SZ: Aus der ARD ist zu hören, dass in einem Schreiben vom 21. April deutlich gemacht worden sei, sich zu den von der EBU ausgehandelten Konditionen nicht an der Tour zu beteiligen.
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Pleitgen: An mich ist ein solches Schreiben nicht gegangen, auch nicht in Kopie. Erst im September hat die ARD mit mir in dieser Angelegenheit Kontakt aufgenommen. Inzwischen weiß ich, dass die ARD im Juni den zuständigen EBU-Direktor informierte - nach den gemeinsamen Regeln zu spät, worauf die EBU mündlich gleich aufmerksam machte. Alleingänge zu Lasten anderer wirken auf die Partner in der EBU weder solidarisch noch professionell. Wenn das ARD-Beispiel Schule macht, können wir den gemeinsamen Sportrechte-Erwerb vergessen, dann brauchen wir uns um Olympia, Biathlon, Nordische Wettbewerbe und andere schöne Sachen nicht mehr zu bemühen. Einzeln erworbene Rechte sind durchweg viel teurer.
SZ: Mit welchen Konsequenzen muss die ARD rechnen?
Pleitgen: Es wird unmöglich sein zu sagen: Wir sind dem Vertrag nicht beigetreten. Es gibt für die ARD nur die Möglichkeit, auf der Basis des geschlossenen Vertrages einen Weg zu finden, ihre Vorstellungen durchzusetzen.
SZ: Es gibt also Ausstiegsklauseln?
Pleitgen: Die gibt es. Reichlich.
SZ: Die ARD hat in einer Mitteilung mit dem geminderten Wert der Tour de France argumentiert, verursacht durch aktuelle Dopingfälle bei deutschen Fahrern und durch den Rückzug des deutschen Rennstalls Gerolsteiner.
Pleitgen: Schwer zu sagen, ob das reicht. Die ASO sagt: "Wir haben den härtesten Anti-Doping-Klauseln zugestimmt, die es bisher bei internationalen Verträgen dieser Art gegeben hat. Wir haben die schärfsten Kontrollen durchführen lassen und Doping-Sünder aufgespürt, die mit den bisherigen Methoden in welcher Sportart auch immer nicht geschnappt worden wären. Das Internationale Olympische Komitee will das System übernehmen. Es ist deshalb ein Treppenwitz, uns mit Vertragsausstieg zu bestrafen." Es ist zu befürchten, dass sich Sportverbände nicht animiert fühlen, scharf zu kontrollieren, wenn ihnen Vertragsausstieg droht. Übertragen wir dann sauberen Sport? Machen wir bei anderen Sportarten wie Boxen oder Fußball gleiche Auflagen?
SZ: Warum will niemand der Intendanten gewusst haben, dass die EBU ein Mandat von ARD und ZDF für Verhandlungen mit der ASO gehabt hat?
Pleitgen: Die ARD ist ein vitales, aber auch kompliziertes Wesen. Im Oktober festzustellen, dass seit Januar eine Bindewirkung besteht, ist rekordverdächtig.
SZ: Wie teuer würde es für die ARD werden, den EBU-Vertrag mit der ASO nicht anzuerkennen?
Pleitgen: Es geht für ARD und ZDF um gut 20 Millionen Euro für drei Jahre. Dazu könnten Schadenersatzforderungen wegen ausgebliebener Sponsorengelder kommen. Die EBU wird die Summe sicher nicht übernehmen wollen. Ob das ZDF sich gerne daran beteiligt, wage ich zu bezweifeln. Es kann nicht sein, dass der Gebührenzahler die Zeche begleichen muss. Das habe ich schon beim umjubelten Ausstieg 2007 kritisiert. Sollte das jetzt wegen eines Kommunikationsfehlers schief gehen, dann wird es ziemlich ernst.
SZ: Wer hätte denn bei der ARD Bescheid wissen müssen?
Pleitgen: Man hätte nur die ARD-Koordination zu fragen brauchen. Die Sache erinnert mich an den Ullrich-Vertrag. Seinerzeit wusste von uns auch keiner etwas. Gegenwärtig hoffe ich, dass die Gremien wissen, was beispielsweise für Olympia 2014 und 2016 von ihrem Sender erwartet wird.
SZ: Grundsätzlich kann man Sympathie haben für die Entscheidung der ARD, die Tour de France nicht mehr stundenlang live zu übertragen. Der Tour-Veranstalter ASO spielt mit dem Gedanken, den Doping-verdächtigen Serien-Tour-Sieger Lance Armstrong (USA) starten zu lassen und auch das Doping-verdächtige Astana Team zuzulassen.
Pleitgen: Selbstverständlich kann man der Meinung sein, die Tour nicht zu übertragen. Das hätte dann schon 2007 erklärt werden müssen. Jetzt sollte man den Blick nach vorne richten. Der neue Vertrag beginnt am 1. Januar 2009. Dann wird sich zeigen, ob die Verpflichtungen eingehalten werden. Für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ist es nicht hinnehmbar, wenn das Dopingkontrollsystem aufgelockert würde und Armstrong oder des Dopings stark verdächtigte oder überführte Fahrer an der Tour dabei wären. Ich bin der gleichen Meinung und habe dies über den EBU-Generaldirektor die Tour-Verantwortlichen wissen lassen.
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Wenn man das Thema Dopng im Sport (und nicht nur im Radsport) in den Griff bekommen will, dann müssen alle Verbände (vom Schach über Ballsport, Ausdauersport bis hin zum Kaftsport) mit gleicher Strenge durchgreifen und einheitliche Kriterien für die Art und Anzahl der Kontrollen im Wettkampf, Training und während der Regeneration für jede Sportart definiert werden.
Auch das IOC steht hier in der Verantwortung. Und wenn dann alle, aber auch wirklich alle gleich kontrolliert werden, dann kann man die Übertragung jener Sortarten einstellen, in denen gedopt wird.
Ich befürchte allerdings, dass wir dann keinen Leistungs- oder Hochleistungssport mehr am Fernseher verfolgen können.
Also: Schluss mit der hypokritischem Herumgenörgel und entweder überall durchgreifen oder es ganz bleiben lassen, was allerdings nicht im Sinne der Sporter wäre.
Würde man die Kontrollen im gleichen Maß bei Olympia oder in allen anderen Sportarten durchführen,wie bei der Tour de France, so würde man überhaupt keinen Sport mehr im Fernesehen sehen!!!!!! Aber das in Peking 300 Proben mal eben verschwinden interessiert ARD und ZDF ja nicht, weil sie sonst von Olympia auch nicht mehr berichten dürfen!!!!!!!!!!!!
Deswegen kann es nicht sein das derjenige der gegen Doping vorgeht (die ASO und die Tour) bestraft wird!!!!!!
Eindeutig N E I N .