Von Raphael Honigstein

Im Champions-League-Spiel bei Juventus Turin spielt Arsenal-Torwart Lehmann auch um den Platz im deutschen Nationalteam.

Die Saison läuft besser als erwartet für Jens Lehmann. Viel besser sogar. Der FC Arsenal London spielt begeisternden Angriffsfußball und hat eine hervorragende Ausgangsposition, das Halbfinale der Champions League zu erreichen. Und im Sommer steht ja ein großes Turnier an.

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Lehmann darf sich Chancen ausrechnen, endlich das deutsche Tor bewachen zu dürfen, denn nach dem Aus der Bundesligavereine schaut die Fußballnation nur noch auf ihn. Kollege Kahn ist längst nicht mehr unantastbar, kürzlich hat er in München an einem Weitschuss vorbei gegriffen.

Lehmann braucht heute Abend nur zu Null spielen. Dann wäre sein Team weiter - und er dem persönlichen Ziel ganz nah.

Aber Lehmann spielt nicht zu null. In der 51. Minute bekommt er einen Schuss von Makelele unglücklich ans Kinn. Der Ball springt in die Mitte des Fünfmeterraums zurück, Lampard schießt das 1:1. Später überwindet Gudjohnsen den Deutschen ein weiteres Mal.

Arsenal ist draußen, nicht zuletzt auch wegen Lehmann - der hatte schon im Hinspiel einen gravierenden Fehler gemacht. Ein paar Wochen später, bei der EM in Portugal, steht wie immer Oliver Kahn im Tor.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass Lehmann sich im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Chelsea vom soliden, für seine Strafraumbeherrschung und aktive Spielweise von Trainer Arsène Wenger gelobten Spitzentorwart auf einen Schlag in "ein Risiko auf der großen Bühne" verwandelte, "unsicher bei Flanken und mit peinlichen Gegentoren in Europa"(Guardian, Dezember 2004).

Der Makel blieb haften; in der folgenden Saison setzte ihn Wenger sogar einige Wochen auf die Bank. Kahns Patzer im Achtelfinale des FC Bayern gegen Real Madrid, als ihm ein Kullerball von Roberto Carlos irgendwie durch die Hände geglitten war, hatte man schnell wieder vergessen.

Lehmann kennt die Gefahr

Lehmann weiß um die Parallelen. Er genießt die Aufmerksamkeit, kennt aber auch ihre Gefahr: In Turin geht es für ihn nicht nur um den Einzug ins Halbfinale, sondern vor allem darum, dass sich seine persönliche Geschichte nicht wiederholt.

Anders als beim 2:0-Sieg in London dürfte der ehemalige Schalker zu den meistbeschäftigten Männern im Stadion gehören. Klinsmann und Bierhoff sitzen auf der Tribüne, Fußballdeutschland vor den Fernsehern. Wenn sich die Nation mit ihm als kommenden Bundestorhüter anfreunden soll, muss er heute bestehen. Es ist sein erstes Endspiel der Saison.

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