Trainingslager in Katar Der FC Bayern sollte sich konkreter positionieren

Selfie mit David Alaba, entstanden 2016, als die Bayern auch schon in Katar residierten.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Nach wie vor benennt der Klub nicht, welche Überzeugungen ihn ins Trainingslager nach Katar reisen lassen. Dabei betonen die Bayern sonst so häufig ihre gesellschaftliche Verantwortung.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Sigmar Gabriel, das vorweg, steht nicht im Verdacht, in dieser Debatte parteiisch zu sein: Gabriel ist Fan von Werder Bremen. In seiner Funktion als Außenminister hat Gabriel (Werder Bremen) nun dennoch dem FC Bayern einen kleinen Gefallen getan, indem er den Klub in dessen Wahl des Trainingslagers bestärkte, wie Klubboss Karl-Heinz Rummenigge der tz verraten hat: "Außenminister Sigmar Gabriel hat mir neulich bestätigt, dass sich die Situation der Arbeiter in Katar durch den Fußball verbessert habe, auch wenn sie natürlich immer noch besser werden könne."

Zum achten Mal ist der FC Bayern am Dienstag zum politischsten Trainingslager der Liga aufgebrochen - so politisch, dass sogar der Außenminister in die Debatte integriert wird. Katar, Gastgeber der Fußball-WM 2022, wird seit Jahren wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert; daraufhin hatte die Regierung in Doha im Herbst angekündigt, das Kafala-System abzuschaffen, das Gastarbeiter der Willkür ihrer Arbeitgeber ausliefert.

Immerhin: Der Umgang mit dem Thema hat sich verbessert

Amnesty International kritisierte im Dezember, dass Gastarbeiter "systematisch und erbarmungslos hereingelegt werden" - mehr als die Hälfte der Arbeiter, die auch die WM-Stadien bauen, gab an, schlechter bezahlt zu werden als vereinbart. Zum achten Mal stellt sich also die Frage, warum der FC Bayern nicht in ein weniger umstrittenes Land reist.

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Immerhin: Der Umgang des Klubs mit dem Thema hat sich verbessert, auch wenn er natürlich immer noch besser werden könnte.

In den ersten Jahren erklärte der Verein die Reise nach Katar einfach damit, dass dort die Trainingsbedingungen am besten seien. Vor zwei Jahren sagte Rummenigge dann, dass ein Trainingslager "keine politische Äußerung" sei. Nach dem Austausch mit Gabriel allerdings betonte der Klubboss nicht ohne Stolz, dass der FC Bayern zu den Veränderungen "seinen Teil" beitrage und dass "unsere Partner in Doha" - darunter der dortige Flughafen, ein sogenannter (und gut zahlender) Platin Partner des Vereins - "unsere Überzeugungen" kennen, denn darüber würden sie "vertraulich" sprechen. Doch diese Überzeugungen sind es, um die es noch zu wenig geht.

Der FC Bayern stellt als bekanntester Fußballverein des Landes einen Identifikationsfaktor dar, der für Werte wie Respekt, Freiheit, Toleranz steht. Und nach wie vor benennt der Verein nicht, welche Überzeugungen ihn nach Doha reisen lassen, welche Überzeugungen er dort in den Gesprächen einsetzt, um einen Teil (welchen?) zu den politischen Veränderungen beizutragen. Das sind hohe Erwartungen an einen Fußballverein - allerdings auch an einen, der häufig seine gesellschaftliche Verantwortung betont. Ein stolzer und sendungsbewusster Verein wie der FC Bayern müsste sich in dieser Debatte konkreter positionieren. Die Situation im WM-Land ist nach wie vor zu strittig.

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