Todestag von Robert Enke Die Krankheit, die ihn tötete

Die Ausstellung 'ROBERT gedENKEn - unser Freund und Torwart' im Landesmuseum in Hannover.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Vor fünf Jahren verstarb der Nationaltorhüter Robert Enke. Viel hat sich nicht getan im Umgang miteinander in der Fußball-Bundesliga - deshalb hört seine Frau Teresa nicht auf, über das Thema Depression zu reden.

Von Carsten Eberts, Hannover

Teresa Enke lacht viel. Es gehe ihr gut, sie sei glücklich, sagt sie, fünf Jahre danach. Sie ist umgezogen, aus der Nähe von Hannover nach Köln, sie geht sogar wieder ins Fußballstadion, wenn auch nicht zu Hannover 96, zu jenem Klub, bei dem einst ihr Ehemann spielte.

Fünf Jahre ist es her, dass sich am 10. November 2009 der Nationaltorhüter Robert Enke das Leben nahm, der Schock erfasste die gesamte Fußballrepublik. Ob es nicht an der Zeit wäre, behutsamer miteinander umzugehen, fragten sich damals die Leute. Viel übrig geblieben ist von derlei Vorhaben nicht: Woche für Woche werden Spieler in den Stadien als "Versager" beschimpft; und die wenigen, die zu ihrer Krankheit stehen, müssen sich aus dem Sport zurückziehen. Deshalb will Teresa Enke nicht aufhören, über ihren Mann zu reden.

Für einen Abend ist Teresa Enke nach Hannover zurückgekehrt. Das Niedersächsische Landesmuseum präsentiert eine Ausstellung zum Thema "ROBERT gedENKEn". Gezeigt werden Erinnerungsstücke aus der Karriere des Nationaltorhüters, Trikots, Handschuhe, Briefe. Es geht um den Sportler Robert Enke, aber auch um die Krankheit, die ihn tötete. "Robert ist nicht freiwillig aus dem Leben geschieden", sagt Teresa Enke. Das sei die Krankheit gewesen, die Depression. Sie hat die Robert-Enke-Stiftung begründet, erstes Ziel ist es, der Krankheit ihre Mystik zu nehmen - damit sich Betroffene trauen, darüber zu reden.

"Am nächsten Tag bist du ein Niemand"

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Manches wurde erreicht seit Enkes Tod, ein ambulantes Netz soll psychisch angeschlagenen Sportlern helfen, Anzeichen für eine Depression zu erkennen. Auch Jugendtrainer werden sensibilisiert, schon bei Kindern auf Warnzeichen zu achten. Zwei Räume der Ausstellung sollen vermitteln, wie Depression und Schizophrenie sich "anfühlen", dazu werden optische und visuelle Reize gesetzt. "Es fällt einem schwer aufzustehen, sich anzuziehen", erzählt Teresa Enke aus der schlimmsten Phase. Hinzu kommt die große Scham anzuerkennen, dass das Problem zu groß ist, um alleine damit fertigzuwerden. Robert Enke hatte es nicht geschafft, zu seiner Krankheit zu stehen. "Wir waren allein auf weiter Flur", sagt Teresa Enke. Vielen der rund vier Millionen Betroffenen in Deutschland ergeht es ähnlich.

"Es trifft jeden"

Auch Ursula von der Leyen ist gekommen, die Bundesministerin für Verteidigung, die aus der Region stammt. In der Bundeswehr ist sie mit vergleichbaren Fällen konfrontiert, wenn zum Beispiel Soldaten versuchen, Kampfeinsätze zu verarbeiten - und scheitern. "Es trifft jeden", sagt die Ministerin, "auch jene, die wir für besonders stark gehalten haben." Wie Robert Enke. Es helfe, wenn möglichst viele Menschen über Depressionen Bescheid wüssten, "und es nicht abtun, wenn jemand sagt: Es geht mir nicht gut", sagt Teresa Enke.

In 11Freunde hat sich dieser Tage der Torhüter Florian Fromlowitz erinnert, der vor fünf Jahren Enkes Nachfolge bei Hannover 96 antreten sollte. "Flo, du wirst hier bald deine Spiele bekommen", habe Enke wenige Wochen vor seinem Suizid zu ihm gesagt. Fromlowitz hatte sich wenig dabei gedacht, es hat ihm auch niemand einen Vorwurf gemacht, dass er Enkes Hilferuf nicht erkannt habe. Fromlowitz sagt, bei dem Gedanken daran laufe es ihm auch fünf Jahre danach kalt den Rücken herunter.

Der Angstgegner

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