Trainerwechsel beim 1. FC Köln Schaefer kommt statt Solbakken zurück

Am Ende hatte Kölns Trainer Stale Solbakken keine Lust mehr auf Durchhalteparolen. Nun hat der FC ihn entlassen, vier Spiele vor Schluss und vor dem Duell gegen den Erzrivalen Gladbach. Sein Nachfolger ist Frank Schaefer. Er hatte den Verein schon vergangene Saison trainiert und dann hingeschmissen - mit ähnlicher Begründung, die die Klubführung jetzt für seine Wiederverpflichtung anführt.

Von Ulrich Hartmann

Es ist in den vergangenen Tagen immer schwieriger geworden, dem Trainer Stale Solbakken zu folgen. Sein Deutsch hat gelitten unter der Krise des 1. FC Köln. Nicht dass er seine Vokabeln verlernt hätte, aber sein Deutsch-Norwegisch ist immer verwaschener geworden. Solbakken, 44, war der immer selben Fragen überdrüssig. Er hatte keine Lust mehr auf Erklärungen und Durchhalteparolen. Das hat man ihm angemerkt.

Frank Schäfer soll den 1. FC Köln vor dem Abstieg retten.

(Foto: AFP)

Vielleicht ist er verzweifelt an der Hartnäckigkeit, mit der seine Mannschaft sich seiner speziellen Spielstrategie verweigert hat. Vielleicht ist er verzweifelt am komplexen Charakter dieser Mannschaft, vielleicht auch am speziellen Kölner Umfeld. Solbakken besitze eine sehr feine Ironie, hat der vormalige Sportdirektor Volker Finke einmal gesagt. Doch mit Feinsinnigkeit hat man es im Rheinland nicht so leicht.

Am Donnerstagabend ist Solbakken nach neuneinhalb Monaten von seinem Amt suspendiert worden. Vier Spieltage vor dem Saisonende waren Verwaltungsrat und Geschäftsführung der Ansicht, dass es zur Vermeidung des Abstiegs noch einmal eines Wechsels an der Spitze der Mannschaft bedarf. Beim Spiel in Mönchengladbach am Sonntag und bis zum Saisonende betreut die Mannschaft nun jener Frank Schaefer, 48, der bereits in der vergangenen Saison als Nachfolger von Zvonimir Soldo für ein halbes Jahr und 22 Ligaspiele die Verantwortung trug. Ihm assistieren der bisherige Amateurtrainer Dirk Lottner und der Jugendkoordinator Stephan Engels.

"Schäfer genießt Sympathien bei unseren Fans"

Geschäftsführer Claus Horstmann und Verwaltungsratsboss Werner Wolf haben sich schwer getan mit dieser Entscheidung. Sie haben sich nicht zu einem Trainerwechsel durchringen können, als der FC vor zwei Wochen in Augsburg enttäuscht hatte, nicht, als er am Dienstagabend in Mainz 0:4 vom Platz gefegt wurde, nicht am Mittwoch, als die Vorbereitung auf die Partie in Gladbach begann und nicht am Donnerstagmittag, als der Klub die Einladung "zum Pressegespräch am Freitagmittag mit Chef-Trainer Stale Solbakken" verschickte.

Erst am späten Donnerstagnachmittag teilten sie dem im vergangenen Sommer vom FC Kopenhagen gekommenen Trainer mit, dass sie der Mannschaft unter ihm keine kurzfristige Wende mehr zutrauen.

Nun soll es Schaefer richten und damit ausgerechnet jener Mann, der in der vergangenen Saison vom Interims- zum Cheftrainer avanciert war und dann drei Spieltage vor dem Saisonende kurzfristig hinwarf, woraufhin Sportdirektor Volker Finke den 1. FC Köln mit drei Siegen aus dem größten Schlamassel holte. Vor einem Jahr hatte Schaefer sein Amt mit der Begründung niedergelegt: "Diese Mannschaft braucht neue Impulse, sie muss ganz neu angesprochen werden." Mit nahezu dem gleichen Wortlaut begründet Interims-Klubchef Werner Wolf den Wechsel von Solbakken zu Schaefer: "Unser Team braucht jetzt erkennbar neue Impulse für den Abstiegskampf."

Horstmann findet, dass "Schaefer in der letzten Saison gezeigt hat, dass er das Team zu Hochleistung motivieren kann, er hat jetzt den Auftrag, alle Reserven zu mobilisieren, um mit der Mannschaft die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen." Schaefer genieße "hohe Sympathien bei unseren Fans, und auf deren Unterstützung ist unsere Mannschaft in dieser schwierigen Situation angewiesen."

Schaefer war in dieser Saison bislang als Koordinator in der Talentsuche tätig. Er übernimmt die Profis auf dem drittletzten Platz und hat mit den Kontrahenten Gladbach, Stuttgart, Freiburg und Bayern München ein schweres Restprogramm. Sein erstes Training leitet Schaefer am Freitagmittag.