Während der französische Trainer Domenech bei der Auslosung den guten Stil vergisst, haben die Italiener eine eindeutige Strategie: ruhig bleiben, klug taktieren, nicht zittern.
Auf Italienisch heißt das Girone di ferro - Eisengruppe. Oder auch Girone infernale. Weil diese Vorrunde mit Frankreich, Holland und Rumänien eine Höllenfahrt zu werden verspricht. "Ein Alptraum", findet La Repubblica und diagnostiziert "Europa-Herzflimmern." "Mamma mia!" zittert die Gazzetta dello Sport. Die berühmte Karikatur des Künstlers Altan wird zitiert, wo sich zwei knollennasige Italiener über das Wahlergebnis unterhalten. "Es hätte schlechter kommen können", sagt der eine. Sein Gegenpart sagt nur: "Nein!"
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Was soll man da machen? Italiens Trainer Roberto Donadoni nach der Auslosung mit Joachim Löw. (© Foto: AP)
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Es hätte aber besser kommen können, lautet die einhellige Meinung. Wenn das Auslosungsverfahren nicht so absurd gewesen wäre. Nur Dilettanten hätten sich sowas ausdenken können, schnaubt die Presse. Eben "Uefa-Dilettanten" (La Repubblica), die den Weltmeister partout nicht setzen wollten.
Und jetzt? Na, ausgerechnet die. Die schon wieder. "Immer das gleiche" (Corriere della Sera). Schon wieder die Franzosen. Schon wieder Raymond Domenech, der in Luzern auf eine harmlose italienische Reporterfrage mit einem Wutanfall reagieren musste, kaum dass der Name "Materazzi" Erwähnung fand. "Ich beantworte keine dummen Fragen mehr. Ich will nicht mehr über Italiener reden", soll er gesagt haben. Daran sieht man, bei wem die Nerven wirklich blank liegen. Mit dem WM-Titel soll es ja gehen wie mit der Macht - es trägt schwer an ihm, der ihn nicht hat. Domenech verließ die Bühne in Luzern, ohne die Kollegen Donadoni und Van Basten zu grüßen. Das wird kopfschüttelnd registriert in Italien, wo zumindest die Form stets hält, was der Inhalt nicht verspricht. Zumal die Franzosen ja nur dank Italiens Sieg über Schottland zur EM fahren.
So wird Domenech in der italienischen Presse schon mit Napoleon verglichen, Donadoni aber mit Quintus Fabius Maximus, einem römischen Konsul und Diktator (3. Jh. v. Chr.) mit dem Beinamen Cunctator, der Zauderer. Mit Zögern und Hinhaltetaktik nämlich widersetzte der römische Feldherr sich erfolgreich Hannibal. Der Vergleich mit einem der ersten Strategen des beinharten Catenaccio hat ein gewisses Niveau - aber er hinkt. Schließlich hat Donadoni seinen Dreiersturm um den Torfabrikanten Luca Toni fest installiert. Im Gegenzug kassierte der Weltmeister in der Qualifikation zwei Tore der Faröer-Inseln. Donadoni selbst vergleicht sich lieber mit anderen Persönlichkeiten als mit dem Cunctator: "Benedikt XVI. und ich haben das gleiche Problem. Er musste auf Johannes Paul II. folgen und ich auf Marcello Lippi." Wer dumm kalauern möchte, könnte hier sagen: besser als umgekehrt.
Eindeutiger ist da schon, darauf hinzuweisen, dass Frankreich und die Niederlande sich nur als Gruppenzweite qualifizieren konnten. "Die Franzosen hinter uns", wie Donadoni betonte. Und die Holländer hinter Rumänien. "Ich sehe keine Höllengruppe", bemerkte Verbandspräsident Giancarlo Abete. "Und überhaupt, die Holländer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren." Andererseits könnten aber die Rumänen schon das sein, als was sie noch nicht erscheinen. "Holland hat keine Beständigkeit und neigt dazu, wichtige Spiele zu verlieren", meint der Fußballexperte Mario Sconcerti. "Rumänien ist härter, die sind demütig und gut aufgestellt." Mit Mutu und Chivu zum Beispiel, die beide in Italien spielen. Hollands Van Basten hat übrigens schon angeregt, das geplante Freundschaftsspiel gegen Italien lieber ausfallen zu lassen.
Zittern hilft nichts. "Ich bin Optimist, vielmehr Realist", erklärt Trainer Donadoni. Zaudern hilft auch nichts. "Wir müssen uns die schwierigen Partien eben einfach machen." Das klingt vielleicht nicht sehr strategisch. Aber es ist reine Philosophie.
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(SZ vom 04.12.2007)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
Frankreich wäre doch auch ohne italienischen Sieg weitergekommen, die Italiener wären dann ausgeschieden.
Ansonsten traue ich Rumänien auch durchaus was zu ..
...kann mir auch gut vorstellen, dass sich Rumänien durchsetzt-warum nicht?
die Niederlande sind wirklich nicht mehr das was sie mal waren, die Franzosen ein Gegner, der den Italienern überhaupt nicht schmeckt...
Ich finde es richtig, daß man hauptsächlich die Qualifikationsergebnisse entscheiden lässt. Niemand hat Frankreich, Holland und Italien gezwungen, so eine wacklige Quali zu spielen.
ich erinnere mich da gerne an die "todesgruppe" EM 2000. Deutschland, England, Portugal und Rumänien! Klare Sache: D, ENG weiter, die anderen raus! Denkste: Die Fußballmächte heim, Portugal Rumänien im Viertelfinale. Wäre doch zu schön ohne Frankreich und Italien...