Bisher hielt sich im Peloton als Gerücht, dass es sich bei "Birillos Freund" um Giovanni Lombardi gehandelt haben müsse. Und eine indirekte Einflussnahme des früheren Telekom-Sprinters (1997 bis 2001) rund um die Machenschaften des Puerto-Skandals dürfte beim Anblick des Sittengemäldes ja durchaus gegeben sein ist. Denn Lombardi, der 2005 und 2006 für Riis' CSC-Team fuhr, ist Manager der Brüder Andy und Frank Schleck - und laut Insidern mit Fuentes befreundet. Lombardi, der seit vielen Jahren in Madrid lebt, soll angeblich den Kontakt zu Fuentes hergestellt haben. Lombardi selbst hat stets betont, er kenne den Arzt Fuentes "nur oberflächlich".

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Dass es sich jedoch bei Basso mitnichten um einen Einzelfall und -gänger in Riis' Rennstall gehandelt haben dürfte, haben Szenekenner schon früher vermutet. Bjarne Riis und Ivan Basso sprachen ja selbst stets von einer "Vater-Sohn-Beziehung". Und von einer ähnlichen Nähe berichteten gerade in diesen erfolgreichen Tagen, in denen die CSC-Mannschaft beeindruckend die Tour de France dominierte, auch Riis und Frank Schleck. Eng war aber auch schon die Verbindung von Tyler Hamilton zu Riis, der Amerikaner fuhr 2002 und 2003 für CSC. Der frühere Armstrong-Helfer wurde 2004, damals bei Team Phonak beschäftigt, bei einer Kontrolle positiv auf Fremdblutdoping getestet und gesperrt. Ob auch der aktuelle Tour-Erste Carlos Sastre, 33, einer der angeblichen Fuentes-Kunden gewesen sein könnte, ist nicht belegbar. Über Sastre weiß man nur: Er lebt in Madrid. Und für Riis fährt er seit 2001.

Neben den Aussagen von gesicherter Ermittlerseite scheinen auch in Italien bekannt gewordene Aussagen Bassos die Kenntnis von Riis' mutmaßlichen Kontakten zu Fuentes zu belegen. Der SZ liegen Zeugenaussagen zu Bassos Einlassungen vor, wonach "Riis dort mit mehreren Fahrern gewesen sein muss". Konkret wird es wieder bei Bjarne Riis und Frank Schleck, laut Basso, so der Zeuge , seien beide "im Dezember 2005 in einem Meeting mit Fuentes gewesen". Auch besteht nach Informationen dieser Zeitung ganz aktuell ein Informationsaustausch zwischen mehreren nationalen Behörden wegen der offensichtlichen Fahndungsresultate zur Causa Frank Schleck.

Insofern scheint nicht ausgeschlossen, zu sein, dass etwa die Zielkontrollen bei den CSC-Fahrern - darunter die Brüder Schleck und der Berliner CSC-Profi Jens Voigt - vom vergangenen Wochenende in den italienischen Alpen durch die dortige Anti-Doping-Behörde und das Nationale Olympischen Komitee (Coni) auch im Zusammenhang mit diesen Ermittlungsergebnissen zu sehen sind. Gleiches gilt für die Kontrolle der französischen Zollbeamten beim Vater von Andy und Frank Schleck am Donnerstag. Sie hatten den Wagen von Johnny Schleck, einem früheren Tour-Fahrer, der derzeit für die Veranstalter Vips durch die Karawane chauffiert, durchsucht, ohne freilich auf Verdächtiges zu treffen.

Austausch unter Behörden

Inwieweit gegen Frank Schleck nun ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, dürfte vom Eifer der beteiligten Behörden abhängen. In Spanien ruhte ja lange die Operacion Puerto, die auf umfangreiche Ermittlungsergebnissen der Guardia Civil fußte. Im Februar hatte ein Gericht in der Hauptstadt Madrid jedoch entschieden, dass die im März 2007 verfügte Einstellung des Untersuchungsverfahrens in dem Blutdopingskandal zu überprüfen sei; davor waren die Akten noch vom zuständigen Untersuchungsrichter Antonio Serrano mit dem Hinweis auf die zum betreffenden Zeitpunkt nicht ausreichenden gesetzlichen Möglichkeiten geschlossen worden. Bereits diesen Januar hatte das italienische Coni ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. In Bonn hat dagegen die Staatsanwaltschaft das Betrugsverfahren gegen den einstigen Toursieger und Riis-Teamkollegen Jan Ullrich gegen Zahlung einer hohen Geldbuße eingestellt. Staatsanwalt Fred Apostel hatte damals kundgetan, die Ermittlungen hätten eindeutig ergeben, dass "Ullrich gedopt hat".

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