Von Andreas Burkert

Während Piepoli, der Komplize des gedopten Ricco, vom Team entlassen wird, ändern auch die Franzosen ihre Einstellung zu ihrem geliebten Radrennen.

Zum Mittagessen haben die Franzosen am Freitag ihren Landsmann Richard Virenque serviert bekommen. Es ist ein bisschen unappetitlich gewesen. Denn Virenque heulte in dem Bericht des Fernsehsenders France 2 bitterlich, es sind Bilder von früher gewesen, als sein damaliger Festina-Rennstall zur Halbzeit der Tour de France aus dem Rennen genommen worden war.

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Die Tour de France steht mal wieder im Schatten des Dopings. (© Foto: AFP)

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Zuvor hatten Teamarzt Eric Ryckaert, Bruno Roussel und der von der Polizei mit Krankenhausladungen verbotener Mittel gestoppte Betreuer Willy Voet langjähriges systematisches Doping in der Mannschaft gestanden. Doch Virenque heulte damals und machte schwer auf Unschuld, erst 27 Monate später, im Dopingprozess von Lille, räumte auch der mehrmalige Bergpreissieger die große Schummelei ein. Bald zehn Jahre ist das jetzt her.

"Die Tour ist tot"

Frankreich feiert demnach derzeit ein trauriges Jubiläum. "Wieder eine schmutzige Tour", titelte am Tag nach dem Abschied von Riccardo Riccos Saunier-Equipe Libération, im Editorial hieß der Kernsatz: "Die Tour ist tot." Der dritte Epo-Dopingfall, Riccos Fall, hat für einen Agendawechsel in Frankreich gesorgt, sogar bei L'Équipe, dem bislang so zurückhaltenden Sportblatt der Tour-Organisation A.S.O. Die ersten vier Seiten gehören diesmal dem zentralen Thema des Radsports, erst dann folgen die Hymnen auf den Briten Mark Cavendish, 23, den neuen König des Sprints, der in Narbonne zum dritten Mal gewann.

Jeder an seinem Platz. Denn es ist ja wohl noch lange nicht vorbei. "Mindestens ein weiterer Profi von Saunier Duval" sei positiv getestet worden, wird mittags gemeldet. Es fehlen die Bestätigung und der Name, doch Saunier Duval meldet bald selbst die Entlassung von Riccos Landsmann und Zimmerpartner Leonardo Piepoli, 37, "wegen Verstoßes gegen den Ethikcode des Teams". Dass Ricco der einzige Halunke der spanisch-italienischen Betrügerbande mit deutschen Sponsorvätern ist, glaubt ohnehin niemand.

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer gibt sich generell illusionslos, jeden könne es treffen, auch ihn, sagt der Schwabe erwartungsvoll: "Die Spekulationen im Feld gehen von fünf bis 30 Fahrern, die hier noch auffliegen könnten." Mit dem Epo-Mittel Cera wohlgemerkt, mit dem sich vermutlich nicht nur Ricco in trügerischer Sicherheit wähnte. Von Hormonen oder künstlichem Hämoglobin, Dingen, die ebenfalls kursierten, wie Wissenschaftler versichern, ist bisher noch gar nicht die Rede.

Dem Mob auf den Fersen

Noch etwa 1200 Kilometer sind es bis Paris, doch der Wettbewerb gegen die Seuche des Sports geht nicht zu Ende, dieser Eindruck hat sich beim Publikum festgesetzt. Festina, Fuentes und nun also Cera, die nächste vermeintliche Wunderdroge, ein Epo-Ableger der dritten Generation, wie die Experten sagen. "Das mit den Tests betraute Labor in Châtenay-Malabry ist täglich auf dem neuesten Stand bei der Epo-Enttarnung", sagt nicht ohne Stolz Pierre Bordry, der Präsident der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD.

Man sei dem Mob im Peloton stets auf den Fersen, ergänzt er, mehr als 300 unangemeldete Kontrollen hätten seine Leute seit dem Tourstart bereits vorgenommen; das ist deutlich mehr als zuvor angekündigt gewesen ist. "Die Fahrer, die dachten, dass wir sie nicht kriegen, haben sich geirrt", ergänzt Monsieur Bordry, "und wenn bestimmte Fahrer noch nicht dran waren bei unseren Tests, sollten sie vielleicht besser schnell heimfahren."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Durchhalteparolen der Verantwortlichen und die Reaktionen der Franzosen.

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