Dopingverdacht bei der Tour de France Fränk Schleck suspendiert

Keine Tour ohne Doping? Nach einer positiven A-Probe verlässt der Luxemburger Radprofi Fränk Schleck die Tour de France - sein Team nimmt ihn aus dem Rennen. Mit der Ruhe bei der Rundfahrt ist es damit endgültig vorbei. Denn Schleck gilt als vorbelastet.

Von Andreas Burkert, Pau

Sportlich spielt Fränk Schleck bei der 99. Tour de France keine Rolle mehr. Der Tourdritte von 2011 liegt vor den beiden Bergetappen aussichtslos auf Platz zwölf, fast zehn Minuten hinter Bradley Wiggins. Eine Rückkehr auf das Pariser Podium hatte der 32-jährige Luxemburger allerdings nach einem verkorksten Frühjahr schon vor dem Prolog als unwahrscheinlich erachtet, überhaupt wirkte er in den ersten beiden Wochen der Rundfahrt mürrisch und lustlos, wohl wegen der gesamten Situation um sein Team RadioShack, das ihm noch rund eine halbe Million Euro vorenthält und vom Lizenz-Entzug bedroht ist.

Doch das alles hat den älteren der beiden Schleck-Brüder womöglich nicht daran gehindert, eine lange Sperre und den Verlust seiner Reputation zu riskieren, sofern davon in seinem Fall noch etwas vorhanden gewesen sein sollte: Denn Fränk Schleck steht seit Dienstag unter Dopingverdacht und verlässt die Tour.

Die Nachricht von der positiven A-Probe durchbrach am Dienstagabend die Stille des zweiten Ruhetages in Pau. Eine am Samstag, dem französischen Nationalfeiertag, im Ziel genommene Dopingprobe wies nach einer Mitteilung des Weltverbandes UCI ein "abnormales Ergebnis" auf; die Dopingfahnder entdeckten das Arzneimittel Xipamid, eine Entwässerungssubstanz (Diuretikum), das zur Ausschwemmung von Wasser durch die Niere eingesetzt wird. Es kann demnach dazu dienen, andere verbotene Substanzen zu kaschieren. Die Polizei verhörte Schleck und verließ gegen 23 Uhr das Teamhoteal in Pau.

Eine provisorische Sperre konnte die UCI aufgrund der Natur der Substanz nicht aussprechen, allerdings nahm RadioShack Schleck umgehend aus dem Rennen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) stuft Diuretika als spezifische Substanzen ein, die auch ohne Dopinghintergrund erklärbar sein können. Laut Wada-Code hat der Athlet die Chance "nachzuweisen, dass die Benutzung einer solchen spezifischen Substanz nicht zur Leistungssteigerung benutzt". Das Strafmaß reicht bei einem Erstvergehen von einer Verwarnung bis hin zu einer einjährigen Sperre.

Mit der Ruhe bei der Tour ist es endgültig dahin. Am ersten Ruhetag war der Cofidis-Profi Rémy di Gregorio im Teamhotel verhaftet worden; ihm sollten offenbar Injektionen und Hilfsmittel für eine verbotene Behandlungsmethode geliefert werden, die Justiz in Marseille hat Anklage erhoben. Nun also Fränk Schleck, einer der Hauptdarsteller dieses Sports, der von sich selber annimmt, er nähere sich einer "rosigen Zukunft", wie es der geständige schottische Ex-Doper David Millar am Freitag nach seinem Etappensieg in Annonay glauben wollte.

"Ich wollte für Chancengleichheit sorgen"

mehr...