Von Gerd Kröncke

An Tour-Gastgeber Frankreich geht der Doping-Ärger vorbei. Im Gegenteil: Sie lassen sich die Tour nicht vermiesen, schon gar nicht von den Deutschen.

Was wollt ihr denn, es ist ja nichts bewiesen. Scheinbar ist bei der Tour de France alles wie immer. In Frankreich ist keine Aufregung über die jüngste Doping-Entwicklung auszumachen. Wie jedes Jahr gab es Momente der Hoffnung, dass nach all den Jahren endlich wieder ein Franzose im gelben Trikot auf den Champs Elysées eintrudeln könnte. Sie haben sich während der elften Etappe ins Nichts verflüchtigt. Christophe Moreau war am Donnerstag hingefallen und liegt seitdem hoffnungslos zurück. So bleibt Bernard Hinault einstweilen der Letzte, den sie feiern durften. Dieses Jahr hat er wieder gewonnen: Der Jogger und Radfahrer Nicolas Sarkozy hat ihm zum 14. Juli das Kreuz der Ehrenlegion verliehen.

In Frankreich geht die Party weiter. (© Foto: dpa)

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Der Präsident ist begeistert. Wenn man ihn auf dem Bildschirm am Rande der Tour erlebte, konnte man meinen, hier sei einer, dem sich ein Kindheitstraum erfüllt hat. Sarkozy durfte unten im Süden einmal 40 Kilometer vorneweg fahren. Im offenen Auto ließ er sich den Wind um die lange Nase wehen, winkte mit der Rechten und hielt mit der Linken sein Mobiltelephon. Charles de Gaulle hatte einst die Tour in Colombey-Les-Deux-Eglises empfangen, François Mitterrand hatte das Peloton vom Straßenrand fotografiert, was sich als peinlich erwies, weil er eine japanische Kamera benutzte. Doch so begeistert wie Sarkozy hat sich noch kein Präsident gezeigt.

Sie lassen sich die Tour nicht vermiesen, schon gar nicht von den Deutschen.

Deren Verhalten wurde gelegentlich als bizarre, ein wenig wunderlich, charakterisiert, als sich das öffentliche Fernsehen eine Auszeit von der Tour gönnte. Lediglich Le Monde, Forum der Aufklärung, kommentiert mit Hochachtung, dass ARD/ZDF, ,,auf den Tisch gehauen haben''. Ihre Entscheidung, schrieb das Blatt, ,,könnte einen neuen Weg im Kampf gegen das Doping eröffnen, indem sie die Einnahmen von Organisatoren und Sportlern bedroht''. Aber so heiß gegessen wird das alles nicht, dazu ist die Tour noch immer zu populär. Präsident Sarkozy, der im Moment wie kein anderer die Stimmung einzuschätzen vermag, weiß, warum er sich an die Spitze setzt. Für ihn gehört die Tour für immer zu ,,den kleinen Glücksmomenten unserer Landsleute''.

Jahraus jahrein, seit er ein Junge war, folgt er der Tour - am Straßenrand, am Bildschirm, und mit seinem Aufstieg in der Politik ist er auch den Veranstaltern wichtig geworden. ,,Dies ist das erste Mal, dass ich als Präsident dabei bin'', hat er nicht ohne Stolz gesagt. Leider sei er seit dem Beginn des Wahlkampfs nicht mehr zum Radfahren gekommen, konnte allenfalls joggen, ,,meine Fahrräder sind zu Hause''. Sarkozy, der sich ganz als Kenner gibt, gesteht, er habe nie den Galibier, den Gipfel der Tour, erklettert: ,,Um das zu schaffen, braucht es wenigstens 2500 Kilometer Training.''

So schlimm kann es um die Tour mithin nicht stehen, wenn der Präsident ebenso sachkundige wie respektvolle Worte findet. Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Franzosen, die den Sport lieben, ihn gewählt haben. Er ist ihr Champion. Die Mehrheit in Frankreich ist, entgegen dem Klischee, eher rechtsbürgerlich als linksproletarisch. Während etwa die Briten von jeher eine Schwäche für Verlierer hatten, lieben die Franzosen den Sieger. Nicht Fairplay zählt, sondern wer gewinnt. Nach Zidanes Abdanken und dem Niedergang von Mauresmo, gibt es nur einen Champion: Sarkozy. Das jedenfalls ist die Lesart von Denis Tillinac, einem rechten Intellektuellen. Der größte Tour-Held, dem die Linke je huldigte, war bezeichnenderweise ,,Poupou'' Poulidor. Der ewige Zweite.

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