Das niederländische Team Rabobank wirkt bei der Tour merkwürdig labil. Gegen Kapitän und Giro-Sieger Mentschow ermittelt die Wiener "Soko Doping" - und öffnet Akten.
Über Denis Mentschow spricht im Moment keiner bei der Tour. Dabei geht es am Sonntag erstmals in die Alpen, vielleicht sieht man ja dort mal etwas vom russischen Rabobank-Kapitän. Denis Nikolajewitsch Mentschow, 31, hat schließlich im Mai den Giro d'Italia gewonnen, "mein größter Erfolg", sagt er stolz.
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Das niederländische Team Rabobank beim Mannschaftszeitfahren der diesjährigen Tour de France. (© Foto: AFP)
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Doch in Frankreich präsentiert er sich bislang in seltsam labiler Verfassung: Platz 28, fünf Minuten hinter den Favoriten vom Team Astana. Beim Mannschaftszeitfahren ist er sogar gestürzt, wie in den ersten zwei Tour-Wochen überhaupt fast alle seiner Teamkollegen einmal auf der Nase lagen. Es hat bisher fast den Eindruck, als seien Mentschow und seine Leute ein wenig durcheinander wegen dieser unangenehmen Sache in Wien. Wegen der Soko Doping.
Mehr als eine Handvoll Profis des niederländischen Rennstalls seien Kunden der Blutbank Humanplasma gewesen, dies ist aus Wien an die Öffentlichkeit gedrungen. Bis 2006 wurde das Fachinstitut von Dutzenden von Athleten genutzt, ganz offrenbar auch von ausländischen; deutsche Wintersportler sollen die Großtankstelle ebenfalls genutzt haben.
Team Rabobank hat nun während der Tour de France offiziell bestätigen müssen, dass drei Fahrer bereits für Zeugenvernehmungen in Wien gewesen sind - neben den Niederländern Pieter Weening (nicht bei der Tour am Start) und Joost Posthuma auch Mentschow. Freiwillig habe man kooperiert, hieß es in der Erklärung. Das Trio sagte vor der Soko Doping, einer zehnköpfigen Sondereinheit, aus, es habe mit dem verbotenen Blutaustausch "nichts zu tun".
Zuvor hatten bereits die früheren Rabobank-Fahrer Thomas Dekker, Michael Boogerd und Michael Rasmussen Vorladungen erhalten. Dekker, seit 2009 bei Lotto, ist soeben mit Epo-Doping erwischt worden. Der einstige Rabobank-Leader Rasmussen ist nach dem Skandal bei der Tour 2007, als der Däne wegen Lügen über Trainingsaufenthalte kurz vor dem Gesamtsieg aus dem Rennen genommen wurde, noch nicht wieder startberechtigt.
Er soll im August in Wien aussagen. Er muss. Rasmussen wird ja nicht nur verdächtigt, die nach Humanplasmas Enttarnung von seinem Agenten Stefan Matschiner offenkundig betriebene Blutzentrifuge genutzt zu haben: Laut des geständigen Kronzeugen Bernhard Kohl, Austrias einst umjubelter Bergkönig 2008, hat er sich sogar am Kauf der Zentrifuge beteiligt.
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