Tote Radprofis aus Belgien Der Radsport muss die Risiken minimieren

Antoine Demoitie starb im Alter von 28 Jahren.

(Foto: dpa)

Stürze, Unfälle, Herzversagen: Radsport ist ein gefährliches Metier - nach den Todesfällen zweier Belgier braucht der Sport ein neues Gebot der Vorsicht.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Jene Liste, die die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag in Umlauf brachte, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das geht schon aus der Tatsache hervor, dass die beiden jungen Belgier, die an Ostern ihr Leben ließen, namentlich dort nicht erwähnt worden sind. Die DPA-Liste zählte zwölf "Prominente Todesopfer im Radsport" auf, und "prominent" waren Antoine Demoitié, 25, und Daan Myngheer, 22, nach den landläufigen Kriterien nicht, sie fuhren noch für Teams aus der zweiten Reihe.

Auf der Liste hingegen: der Engländer Tom Simpson, dessen Geschichte immer dann erzählt wird, wenn der Tod im Sattel zuschlägt, weil sie als der Sündenfall schlechthin im Radsport gilt. Simpson hatte einen Cocktail aus Alkohol und Amphetaminen intus, als er bei der Tour de France 1967 am Mont Ventoux in glühender Hitze zusammenbrach.

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Die Prominenten-Liste nennt aber nicht nur zwölf Namen, von Simpson bis zur Niederländerin Annefleur Kalvenhaar, die 2014 beim Mountainbiken starb, sie nennt auch die zwölf Ursachen, zumindest die offiziell benannten. Es ist eine Liste des Grauens: Doping (Simpson), Sturz in die Straßenbegrenzung, vom Auto erfasst, Sturz, Herzversagen, Herzversagen, vom Auto erfasst, Sturz, Sturz, vom Auto erfasst, Sturz, Sturz (Kalvenhaar).

Nimmt man die Todesursachen der an Ostern verstorbenen Demoitié (unter einem Begleit-Motorrad begraben) und Myngheer (Herzversagen) hinzu, fällt auf, dass sich das Berufsrisiko von Berufsradfahrern in drei Kategorien einteilen lässt: a) Der Sturz ohne Fremdverschulden; b) der Unfall, ausgelöst durch Auto oder Motorrad; und c) das Herz. Auffällig, wie oft bei Radsportlern der Kardiologe die letzte Diagnose stellt. Noch auffälliger wird dies dann, wenn man nicht nur die Liste der Prominenten raussucht, sondern diese um all die Namenlosen und Wasserträger unter den Radsport-Toten erweitert. Ein epidemischer Herzstillstand. Und ein Schuft, wer immer wieder automatisch Doping assoziiert.

Was tun? Da es im Profi-Radsport allenfalls um eine Risiko-Minimierung gehen kann, zielen die Vorschläge des deutschen Tour-Etappensiegers Marcel Kittel in eine richtige Richtung, der fordert, man möge die Sicherheitsfrage mit derselben Energie angehen wie die Dopingfrage. Skeptiker werden meinen, nun ja, wenn das so sein soll, dann werde eh schon nichts passieren. Aber wer je sah, wie Kamera-Motorräder und Begleitfahrzeuge wie Hornissen durch die Fahrerfelder stechen, der kann gegen eine verschärfte Verkehrskontrolle nichts mehr einzuwenden haben.

Gegen jedwede Neigung zur Raserei wie auch gegen die Doping-Mentalität haben es die Beteiligten immer auch selbst in der Hand, entschlossen etwas zu unternehmen. Wer jedoch die dritte Todeskategorie, den Sturz im Gelände, am meisten fürchtet, dem bleibt kaum eine andere Wahl - dem hilft es nur noch, freiwillig vom Rad zu steigen.

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