Von Andreas Burkert

Ausgerechnet der unter Doping-Verdacht stehende Fuentes-Kunde Alejandro Valverde führt nach zwei Tour-Tagen. Der geständige Doping-Kronzeuge Jaksche kritisiert, dass der Spanier überhaupt starten darf.

Jörg Jaksche ist bis Dienstag als Gast des Fernsehens bei der Tour, er findet das Ambiente "komisch", denn der Doping-Kronzeuge aus Ansbach gilt seit seinem Geständnis als Aussätziger im Peloton. Im April beendete er seine Karriere, da ihn kein Team anstellen wollte, ihm fällt es also leicht, klare Worte über den ersten Träger des Maillot Jaune auszusprechen. "Nach der Indizienlage ist die Sache sehr klar bei Valverde, und da vergleichbare Indizien bei Jan Ullrich und Ivan Basso dazu führten, sie aus dem Verkehr zu ziehen, müssten für Valverde die gleichen Gesetze gelten - auch er dürfte hier nicht fahren."

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Alejandro Valverde steht im Blickpunkt: wegen des gelben Trikots und wegen seiner Vergangenheit. (© Foto: dpa)

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Jaksches Aussagen haben Gewicht, denn als Klient des Dopingarztes Eufemiano Fuentes kennt er sich aus in dessen Netzwerk, das im Mai 2006 aufflog. Damals tauchte in Akten und auf Blutbeuteln neben Codes, die letztlich Ullrich, Basso und Jaksche enttarnten, mehrfach auch das Kürzel "VALV. PITI" auf. Spätestens der Zusatz "PITI" ließ die Guardia Civil zur Erkenntnis gelangen, dass es sich bei der "Nr. 18" aus Fuentes' Datei um Valverde handeln muss - denn "Piti" heißt dessen Schäferhündin. Schon "Birillo" , ein Codename Bassos, bezog sich auf einen vierbeinigen Hausfreund, "und ,Bella' hieß ja mein Hund, die gleiche Masche", sagt Jaksche. Bei Fuentes firmierte der frühere Spanien-Profi unter "Bella". An der Echtheit der Valverde betreffenden Dokumente hat Jaksche, 31, sowieso keine Zweifel: "Ich habe Fuentes' Handschrift erkannt."

Bislang unbehelligt

Valverde wurden über die Kürzel außerdem sieben Blutbeutel aus dem Fuentes-Labor zugeordnet, einer davon war mit Epo-Spuren verseucht. Bislang ist Valverde jedoch unbehelligt geblieben, was er spanischer Fürsorge verdankt. Ein paar dünne Sätze standen etwa auf der Erklärung des Radverbandes RFEC, der im September 2006 im Salzburger WM-Zentrum auf eine SZ-Veröffentlichung reagierte: An der Sache sei nichts dran. Der RFEC sprach Valverde frei, "da keine Beweise vorliegen", auch der Weltverband UCI blieb untätig. Dabei hat inzwischen die fortschrittliche Antidoping-Expertin der UCI, Anne Gripper, nach dem Studium von 6000 Aktenseiten aus Spanien erklärt: "Man muss zur klaren Erkenntnis kommen, dass auch Herr Valverde aktiv in die Puerto-Affäre verwickelt ist."

Doch Spaniens Justiz schloss die Akten, da 2006 noch ein Dopinggesetz gefehlt habe. Jaksche sagt dazu amüsiert: "Erst verfolgen sie einen wie einen al-Qaida-Schläfer - und dann haben sie angeblich keine Grundlage." Ein DNS-Abgleich mit Blutkonserven, wie er bei Ullrich erfolgreich war, ist bei Valverde bis heute nicht zustande gekommen. Dabei legt sein Werdegang Kenntnisse im Umgang mit Bluttransfusionen oder chemischen Mitteln nahe. Denn als Fahrer wurde er groß bei Vincente Belda - der frühere Kelme-Teamchef gilt neben Jaksches einstigem Liberty-Boss Manolo Saiz als Gesicht der Betrügerclique um Fuentes. Bei Kelme habe Valverde schon früher gedopt, hat der spanische Kronzeuge Jesús Manzano ausgesagt. Und Fuentes kennt Valverde schon seit Jugendjahren.

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(SZ vom 07.07.2008/aum)