Von Javier Cacéres

Neuer Schock für Spaniens Fußball: Daniel Jarque, Kapitän von Espanyol Barcelona, stirbt den plötzlichen Herztod.

Die Trauerrituale waren grenzenlos, im wahrsten Sinne des Wortes. An der spanischen Mittelmeerküste wurde im Mestalla-Stadion die zweite Halbzeit des Vorbereitungsspiels des FC Valencia gegen den FC Arsenal erst nach einer Schweigeminute angepfiffen; aus dem fernen Nordamerika ließ der Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta, sein Mitleid übermitteln; und bevor die zurzeit ebenfalls in den USA stationierte Belegschaft von Real Madrid ihr Training in Washington antrat, legten die Spieler ihre Arme um die Schultern der Kameraden, schauten zu Boden und hielten inne. Der Grund: der Tod von Daniel Jarque.

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Espanyol-Verteidiger Dani Jarque (re.), hier gegen Liverpools Fernando Torres, verstarb mit nur 26 Jahren im Trainingslager seines Vereins an einem Herzfehler. (© Foto: Getty)

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Der erst vor wenigen Wochen zum Kapitän des RCD Espanyol Barcelona ernannte spanische Verteidiger starb nach Angaben des Klubs auf seinem Zimmer im Trainingsquartier in Coverciano nahe Florenz an Herzversagen, im Alter von 26 Jahren. "Dem spanischen Fußball bricht neuerlich das Herz", titelte das Sportblatt Marca. Wobei die Betonung auf neuerlich lag.

Die Defekte häufen sich

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass ein frappierend ähnlicher Fall die spanische Fußballwelt schockte. Damals brach Antonio Puerta, Verteidiger des FC Sevilla, beim ersten Saisonspiel zusammen, schaffte es noch in den Kabinentrakt und kollabierte dort erneut. Nach drei Tagen im Koma blieb sein Herz stehen. Seine Lebensgefährtin war im achten Monat schwanger.

Der Tod Jarques geriet ähnlich tragisch: Nach Klubangaben hatte die Mannschaft nach dem Vormittagstraining am Samstagnachmittag frei. Jarque entschied sich, im Quartier zu bleiben. Er hatte sich schon mittags nicht wohl, sondern "vergrippt" gefühlt, wie El Periódico berichtete. Am Nachmittag telefonierte er auf dem Zimmer mit seiner Lebensgefährtin Jessica, sie ist ebenfalls schwanger - als er mitten im Gespräch plötzlich nicht mehr reagierte. Jessica alarmierte Jarques Manager, dieser rief in Italien Espanyols Betreuer an. Und als diese ins Zimmer stürzten, fanden sie Jarque. Der Mannschaftsarzt versuchte, ihn zu reanimieren. Im nahe gelegenen Klinikum wurde danach eine weitere Stunde lang um sein Leben gerungen. Erfolglos.

Sein Herz hörte auf zu schlagen

Jarque habe eine "nicht defibrillierbare Asystolie" erlitten, heißt es im Klubkommuniqué, einen nicht reanimierbaren Stillstand des Herzschlags. Plötzliche und auf den ersten Blick unerklärliche Herztode von jungen Sportlern kommen vor, sie werden auf angeborene, nicht immer diagnostizierbare Herzfehler zurückgeführt. Ein Kardiologe gab in Marca dafür eine Quote von 1 zu 200000 unter Sportlern an; ein weiterer Spezialist erklärte im Radiosender SER, dass die umfangreichen Belastungstests, EKGs und Blutbilder nicht immer ausreichen, um Deformationen zu entdecken. Mittlerweile ist die Häufung von Herzdefekten unter spanischen Fußballern aber auffällig.

In der Stunde des Todes von Jarque ist nicht nur der Fall Puerta gegenwärtig, sondern auch der Kollaps von Real Madrids Mittelfeldspieler Rubén de la Red. Er war im Oktober 2008 bei einem Pokalspiel im baskischen Irún zusammengebrochen, um seinen Gesundheitszustand wurde danach gerätselt. Einen Monat später erklärte der damalige Real-Präsident Calderón, De la Red habe einen Herzinfarkt erlitten. Anderntags nahm er von dieser Äußerung wieder Abstand. Vor wenigen Wochen erklärte Real, De la Red werde in dieser Saison nicht mehr spielen, weil die vorläufigen Ergebnisse der noch nicht abgeschlossenen medizinischen Tests zu maximaler Vorsicht raten würden. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass De la Reds Herz für den Leistungssport nicht tauglich sei.

Erinnerungen an Puerta

Auch Puertas Tod ist nicht endgültig erklärt. Wochen nach seinem Tod stellte sich heraus, dass der Profi bereits vor seinem letzten Spiel Zusammenbrüche erlitten hatte. Obduktionsergebnisse seiner Leiche hat seine Familie nicht freigegeben. Mit dem Klub aber zankte sie sich um eine sechsstellige Entschädigung. Jarque wiederum habe nach Angaben eines Präsidiumsmitglieds von Espanyol bislang keinerlei Beschwerden gehabt. Erst vier Tage vor seinem Tod habe er den obligatorischen Gesundheitscheck problemlos überstanden.

Die Mannschaft reiste noch am Sonntag aus Italien ab - ohne den Leichnam ihres Kapitäns. Die italienischen Behörden haben eine Autopsie angeordnet. Das Ergebnis stand am Sonntag noch aus. Ein paar Dutzend Anhänger Espanyols hatten sich noch in der Nacht vor dem erst vor einer Woche eingeweihten, neuen Stadion des Vereins versammelt. Manche drängen schon darauf, das Stadion nach Jarque zu benennen. Er war ein Eigengewächs des Klubs.

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(SZ vom 10.08.2009/jbe)