Trainer Bayern will harmonische Trennung von Pep - notfalls ohne Triple

Bleibt ihm die Krönung versagt? Pep Guardiola.

(Foto: AP)

Den Münchnern ist derzeit kaum etwas wichtiger als ein Abschied ohne Bitterkeit von Trainer Guardiola. Plötzlich rückt die romantische Idee vom Spiel wieder in den Fokus.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Natürlich soll es jetzt so werden wie einst bei Jupp Heynckes. Das Triple muss her, Fußballklubs sind da Maximalisten, süchtig nach Trophäen, nur Titel zählen, gerade beim FC Bayern, bei dem die Vitrinen rappelvoll sind, sich aber irgendwo immer noch ein freies Plätzchen findet.

Und natürlich soll 2016 jetzt so werden wie 2013, ohne Triple mag man nicht auseinandergehen, schließlich ist auch Heynckes mit dem Titelmaximum in den Ruhestand getreten. Pep Guardiola, 45, zieht im Sommer um, zu Manchester City, um dort nach Barcelona und München sein drittes Trainer-Projekt zu starten. Mancher aus dem Kreis der Sympathisanten des FC Bayern hat dies bereits in den Rang des Hochverrats erhoben.

Peps gut gemeinte Lüge über Kimmich

"Perfekt" nennt der Bayern-Coach den Auftritt des 21-jährigen Talents, obwohl Kimmich beide Juve-Tore mitverursacht hat. Doch ihm die Schuld zu geben, greift zu kurz. Analyse von Martin Schneider mehr ...

Arjen Robben offenbar nicht, der nach seinem Drehschuss zur 2:0-Führung nichts Eiligeres zu tun hatte, als seinem Trainer um den Hals zu fallen. Eine heiße Umarmung in einer Beziehung, von der nicht wenige dachten, sie werde blitzartig erkalten. Der Gipfel der Leidenschaften von Turin, dieses strategisch raffinierte, trotzdem irre intensive Achtelfinal-Kampfspiel hat aber noch einmal eine der ganz banalen Thesen des Fußballs bestätigt: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist! Wie in mancher Partnerschaft, in der beide wissen, dass alsbald jeder seiner Wege gehen muss, der Sex aber unter dem Eindruck des besiegelten Abschieds nur noch besser wird.

Es geht um einen vierten Titel

Den Bayern geht es ja nicht nur um dieses Triple, den Dreiklang aus Meisterschaft (acht Punkte Vorsprung auf Dortmund), DFB-Pokalsieg (lösbare Halbfinal-Aufgabe im Heimspiel gegen Bremen) und Champions League (trotz flammendem 2:2 noch eine solide Rückspiel-Perspektive gegen Juve). In Wahrheit geht es ihnen um mehr, um ein Quadruple, um einen vierten Titel, für den es keine Trophäe gibt. Sondern allenfalls eine Belobigung für soziales Verhalten, was allerdings eine Kategorie ist, in der die Bayern bislang selten Erster waren. Den Münchnern ist derzeit kaum etwas wichtiger als ein Abschied ohne Bitterkeit, eine reibungsarme Trennung.

Selbst dann, wenn dieser Super-Pep hier ohne Krönung bliebe. Wenn er mit dem FC Bayern die Champions League erneut nicht gewinnt. Dieses Ziel ist eh in weiter Ferne, jetzt, da die Münchner ihre Alles-oder-nichts-Duelle ohne Abwehr überstehen müssen, während sich der FC Messi aus Barcelona einer furchterregenden Bestform nähert. Um nach einem immer möglichen K.o. die Restsaison aber halbwegs harmonisch über die Zeit zu bringen, sind Spektakelspiele wie jenes von Turin durchaus hilfreich.

Lenken sie doch den Fokus um auf die naive, die romantische Idee vom Spiel. Zwar regiert heutzutage die Gier nach Titeln, Titeln, Titeln; im Kern geht es aber immer noch um etwas anderes: Um Unterhaltung, um Kurzweil für den Augenblick. Um Spiele, die den Abend verschönern, wenn draußen der Schneeregen gegen Fensterscheiben schlägt. Vielleicht gibt es dafür mal einen Fernsehpreis, gelangweilt hat der Pep-Fußball (fast) nie.