Torhüter bei Schalke 04 Mittelklasse zwischen den Pfosten

Vor dem Champions-League-Spiel gegen Arsenal hat Schalke 04 drei fitte Torhüter im Kader - doch wer wird spielen? Unnerstall, Hildebrand und Fährmann haben alle die Reputation von Mittelklasse-Fabrikaten, sie gelten als solide, aber nicht als hochwertig. Gut möglich, dass Schalke bald einkaufen wird.

Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Wer ist der beste Torhüter in Königsblau? Lars Unnerstall (links) und Timo Hildebrand diskutieren.

(Foto: dapd)

Die meisten Kenner sind fest davon überzeugt, dass Schalke 04 zurzeit den besten Spielerkader seit der Pensionierung der Kreisel-Könige Fritz Szepan und Ernst Kuzorra unterhält. Allerdings fällt es schwer, Kenner zu finden, die in dieses Kompliment die Auswahl der Torhüter einbeziehen. Lars Unnerstall, der aktuelle Stammtorwart, und seine Stellvertreter Timo Hildebrand und Ralf Fährmann haben die Reputation von Mittelklasse-Fabrikaten. Ihr Leistungsspektrum gilt als tauglich und solide, aber nicht als hochwertig, deswegen wird seit dem Sommer in Verein und Anhängerschaft immer wieder diskutiert, ob die Besetzung im Tor den Schalker Ambitionen gerecht wird.

Es ist eine Debatte, die auch in den Sternstunden dieser Saison nie richtig abgerissen ist, obwohl Unnerstall nach dem Sieg in Dortmund von den Fans als leibhaftiger Derbysieger geehrt wurde. Nun ist das Thema nach dem 2:3 in Hoffenheim mit neuer Heftigkeit erwacht, weswegen Huub Stevens am Montag vor der Champions-League-Begegnung mit dem FC Arsenal abermals Stellung nehmen musste.

Der Trainer, in ausgeprägt grantiger Stimmung, hatte für Dienstagabend "eine andere Organisation" für seine Elf angekündigt, was unvermeidlich die Frage nach seiner Torhüterwahl hervorrief. Stevens erwiderte mit einem Blick, der geeignet war, nicht nur kleine Kinder zu erschrecken: "Hört auf, mich immer das Gleiche zu fragen. Ihr kriegt eh keine Antwort darauf."

Wie üblich hatte Unnerstall, 22, in Hoffenheim wenig Mühe mit seiner Arbeit. Die meiste Zeit des Spiels hätte er sich in den Strafraum setzen und eine Patience legen können, weder störten die Hoffenheimer mit Eckstößen noch mit Flanken oder Torschüssen. Das war das eine Problem; Torhüter ohne Beschäftigung drohen einzurosten. Das andere Problem war, dass nahezu alle Torschüsse umgehend in seinem Tor landeten, nachdem sich Unnerstall eher ungeschmeidig dagegen verwendet hatte.

Einen konkreten Fehler hat ihm deswegen niemand vorgehalten: Die Schützen Volland und Schipplock kamen ja geradewegs auf ihn zugelaufen und legten aus kurzer Distanz den Ball an ihm vorbei (dazu kam Firminos Elfmeter), aber es ist Unnerstalls Schicksal, dass er sich permanent für unbeweisbare Vorwürfe rechtfertigen muss.