Der einst erbitterte Kampf der Torhüter findet im Spiel um Platz drei ein Ende in großen menschlichen Gesten.
Ersatzkeeper Oliver Kahn kommt im Spiel um Platz drei doch noch zu seinem Auftritt bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land.
Eine Art Maskottchen: Oliver Kahn, Ersatztorwart. (© Foto: dpa)
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Bundestrainer Jürgen Klinsmann teilte dem Bayern-Torhüter laut Bild am Donnerstagmittag mit, dass er am Samstag (21.00 Uhr) in Stuttgart in der Begegnung gegen Portugal im deutschen Tor stehen werde.
Lehmann stimmte dem Plan von Bundestrainer Jürgen Klinsmann am Donnerstag bereits öffentlich zu. Der zum Reservisten degradierte Kahn soll als Dank für sein tadelloses Auftreten als Nummer 2 sein 86. Länderspiel bestreiten - es könnte zugleich ein Nationalmannschafts-Abschied auf ganz großer Bühne sein.
Das Maskottchen
"Wenn Oliver spielen möchte und die Trainer auch zu der Überzeugung kommen, dann hat er das auch verdient", betonte der 37-Jährige. Kahn machte gegenüber der Bild-Zeitung (Freitag-Ausgabe) deutlich: "Ich sehe das nicht als Almosen. Ich freue mich. Für mich hat auch der dritte Platz bei einer Weltmeisterschaft einen großen Wert."
Verbissen hatten Lehmann und Kahn in Zeiten von "Torhüter-Rotation", "Torwart-Streit" und "Keeper-Krieg" um den Platz im Tor gekämpft, für den Münchner endete das Duell mit der Ausmusterung als Nummer 1 und dem schwersten persönlichen Tiefschlag seiner Karriere.
Unglaublich professionell war der Ersatzmann in die ungeliebte Rolle geschlüpft - spätestens seit seinem Auftritt vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale-Krimi gegen Argentinien ist er von einer Art WM-Maskottchen zum "Torhüter der Herzen" aufgestiegen.
Kahn hatte Lehmann den Kopf getätschelt und ihn persönlich auf den erfolgreichen Shootout eingeschworen, danach umarmte er den Elfmeter-Helden.
"Er hat sich hervorragend verhalten hier bei dem Turnier, auch mir gegenüber. Ich glaube, das Spiel um Platz drei ist für ihn ein versöhnlicher Abschluss", meinte Lehmann, der Kahn am Donnerstag erstmals öffentlich lobte. "Es gab einige schöne Gesten."
"Eine supergroße Geste"
Auch nach dem Halbfinal-K.o. gegen Italien war Routinier Kahn in Erscheinung getreten und spielte den Seelentröster - auch Lehmann nahm er kurz in den Arm, als dieser mit glasigen Augen im Strafraum herumstand. Auch beim Confed-Cup vor einem Jahr stand Kahn im "kleinen Finale" gegen Mexiko (4:3 n.V.) zwischen den Pfosten.
"Man muss die Wünsche der Spieler berücksichtigen, die nicht so zum Zuge gekommen sind", erklärte Lehmann, der neben Philipp Lahm und Per Mertesacker als einziger deutscher Spieler alle bisherigen 600 Spielminuten bei der Heim-WM absolviert hat. "Ein Einsatz wäre auch eine supergroße Geste an Kahn für die vergangenen sieben Wochen, in denen er sich vorbildlich verhalten hat", sagte Köpke.
Der Torwartwechsel beim Trostspiel hat durchaus Tradition. 1934 durfte Hans Jakob für Stammkraft Willibald Kreß vor 7000 Zuschauern beim 3:2 gegen Österreich zwischen die Pfosten. Gleich sechs Gegentore gab es beim 3:6 gegen Frankreich für Heinrich Kwiatkowski, der 1958 von Sepp Herberger anstelle von Fritz Herkenrath seinen WM-Einsatz im Spiel um Platz drei bekam.
Wie einst Horst Wolter
1970 schickte Helmut Schön für seine Nummer 1 Sepp Maier den Braunschweiger Horst Wolter auf den Rasen - der blieb beim 1:0 gegen Uruguay ohne Gegentreffer.
Weder Lehmann noch Kahn haben sich bislang konkret über ihre Zukunft im Nationaltrikot geäußert. Beide Torhüter spielen bei europäischen Spitzenclubs und fühlen sich fit für die neue Saison.
Als Reservist dürfte sich Kahn nicht weiter zur Verfügung stellen, Lehmann hat bei seinem ersten großen Turnier als Nummer 1 dagegen Blut geleckt. "Ich werde sicher mit dem Trainer sprechen, wobei erstmal die Frage besteht, ob er weitermacht oder nicht", sagte der 38-malige Nationalspieler.
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(dpa)
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