Ausgerechnet der unter Doping-Verdacht stehende Fuentes-Kunde Alejandro Valverde führt nach zwei Tour-Tagen. Der geständige Doping-Kronzeuge Jaksche kritisiert, dass der Spanier überhaupt starten darf.
Jörg Jaksche ist bis Dienstag als Gast des Fernsehens bei der Tour, er findet das Ambiente "komisch", denn der Doping-Kronzeuge aus Ansbach gilt seit seinem Geständnis als Aussätziger im Peloton. Im April beendete er seine Karriere, da ihn kein Team anstellen wollte, ihm fällt es also leicht, klare Worte über den ersten Träger des Maillot Jaune auszusprechen. "Nach der Indizienlage ist die Sache sehr klar bei Valverde, und da vergleichbare Indizien bei Jan Ullrich und Ivan Basso dazu führten, sie aus dem Verkehr zu ziehen, müssten für Valverde die gleichen Gesetze gelten - auch er dürfte hier nicht fahren."
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Alejandro Valverde steht im Blickpunkt: wegen des gelben Trikots und wegen seiner Vergangenheit. (© Foto: dpa)
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Jaksches Aussagen haben Gewicht, denn als Klient des Dopingarztes Eufemiano Fuentes kennt er sich aus in dessen Netzwerk, das im Mai 2006 aufflog. Damals tauchte in Akten und auf Blutbeuteln neben Codes, die letztlich Ullrich, Basso und Jaksche enttarnten, mehrfach auch das Kürzel "VALV. PITI" auf. Spätestens der Zusatz "PITI" ließ die Guardia Civil zur Erkenntnis gelangen, dass es sich bei der "Nr. 18" aus Fuentes' Datei um Valverde handeln muss - denn "Piti" heißt dessen Schäferhündin. Schon "Birillo" , ein Codename Bassos, bezog sich auf einen vierbeinigen Hausfreund, "und ,Bella' hieß ja mein Hund, die gleiche Masche", sagt Jaksche. Bei Fuentes firmierte der frühere Spanien-Profi unter "Bella". An der Echtheit der Valverde betreffenden Dokumente hat Jaksche, 31, sowieso keine Zweifel: "Ich habe Fuentes' Handschrift erkannt."
Bislang unbehelligt
Valverde wurden über die Kürzel außerdem sieben Blutbeutel aus dem Fuentes-Labor zugeordnet, einer davon war mit Epo-Spuren verseucht. Bislang ist Valverde jedoch unbehelligt geblieben, was er spanischer Fürsorge verdankt. Ein paar dünne Sätze standen etwa auf der Erklärung des Radverbandes RFEC, der im September 2006 im Salzburger WM-Zentrum auf eine SZ-Veröffentlichung reagierte: An der Sache sei nichts dran. Der RFEC sprach Valverde frei, "da keine Beweise vorliegen", auch der Weltverband UCI blieb untätig. Dabei hat inzwischen die fortschrittliche Antidoping-Expertin der UCI, Anne Gripper, nach dem Studium von 6000 Aktenseiten aus Spanien erklärt: "Man muss zur klaren Erkenntnis kommen, dass auch Herr Valverde aktiv in die Puerto-Affäre verwickelt ist."
Doch Spaniens Justiz schloss die Akten, da 2006 noch ein Dopinggesetz gefehlt habe. Jaksche sagt dazu amüsiert: "Erst verfolgen sie einen wie einen al-Qaida-Schläfer - und dann haben sie angeblich keine Grundlage." Ein DNS-Abgleich mit Blutkonserven, wie er bei Ullrich erfolgreich war, ist bei Valverde bis heute nicht zustande gekommen. Dabei legt sein Werdegang Kenntnisse im Umgang mit Bluttransfusionen oder chemischen Mitteln nahe. Denn als Fahrer wurde er groß bei Vincente Belda - der frühere Kelme-Teamchef gilt neben Jaksches einstigem Liberty-Boss Manolo Saiz als Gesicht der Betrügerclique um Fuentes. Bei Kelme habe Valverde schon früher gedopt, hat der spanische Kronzeuge Jesús Manzano ausgesagt. Und Fuentes kennt Valverde schon seit Jugendjahren.
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(SZ vom 07.07.2008/aum)
Drogeriekette wird abgewickelt
Und wieder der Vergleich zum Fußball: Ihr Beitrag, Sie wollten doch nur eine spannende Tour sehen, erinnert mich stark an den Kommentar-Beitrag, der - obwohl überzeugt die Russen wären gedopt - sich einfach daran erfreut hat, "wie die in der 110. Minute immer noch sprinten können als wären sie gerade auf den Platz getrabt". Naja.
Für mich ist halt die Frage, ob es noch spannend ist, wenn die vorderen Plätze alle hinter der Kulisse in Doping-Laboren ausgetragen werden. Also derjenige gewinnt, der am besten dopt.
Zwar ist es für einige national gestimmte Deutsche ganz klar, daß am deutschen moralischen Rigorismus des fremden Arzneimittelkonsum die Welt genesen würde.
Ich meine allerdings, daß das Land mit dem höchsten Medikamentenverbrauch pro Kopf der Bevölkerung nicht unbedingt als Beispiel gelten kann. Die in der Welt meinen deshalb auch: "Die spinnen, die Germans". Mit ihren merkwürdigen Sonderwegen und ihrer merkwürdigen Rechtsauffassung, daß eine nicht strafbare Sache ein ganz schlimmes Verbrechen sei. Es blitzt aus den zerlumpten Bildungskleidern des PISA-Deutschen stets der kategorische Imperativ des kryptischen Immanuel Kants durch: "Der Zweck des kategorische Imperativ ist also nur ein einziger und zwar dieser: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie allgemeines Gesetz werde." Dies allerdings nur unter der Voraussetzung: da der Imperativ außer dem Gesetze nur die Notwendigkeit der Maxime enthält, diesem Gesetze gemäß zu sein, das Gesetz aber keine Bedingung enthält, auf die es eingeschränkt war, so bleibt nichts als die Allgemeinheit eines Gesetzes überhaupt übrig, welchem die Maxime der Handlung gemäß sein soll, und welche Gemäßheit allein der Imperativ eigentlich als notwendig vorstellt. Kant problematisierte also Gesetz vs. Maxime. Wer jetzt noch nicht ausgestiegen ist, kann ja wieder auf´s Fahrrad steigen.
Dort weiterfahren und nur noch grübeln, was das denn nun mit Radsport und Doping zu tun hat. Da dies die Welt ebenfalls so sieht, sollte man Valverde fahren lassen und Jaksche, den Arztsohn daran erinnern, daß es Operationen gibt, die für den Patienten tödlich enden, für andere aber nicht.
Seine Operation war erfolglos und mit ein wenig Gezucke wird der "Kronzeuge" auch von seinen neuen Freunden verlassen werden. Die lieben zwar den Verrat, aber würden keinen Verräter zum "Freunde" haben wollen.
Falls es einige tatsächlich bis hier gelesen haben sollten: ich empfinde den Gelderwerb einiger deutscher Sportjournalisten im Reiten der Dorfsau "Doping" nur noch für ätzend.
Dies heuchlerische Gelaber von irgendwelchen Funktionären und den widerkäuenden Medien geht mir gehörig auf den Wecker.
Ich möchte einfach nur wieder eine spannende "Tour" sehen - Doping hin oder her.
Deutschland ist seit Menschengedenken eine "Turniermannschaft". Warum wohl?
Da inzwischen die Tour de France als Weltfestspiel des Dopings bezeichnet werden kann gibt es nur eine Konsequenz, die zu einem Umdenken der Verantwortlichen (Funktionäre und Fahrer) führt: Keine Berichterstattung in öffentlichen Medien! Die dann reagierenden Sponsoren werden sehr schnell zu einer Verhaltensänderung führen. Die Frage ist, ob dies gewünscht ist (siehe Kommentar rossi1606).
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