Von Von Andreas Burkert

Problemfall nach Problemfall fährt im einstmals bewunderten Maillot Jaune. Der Radsport ist einer hoffnungslosen Situation - und er ist selbst daran schuld.

Ganz Deutschland, also nicht nur das Fernsehen und die Balkenpresse, müsste jetzt eigentlich jubeln, nachdem Stefan Schumacher ins Gelbe Trikot der Tour gerast ist und es auch noch verteidigt hat. Ein relativ junger Fahrer, ein relativ unverbrauchtes Gesicht, ein sympathischer Kerl zudem mit lässiger Glatze - ist das nicht die ersehnte Rettung für die hiesige Problemzone, die gerade ein Radrennen nach dem anderen verliert wegen Sponsoren-Flucht, der deshalb mit Schumachers aktueller Equipe offenbar ein zweiter Profirennstall verlustig zu gehen droht, von den vielen gefallenen Helden einer scheinbar romantischen Tour-Vergangenheit ganz zu schweigen?

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Das Gelbe Trikot hat viel von seinem Glanz verloren. (© Foto: AFP)

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Die Antwort ist ernüchternd, denn sie lautet: leider nicht. Mit der Person Schumacher hat das bedingt zu tun, vor allem ist der Radsport selbst schuld. Denn er schafft es einfach nicht, notfalls über Betrugsklagen wie bei Jan Ullrich, die Puerto-Affäre aufzulösen mit DNS-Abgleichen der vermutlich noch drei Dutzend aktiven Fuentes-Klienten. Er misst nirgends mit gleichem Maß, auch nicht bei der Tour de France, wo nun Unterschiede gemacht wurden zwischen letztjährigen Skandalteams wie Astana, Rabobank oder T-Mobile (jetzt Columbia).

Die Tour hat sich zudem fürchterlich entrüstet über enttarnte Sünder wie Bjarne Riis - um deren aberkannte Erfolge nun wieder in die Siegerlisten aufzunehmen. Und der Radsport, das ist unzweifelhaft fataler, er ist nicht fähig, insofern in Vorleistung zu gehen, als dass er etwa in Trainingsphasen mit Kokain oder Amphetamin erwischte Fahrer per Reglement aus dem Verkehr nimmt.

Nach den Regeln sei der Kokain-Sünder Boonen startberechtigt, hat Stefan Schumacher gesagt. Und bei der Polizei sei er zwar positiv auf Drogen gewesen, nicht aber im Sport. Wer solche abstrusen Wahrheiten durch einen Rahmen legitimiert, muss sich über den lächerlichen Eindruck nicht wundern, den bisher auch diese Tour hinterlässt.

Problemfall nach Problemfall fährt im einstmals bewunderten Maillot Jaune, nun gilt ein Schwabe als Symbol für den zweifelhaften Aufbruch. Denn je schneller Schumacher unterwegs ist, desto schneller holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Und man möchte ihm glauben, kann es aber nicht. Er ist nicht vertrauenswürdig, selbst wenn er niemals log. So eine Situation nennt man hoffnungslos.

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