Transferblog Renato Augusto wechselt nach China statt in den Pott

Renato Augusto entschied sich gegen einen Wechsel in die Bundesliga - und muss damit immerhin nicht gegen seine alte Liebe aus Lervkusen spielen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Renato Augusto wechselt nach China, obwohl ihm ein Angebot von Schalke 04 vorlag.
  • Der Brasilianer soll in Peking laut Medienberichten rund neun Millionen Euro pro Jahr verdienen.
  • Dass das Vorhaben auch schiefgehen kann, zeigt ein anderes prominentes Beispiel.
Von Alexander Mühlbach

Tränen liefen über Renato Augustos Wangen, als er nach seinem letzten Spiel für Bayer Leverkusen kurz vor der Winterpause 2012 in das Meer der roten Fans blickte. Eigentlich war der brasilianische Mittelfeldspieler drauf und dran gewesen, sich nach seinem Wechsel 2009 beim Werksclub durchzusetzen. In der ersten Saison kam er bei 33 der 34 Ligapartien zum Einsatz, er wurde sogar in die brasilianische Nationalmannschaft berufen. Aber an diesem Dezemberabend gegen den HSV vor heimischem Publikum liefen die Tränen. Augusto war von seinem Klub zum Abschied gezwungen worden, man wollte ihn nicht mehr.

"Renato hat uns in seiner Zeit in Leverkusen viele tolle Fußballmomente beschert", sagte damals Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, was ja durchaus stimmte. Augusto bereicherte mit seiner Dynamik, seinem Auge tatsächlich immer wieder das Leverkusener Spiel, allerdings war der Brasilianer auch oft ein Fall für die medizinische Abteilung. Eine Operation am Bein im November 2009, eine weitere am Knie im Oktober 2011 und viele muskuläre Probleme zwangen Augusto so häufig zu Pausen, dass er irgendwann nicht mehr an sein ursprüngliches Niveau anknüpfen konnte. Weswegen Leverkusen ihn an den brasilianischen Klub Corinthians verkaufte.

Dort bekam Augusto seinen Körper wieder in den Griff, wurde 2014 Stammspieler, gewann 2015 die Meisterschaft und erhielt zudem die Auszeichnung des besten Spielers der Saison - und machte die Bundesliga wieder auf ihn aufmerksam. Laut Sport Bild war Schalkes Trainer André Breitenreiter jetzt sogar bereit, bis "an die finanzielle Schmerzgrenze" für den wechselwilligen Mittelfeldmann zu gehen. Aber als dessen Berater ein Netto-Gehalt von vier Millionen Euro im Jahr forderte, stiegen die Gelsenkirchener aus den Verhandlungen aus. Dennoch gab Augusto auf einer Pressekonferenz nun einen Vereins-Wechsel bekannt - allerdings zum chinesischen Klub Beijing Guoan.

"Als Spieler hast du zehn Jahre, um Geld zu machen"

"Ich habe China nicht ausgewählt, China hat mich gewählt", sagt Augusto über den ungewöhnlichen Transfer. China statt Bundesliga - und das im allerbesten Fußballeralter von 27. Nunja. Die schwache sportliche Perspektive in Fernost ist Augusto angeblich egal, ihm scheint es um andere Dinge zu gehen. "Als Spieler hast du zehn Jahre, um Geld zu machen", erklärt Augusto, der in Peking laut brasilianischen Medien rund neun (!) Millionen Euro pro Jahr verdienen soll. "Wenn solch ein Angebot kommt, denkt man an die Zukunft seiner Kinder oder sogar der Enkelkinder", sagt der Brasilianer. Zumindest ist er ehrlich.

Dennoch dürfte auch Augusto das Beispiel des Ex-Dortmunders Lucas Barrios bekannt sein, der im gleichen Alter nach China wechselte, einen Millionenvertrag unterschrieb und nach wenigen Monaten total unglücklich mit seiner Situation war. Barrios, der sich damals ebenfalls unter Tränen von den Dortmunder Fans verabschiedet hatte, wollte plötzlich nur noch eines: zurück nach Europa. Jetzt soll Hannover interessiert sein.

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