Nach Armstrongs Flucht in der Camargue ist das Zerwürfnis mit seinem Astana-Teamkollegen Contador offiziell - im Teamzeitfahren verpasst er Gelb nur hauchdünn.
Kurz vor Mitternacht sitzt Francisco "Fran" Contador noch draußen auf den Stufen des Teamhotels im Zentrums Montpelliers, er schreibt ein paar Mails und starrt ansonsten vor sich hin; er sieht nachdenklich aus. Vorhin, nach dem Essen von Team Astana, hat man ihn im Foyer noch angeregt diskutieren sehen mit den Sportchefs Alain Gallopin und Dirk Demol, und am Ende hatte ihm der Belgier Demol gesagt: "Alberto muss ruhig bleiben." Ruhig bleiben, das ist leicht gesagt, findet Fran, der Bruder und Manager des Tourfavoriten Alberto Contador. Aber eines sei jetzt sicher: "Alberto wird im Gebirge attackieren."
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Beherrscht Team und Szene fast wie in alten Zeiten: Lance Armstrong. (© Foto: AP)
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Der Contador-Clan hat die erstaunlichen Ereignisse der dritten Tour-Etappe erst gar nicht kleingeredet, Alberto Contador selbst sagte nach dem Rennen vom Montag, bei dem er 41 Sekunden einbüßte: "Ich sage besser nichts zur Teamtaktik, da soll jeder selbst seine Schlüsse ziehen." Wobei die Interpretation simpel ist. "Armstrong stellt Contador eine Falle", titelte L'Équipe vor dem Teamzeitfahren am Dienstag in Montpellier, welches das Publikum und letztlich vielleicht sogar Contador ähnlich unterhalten haben dürfte: Um 213 Tausendstel-Sekunden - die auf- bzw. abgerundeten Sekundenbruchteile aus dem Prolog sprachen für den nun zeitgleichen Führenden Schweizer Fabian Cancellara von Saxo - verpasste derjenige aus der überlegenen Astana-Flotte das Gelbe Trikot, der nach dem Einlauf von Montpellier für Momente zum Podium blickte, ob sie ihn doch noch zur Ehrung mit Hollywood-Star Ben Stiller ausrufen würden: Lance Armstrong, 37, der zurückgekehrte Boss, der nun aber auch ohne das Maillot Jaune wieder ganz er selbst ist.
Contador, der Toursieger 2007, hat das alles wohl kommen sehen, als Armstrong im Herbst sein Comeback und Ansprüche auf einen achten Erfolg in Frankreich verkündete. Und nur vorgeblich war die interne Konkurrenzsituation bei Astana geregelt nach dem Auftakt in Monte Carlo, wo Contador im Zeitfahren 22 Sekunden schneller gewesen war als Armstrong und von Teammanager Johan Bruyneel erneut die Kapitänsrolle bestätigt bekam. Doch inzwischen ist nun alles anders, und Krieg mag kein schönes Wort sein in diesem Zusammenhang - aber nichts anderes herrscht bei Astana zwischen Armstrong und Contador, die angesichts der aktuellen Zeitrückstände der übrigen Favoriten den Gesamtsieg womöglich unter sich ausmachen.
Tempo als Tabubruch
Contador ist selbst schuld. Als Team Columbia am Montag 30 km vor dem Ziel nach einer Rechtskurve unvermittelt eine spektakuläre Tempoverschärfung setzte, befand sich der Spanier nicht im Vorderfeld. Die Fluchtgruppe wurde im Wind der Camargue nicht mehr gestellt. "Ich habe Glück gehabt, dass ich dabei war", flötete Armstrong hinterher, doch Kenner gehen davon aus, dass ihm sein enger Freund George Hincapie, der jetzt für Columbia fährt, einen Tipp gab. Dass sich Armstrong sogar selbst vor die Gruppe spannte, wie auch die Kollegen Popowitsch und Zubeldia, war mehr als ein Affront. Tempo gegen den eigenen Kapitän, das ist im Radsport ein Tabubruch.
Eigentlich müssten Armstrong und Contador ja eine gewisse Sympathie füreinander empfinden, nicht nur weil die Mitgliedschaft in einem affärenreichen Rennstall wie Astana ein Grundeinverständnis darstellt, quasi unter Blutsbrüdern - sondern weil sich zudem ihre Geschichten ähneln. Beide verfolgt der Dopingverdacht, der sich auf stichhaltige Indizien beruft. Und beide können bei ihrer Legendenbildung darauf verweisen, schon mal mit dem Tod gerungen zu haben; der Texaner als Krebspatient und der 26-Jährige Madrilene nach einer Hirnblutung aufgrund einer Anomalie, die 2004 bei einer Not-Operation beseitigt wurde.
Doch als Legende und Rechtssprecher des Radsports empfindet Armstrong nur sich, er duldet weder Widerspruch noch jemanden neben sich. Er verfolgt Verstöße gegen das Schweigegelübde des Pelotons höchstselbst, wie ehedem bei Filippo Simeoni, der Armstrongs Sportarzt des Dopings beschuldigte; er bekämpft verbal Greg LeMond, den dreimaligen Toursieger, der nicht müde wird zu betonen, wofür der Landsmann steht. Und der Texaner hat sicher erwartet, Contador würde sich zunächst in den Dienst Ihrer Hoheit stellen.
Lagerbildung bei Astana
So ist Astana längst gespalten, allenfalls der Spanier Zubeldia, sicherlich der unglücklichste Fluchthelfer am Montag, und der Portugiese Paulhinho dürften sich vorbehaltlos für Contador verwenden. Die giftige Atmosphäre hat sein Freund Benjamin Noval Armstrongs langjährigem Chef angelastet: "Seitdem Armstrong bei uns ist, ist Bruyneel verantwortlich für die schlechte Stimmung, sein Verhalten hat Lager produziert."
Contador ist vertraglich noch ein weiteres Jahr an den Belgier Bruyneel gebunden, "aber das heißt nicht, dass Alberto bleibt", sagt sein Bruder Fran, 29. Alle wissen, dass Armstrong ein eigenes Team aufziehen will, und wenn Winokurow nach seiner Dopingsperre zurück zu Astana kommt, "wäre es nicht so gut für Albertos Image, wenn er bliebe". Aber wie gesagt, ruhig bleiben sei jetzt die Devise. Und der Angriff im Gebirge, Contadors Stärke. Wird er auch attackieren, wenn Armstrong in Gelb fahren sollte? Fran Contador lächelt nur. Stimmt schon, was für eine Frage.
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(SZ vom 08.07.2009/dop)
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Zu Lance Armstrong: der Mann tut alles für den Erfolg und was er am besten kann, ist lügen und betrügen, angefangen vom perfekten Tarnen (fast) aller Dopingspuren bis zum Vortäuschen körperlicher Schwäche bei schweren Berganstiegen. Das Blut des Mannes besteht wahrscheinlich nur noch aus Retikulozyten. Armstrongs Hodenkrebs hatte nur eine einzige Ursache und die war massives Hormon/Steroiddoping, was seine ehemaligen Kollegen und Betreuer schon öfters erwähnt haben, doch dies ist natürlich kein Thema für die SZ.
Hierzu passt auch die absurde SZ-Bilderserie "prominente Dopingsünder": Es erstaunt schon, dass 13 deutsche und österreichische Sportler genannt werden und nur 11 aus dem Rest der Welt. Pechstein ist noch nicht überführt, doch stellt die SZ sie als Nr. 1 der Sünder an den Pranger. Offenbar existieren in der Sportphantasiewelt der SZ keine Russen, Chinesen, Rumänen, Bulgaren, Spanier, die oft dutzendweise als olympische Medaillengewinner, Weltmeister, etc. des Dopings überführt wurden. Der ehemals "beste" Fußballer der Welt, Maradona, war nur ein Doper, ist aber nicht prominent genug für eine Liste in der Jörg Jaksche und Rolf Aldag stehen müssen. Auch die Amerikaner und Briten kommen sehr gut weg: Wo ist Olympiasieger Tyler Hamilton, der mehrfach überführt wurde, wo David Millar der Weltmeister, Olympiasieger Linford Christie? Viele US-Athlethen wurden des Dopings überführt, aber dann von den nationalen Verbänden einfach geschützt. Auch Lance Armstrong, der neben seinen 6 EPO-Proben 1999 in jenem Jahr auch mit Cortisol gedopt war, wurde offenbar von wichtigen Sportfunktionären geschützt. Ein eigentlich unzulässiges, nachträglich ausgestelltes, ärztliches Attest erlaubte ihm die Fortsetzung der Tour de France. Regulär hätte er sonst die Siege 1999, 2000 und 2001 bei diesem Radrennen verpasst.
Kampagnenjournalismus, leider, in der SZ.
Zwischen Herrn Prantl und Herrn Burkhardt klafft das grosse schwarze Loch.
Darf man mal fragen, wieso sich die Kommentatoren, die schreiben, die Tour interessiere doch sowieso niemanden mehr, einen Artikel durchlesen der sich ganz eindeutig auf die Tour de France bezieht? Von selbst hat sich der Artikel jedenfalls nicht geöffnet. Ist es die Gier nach skandalösen Enthüllungsgeschichten? Oder der Drang zu jedem Thema einen Kommentar zu geben?
Wenn euch der Radsport wirklich nicht interessiert, dann lasst doch diese unverbesserlichen Radsportanhänger in ihrem eigenen Saft schmoren und quält euch nicht mit Themen, die nun wirklich gar niemanden mehr interessieren. Wo doch vorhin schon die Rede von der Doppelmoral der SZ war...
Natürlich ist es zunächst nahe liegend, aus der ehemaligen gemeinsamen Zeit abzuleiten, dass Hincapie Armstrong einen Tipp gegeben haben könnte. Aber der Artikel verkennt, dass Radsport ein Mannschaftssport ist. Warum sollte aus einer solchen Aktion nicht ein Vorteil für Kirchen oder Martin zu Lasten von Armstrong und anderen resultieren? Das heißt, dass Hincapie Armstrong aus Sicht von Columbia nicht informiert haben sollte.
Schließlich hat Armstrong (nach ungefähr) 15 km Mitfahrt wohl abgewogen, ob er Contador wirklich schädigt mit etwa 40 Sekunden. Dies wird spätestens in der dritten Tourwoche völlig abwegig sein. Ich behaupte eher, dass er die (berechtige) Chance sah, in seinem Alter nochmal das Gelbe Trikot zu tragen, dass er in der Gesamtwertung wohl nicht erreichen wird.
Was soll denn bitte daran giftig sein?
Aber es entspricht dem Stil der SZ bezüglich des Radsports in den letzten Jahren. Vorbei die Zeit eines Peter Burghardt, der auch abwägend urteilte, auch ein Herr Burkert in den Anfangsjahren. Geht es nur noch um Stimmung, selbst anlässlich einer solch kleinen, aus dem Rennverlauf entstandenen Situation?
interessiert die Tour wohl all diejenigen, die hier groß und hohl verkünden, sie interessiere sie nicht
Bigotte Bande
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