Münchner ja bereits mit Rekordvorsprung die Meisterschaft eroberten und den Dortmundern, dem einzigen Klub, der als Verfolger langfristig in Frage hätte kommen können, nun auch noch Lewandowski abhanden zu kommen droht.

Jedenfalls drehen dessen Berater, besagte Preisträger Barthel/Kucharski, intensiv an der Psychoschraube, wodurch die Borussen zur Freigabe ihres Stürmers genötigt werden sollen. Noch einmal kurz zum Unterschied beider Kontrakte: Götze besitzt eine Ausstiegsklausel, die von den Bayern gegen 37 Millionen gezogen werden konnte, Lewandowski hat keine. Er besitzt nur ein Stück Papier, offiziell gültig bis zum Sommer 2014.

Dazu hatte Berater Kucharski unlängst im polnischen Fernsehen einen verräterischen Satz formuliert: "Wer Roberts Karriere verfolgt hat, wird wissen, dass er in keinem Verein länger als zwei Jahre gespielt hat. In Dortmund spielt er bereits in seiner dritten Saison. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, was das bedeutet." Soll heißen: Wer zwischen den Zeilen liest, muss wissen, dass Vertragsbruch impliziert ist.

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Gehen nach Götze auch noch Lewandowski, Hummels & Co.? Solange Dortmund nicht über ähnliche finanzielle Mittel für Spielergehälter verfügt wie der FC Bayern, Real Madrid oder Barcelona, wird das Gewitter der Spekulationen kein Ende nehmen.

Schon im Vorjahr war ja versucht worden, Lewandowski zu Manchester United zu lotsen. Seither hat das nervende Geschacher nicht mehr aufgehört. Deutlich wurde dabei wieder einmal, dass ein Kontrakt im Fußball etwas völlig anderes beabsichtigt als im normalen Geschäftsleben - wo er der verbindlichen Abrede unter zweien dienen soll. Nicht jedoch in dieser Wirtschafts-Sonderzone, in der Verträge nicht Sicherheiten schaffen, sondern Spekulationspapiere sind.

Die jüngsten Schlagzeilen aus der Fußball-Sonderzone führen in der Konsequenz jedoch dazu, dass sich das pure Spiel in dieser Woche selbst abgeschafft hat. Selten zuvor sind zwei so grandiose Spiele so kurz gefeiert worden wie das 8:1 von Bayern/Dortmund in den Hinspielen des Champions-League-Halbfinales gegen Barcelona/Real. Die Frage ist nun, wie lange das Publikum ein solches Geschacher toleriert? In dieser Spielzeit hat der Erfolg der Bundesligisten vieles überdeckt, zumal es Pädagogen wie Heynckes in München und Klopp in Dortmund gelang, die Jungprofis auf Linie zu halten, während die ganze Welt an ihnen zerrt.

Mehr als 80 Prozent der Umsätze im Fußball, heißt es, werden in Personalkosten, also Gehälter und Provisionen umgeleitet. Kein Wunder, dass da vielen die Idee kommt, rauszupressen, was geht.