Torlinientechnik bei Fußball-WM 2014 Wahl zwischen "GoalRef" und "Hawk-Eye"

Hawk-Eye oder Goalref? Hauptsache der Schiedsrichter weiß Bescheid.

(Foto: picture alliance / dpa)

Chip im Ball oder kamerabasiertes Falkenauge? Ein Institut der Fraunhofer-Gesellschaft und ein Ableger der Firma Sony konkurrieren mit ihren Torlinientechnologien um die Gunst des Fußball-Weltverbandes. Es sind zwei völlig verschiedene Systeme.

Tor oder nicht Tor? Drin oder nicht drin? Die Frage beschäftigt den Fußball, seit der Ball rollt. Da das Spiel gerade in den großen Wettbewerben gründlich mit Kameras ausgeleuchtet wird, offenbart sich eine Fehlentscheidung aber bereits nach Sekunden der ganzen Welt, während die Schiedsrichter unten allein mit der Kraft ihrer Augen eine Entscheidung treffen müssen.

Die Fifa ergreift jetzt in der seit langem schwelenden Debatte die Initiative und kündigt an, für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien eine Torlinientechnologie einzusetzen, um die Schiedsrichter zu unterstützen und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Zwei unterschiedliche Systeme sind vom Fußball-Weltverband bereits geprüft:

  • GoalRef: Das System erzeugt dem Entwickler, dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, zufolge schwach magnetische Felder um das Tor und soll funktionieren wie eine "Funk-Lichtschranke". Überquert der Ball vollständig die Torlinie, führt dies zu einer Veränderung des Magnetfeldes. Diese Änderung wird als verschlüsseltes Signal in Echtzeit an den Schiedsrichter übertragen, der zum Beispiel auf seiner Uhr ablesen kann, dass tatsächlich ein Tor gefallen ist. Notwendig dafür ist ein Chip, der in den Ball eingebaut wird. Möglicher Vorteil des Systems: Im Gegensatz zum Kamera-basierten Hawk-Eye (siehe unten) benötigt es keinen Sichtkontakt. Es arbeitet den Erfindern zufolge auch zuverlässig, wenn der Torhüter auf dem Ball liegt. Das Fraunhofer IIS entwickelte "GoalRef" zusammen mit dem dänischen Hersteller Select. Die Technologie kam bereits bei der Klub-WM im Dezember 2012 in Japan zum Einsatz.
  • Hawk-Eye: Tennisfans ist diese Technologie bereits von den Grand-Slam-Turnieren bekannt. Damit wird fesgestellt, ob ein Ball außerhalb des Feldes aufgesprungen ist oder die Linie noch berührt hat. Dieses Prinzip lässt sich auch auf einen Fußball übertragen. Notwendig dafür sind vier oder mehr Hochgeschwindigkeitskameras, die das Spielfeld beziehungsweise den Torbereich aus verschiedenen Blickwinkeln erfassen. Ein Computer wertet dabei zum gleichen Zeitpunkt geschossene Bilder aus und berechnet die genaue Position des Balles. Würde das System ähnlich wie beim Tennis in Form eines Videobeweises eingesetzt, müsste der Schiedsrichter das Spiel für die Torentscheidung unterbrechen. "Hawk-Eye" gehört zum Konzern Sony, einem der größten Sponsoren der Fifa.

Für welches System sich die Fifa entscheidet, ist noch nicht klar. Denkbar ist auch, dass beide zum Einsatz kommen. Die Uefa und die DFL wollen ihre Wettbewerbe vorerst weiter ohne technische Unterstützung austragen.