Von Caspar Dohmen

Die Telekom überlegt, ob die Investition von 15 Millionen Euro in das Radteam jetzt noch lohnt. Die jetzigen Ereignisse seien aber eine Katastrophe, hieß es aus Aufsichtsratskreisen.

Nach dem vorläufigen Abschied von ARD und ZDF von der Tour de France schließt auch die Telekom nicht mehr aus, als Sponsor auszusteigen. "Wir müssen die Faktenlage prüfen", sagte der Leiter der Sport-Kommunikation bei T-Mobile, Christian Frommert. Die Ereignisse seien ein "herber Rückschlag" bei den Bemühungen um einen sauberen Radsport. Sein Unternehmen habe am Mittwoch kurz vor 11 Uhr von dem Testergebnis erfahren. Es seien jedoch noch sechs T-Mobile-Fahrer bei der Tour, die nicht büßen sollten für das, was "wahrscheinlich" einer getan habe. Der Vertrag der Telekom über den Rennstall läuft bis zum Jahr 2010.

Anzeige

Telekom-Chef René Obermann, dem das Team T-Mobile stets am Herzen lag, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sein Sprecher verwies darauf, dass die Telekom nach der Tour die Vorgänge in Ruhe prüfen wolle. Die Mannschaft um Teammanager Bob Stapleton habe bis zuletzt Obermanns Vertrauen genossen, hieß es aus der Telekom. Die jetzigen Ereignisse seien aber eine Katastrophe, verlautete es aus Aufsichtsratskreisen. Dort wurde eine Neubewertung der Lage verlangt. Schon vor der Suspendierung des T-Mobile-Fahrers Jan Ullrich hatte es im vergangenen Jahr im Aufsichtsrat eine Diskussion über Kosten und Nutzen des Radsponsorings gegeben.

Sollten ARD und ZDF sich dauerhaft aus der Berichterstattung über den Radsport zurückziehen, erwarten Experten auch einen Rückzug des Sponsors, der jährlich 15 Millionen Euro in sein Radteam pumpt. "Ohne Medienpräsenz ist der Radsport für die Telekom uninteressant", sagt zum Beispiel Hartmut Zastrow, Vorstand bei der Kölner Sponsoring-Agentur Sport + Markt. Er erwartet einen Dominoeffekt. Leider habe sich gezeigt, dass es T-Mobile trotz großen Engagements nicht gelinge, das Thema Doping zu beherrschen - schließlich könne man die Fahrer nicht rund um die Uhr bewachen.

Bei der Telekom sorgt man sich, dass Verbraucher die Magentafarbe der Telekom künftig mit Betrug assoziieren könnten. Nach der öffentlichen Dopingbeichte von Erik Zabel und Rolf Aldag im Mai, vor 5,5 Millionen Fernsehzuschauern, hatte das Management noch Durchhalteparolen ausgegeben. Allerdings knüpfte das Unternehmen seine weitere Unterstützung an die umfassende Aufklärung der Dopingpraktiken. Und keinesfalls dürfe es zu Dopingproblemen im neuen, jungen Team kommen, hieß es. Stolz verwiesen die Telekom-Verantwortlichen auf besondere Sicherheitsmechanismen. So seien Mediziner unterschiedlicher Kliniken für Bluttests einerseits und Medikamentenausgabe andererseits verantwortlich. Seit Mittwoch scheint festzustehen: Die Bewährungsprobe hat das T-Mobile-Team nicht bestanden.

Ein Rückzug von ARD und ZDF hat insgesamt Gewicht für die Tour de France - schließlich stammen mehr als ein Drittel der Fernsehgelder der Tour aus Deutschland. Zusammen mit Frankreich, das sich schon länger im Anti-Doping-Kampf engagiert, wären deutsche Unternehmen, Fernsehsender und die Politik in der Lage, Druck auf den Radsport auszuüben.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 19.7.2007)