Trainer des FC Bayern Guardiolas Zeiten

"Für mich war es eine große Herausforderung": Pep Guardiola verwundert mit Sätzen in Vergangenheitsform.

(Foto: AFP)

Denkt Pep Guardiola an einen Abschied vom FC Bayern? Oder fehlt ihm nur das Sprachgefühl? Beim Besuch eines Fanklubs in Greding antwortet der Trainer auf Fragen nach seiner Zukunft in der Vergangenheitsform.

Von Jonas Beckenkamp

Der Fußballtrainer Josep Guardiola arbeitet seit eineinhalb Jahren in München, er hat schon Lederhosen getragen und vielleicht hat er auch schon eine Weißwurst probiert. Über die Essgewohnheiten des Katalanen ist wenig bekannt - genauso wenig Wissen kursiert über seine Zukunftspläne. Als meistgefeierter Coach des Planeten war Guardiola im Sommer 2013 nach Deutschland gekommen. Ein Glücksgriff des FC Bayern, ein Mensch, der den Fußball nach seinen eigenen Ideen verändert, da waren sich alle sicher.

Sportlich lässt sich sein Wirken nach dem Doublegewinn und einer erdrückenden Dominanz seiner Elf in der Bundesliga nicht anzweifeln. Der Pep-Effekt ist überdeutlich. Die Bayern spielen so gut und variabel Fußball wie es wohl noch keine deutsche Mannschaft hinbekam. Auch wenn es im vergangenen Jahr nicht zum Titel in der Champions League reichte - die Aussichten sind blendend. Nun allerdings kommt immer öfter die Frage nach einer Vertragsverlängerung.

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Guardiola blockt Fragen ab

Und hier wird es schwierig. Guardiola wartet ab, taktiert, lässt den Klub im Unklaren. Über sein Arbeitspapier, welches bis Mitte 2016 gültig ist, möchte der Trainer seit Monaten nicht debattieren. Nicht in der Öffentlichkeit und auch nicht mit den Verantwortlichen des FC Bayern. Gespräche über eine mögliche Verlängerung blockte der 44-Jährige in den vergangenen Wochen ab, immer wieder ließ er wissen, dass er erst nach der laufenden Spielzeit entscheiden wolle, ob seine Ära noch andauern soll. "Nach der Saison im Sommer haben wir Zeit zu sprechen", sagt Guardiola.

Zuletzt hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge Einsicht angekündigt, dieses Thema bis zum Sommer ruhen zu lassen. Nerven wollen die Bayern ihren wichtigsten Angestellten offenbar nicht. Rummenigge sagte der Münchner tz am Wochenende: "Ich hoffe, dass er so lange wie möglich beim FC Bayern bleibt. Aber ich werde ihn frühestens in der zweiten Hälfte 2015 nochmals mit der Frage konfrontieren." Erledigt ist das Thema damit lange nicht. Auch an diesem Montag musste er erneut zum Werdegang des Coaches Stellung beziehen. "Es gibt nur einen Plan A und der heißt Guardiola", sagte der 59-Jährige am Rande der Eröffnung einer Sonderausstellung zum Thema "Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball und beim FC Bayern München".

"Ich möchte und er möchte auch, dass wir uns jetzt komplett auf die Rückrunde konzentrieren", erklärte Rummenigge weiter: "Wir werden alles in aller Ruhe danach besprechen." Man habe ein "wunderbares" Verhältnis, Guardiola wisse, wie der FC Bayern zu ihm stehe und welchen Stellenwert er habe. Nette Worte allemal, Erkenntnisgewinn jedoch weniger. "Ich habe auch gelernt, Geduld zu haben und die Geduld werde ich nun einmal abrufen", so Rummenigge. Wo sonst Fußballer ihre Leistung abrufen, rufen sie nun also ihr Durchhaltevermögen ab.

Dass der Deutsche Meister Guardiola gerne sofort für mehrere Jahre binden würde, ist klar. Er sei ein "Geschenk für den FC Bayern" schwärmt Rummenigge gerne. Die Planungen des Coaches liegen nun aber für die Bayern-Bosse im Dunkeln.

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Immerhin, am Wochenende konnte Guardiola der Frage, wie lange er nun beim FC Bayern bleiben wolle, nicht mehr ausweichen. Wie in jedem Jahr mussten die Bayern-Angestellten ausschwärmen und per Los gezogene Fanklubs in der bayerischen Prärie besuchen. Guardiolas Ziel hieß Greding, wo ihn die Faschingsgesellschaft Gredonia, eine Blaskapelle und 300 Anhänger erwarteten. Solche Termine gehören zur Folklore des FC Bayern, Anfassen und zünftige Mahlzeit inklusive - für den Asketen Guardiola mit seiner strengen Öffentlichkeitspolitik sind sie eher unangenehm.

Guardiola muss doch antworten

Und dort kam sie, die Frage nach der Zukunft. Gestellt von einem 08/15-Anhänger vor einem großem Plenum und Kameras. Guardiola wand sich. In diesem schnelllebigen Geschäft würden die Dinge "heute so, morgen so" laufen, entgegnete er.

Es bestünde noch "viel Zeit zu sprechen". Ein echtes Liebesbekenntnis klingt natürlich anders - und dann sagte der Katalane ein paar interessante Sätze: "Für mich war es eine große Herausforderung, auch für meine Frau und die Kinder. Egal, was passiert, ich hatte eine super Zeit, ich war sehr glücklich, Trainer bei Bayern zu sein. Es war ein Traum für mich!"​ Guardiola spricht über seine Zeit in München in Vergangenheitsform. Diese Spitzfindigkeit könnte einerseits auf seine noch immer nicht ausgereiften Deutschkenntnisse zurückzuführen sein. Andererseits: Warum sollte sich der Perfektionist Guardiola so im Zeitengebrauch irren?

Die Bayern werden wegen solcher Aussagen Gesprächsbedarf verspüren. Denn auch sie wissen: Alles hat ein Ende - nur die Weißwurst hat zwei.