Tod von Schwimm-Weltmeister Oen Risiko aus dem Nichts

Schwimm-Weltmeister Alexander Dale Oen stirbt im Alter von 26 Jahren - sein Tod hinterlässt Fragen. Gendefekte kommen auch bei Sportlern häufiger vor als bislang angenommen, Vorsorgeuntersuchungen hätten Oen vielleicht retten können. Auch wenn der Norweger dann womöglich nie Schwimm-Weltmeister geworden wäre.

Von Thomas Hahn

Mitten hinein ins bunte Sportnachrichtengewitter platzt eine Meldung, die nicht dazupasst zu den vielen kleinen Neuigkeiten um Positionswechsel in der Golf-Weltrangliste oder irgendwelche Eishockeytransfers: Alexander Dale Oen, der Schwimm-Weltmeister über 100 Meter Brust und Medaillen-Anwärter für Olympia in London, ist tot.

Plötzlicher Tod nach dem Training: Schwimm-Weltmeister Alexander Dale Oen.

(Foto: AP)

Teamkollegen hatten sich am Montagabend nach dem Training im Höhencamp von Flagstaff, USA, gewundert, dass Oen so lange duschte. Sie gingen zu seinem Zimmer. Sie klopften. Er antwortete nicht. Sie brachen die Tür auf und fanden ihn leblos auf dem Boden liegend. Der Teamarzt versuchte, Oen wiederzubeleben. Am Dienstag bestätigte ein Sprecher des Krankenhauses in Flagstaff der Zeitung Bergens Tidende den Tod des Schwimmers. Verbandspräsident Per Rune Eknes sagte: "Das ist der schlimmste Tag, den das norwegische Schwimmen je hatte." Alexander Dale Oen wurde 26 Jahre alt.

Der Sport ist nur ein Spiel, Ausdruck von Jugend und Leben, nichts Ernstes, und deshalb ist die Erschütterung immer besonders groß, wenn der Tod die schöne Nebensache jäh unterbricht. Das Sportjahr ist noch jung, und der Tod trotzdem schon viel zu häufig ein Thema gewesen in der kleinen künstlichen Athleten-Welt. Im Januar stürzte die kanadische Freestyle-Skifahrerin Sarah Burke zu Tode, im März der kanadische Skicrosser Nik Zoricic.

Vor zwei Wochen brach der italienische Zweitliga-Fußballer Piermario Morosini von Pescara Calcio auf dem Spielfeld nach einer Herzattacke tot zusammen, kurz darauf folgte die Meldung vom plötzlichen Tod der venezolanischen Volleyballerin Veronica Gomez. Jetzt trauert der Sport um Alexander Dale Oen, wieder deutet alles auf Herzstillstand hin, und gerade bei den Herztoten stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass der Tod junge Spitzenathleten einfach so aus ihrem Leben reißt? Und vor allem: Hätte man sie nicht besser schützen können?

Die Unglücksfälle im Wintersport haben auch mit dem natürlichen Risiko zu tun, dem sich die Sportler im Milieu aus Schnee und Eis ganz bewusst aussetzen. Der Herztod hingegen wirkt so erschreckend willkürlich. Wie ein Risiko aus dem Nichts. Oder?

Der Heidelberger Molekular-Biologe Werner Franke sieht das etwas anders. Und in diesem Fall spricht er mal nicht als Anti-Doping-Experte, der hinter jedem Todesfall eine Manipulation zur Leistungssteigerung vermutet. Er spricht als Biologie-Professor, der weiß, dass man mit moderner Diagnostik Todesfällen wie dem von Alexander Dale Oen möglicherweise vorbeugen könnte.