Tod eines besonderen Fans Alles für Johnny

In der Kurve der Darmstädter erinnern Transparente an den jungen Fan Jonathan Heimes. "Johnny" starb diese Woche nach langem Krebsleiden mit 26 Jahren.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Ganz Darmstadt trauert gegen Augsburg um den verstorbenen Lilien-Fan Jonathan Heimes. Auch die 98-Spieler sorgen für Gänsehautmomente.

Von Frank Hellmann, Darmstadt

Es schien, als habe diese spontane Beileidsbekundung am Samstagnachmittag so kurz vor Anpfiff auf Darmstädter Seite niemand erwartet. Weder Trainer Dirk Schuster, der unten an der Seitenlinie stand - noch die Heimfans, die sich im maroden Stadion am Böllenfalltor zwischen den Seiten der Haupttribüne und der Gegengerade verteilen. Doch als die Anhänger des FC Augsburg in ihrem Block ein Transparent hochhielten, das einzig und allein dazu gedacht war, dem verstorbenen Jonathan ("Johnny") Heimes zu gedenken, brandete spontan Beifall auf. Erst danach stellten sich beide Mannschaften am Anstoßkreis für die Schweigeminute auf. Beide Teams trugen Trauerflor.

Zwei Vereine vereint in der Andacht für einen nur 26 Jahre alt gewordenen Menschen, der aus seiner Leidenschaft für die Lilien nie einen Hehl gemacht hatte, und es im Mai vergangenen Jahres zum heimlichen Helden der Aufstiegsfeier des SV Darmstadt 98 gebracht hatte: Wie Kapitän Aytac Sulu damals den bereits unheilbar an Krebs erkrankten Jungen auf die Bühne schob - das ging vielen noch mehr unter die Haut als der unverhoffte Aufstieg der Südhessen. "Ohne Johnny wären wir gar nicht hier", hieß damals ein Song, den alle anstimmten.

"Wir wollten dieses Spiel für ihn gewinnen", sagte Sulu am Samstag nach dem 2:2-Remis, "es ist schade, dass es uns nicht gelungen ist, diese Partie positiv zu gestalten." Am Dienstag kam die Kunde, dass Heimes den Überlebenskampf verloren hatte - seine Eltern teilten es über Facebook mit. "Wir trauern um Jonathan Heimes. In Gedanken sind wir bei der Familie, ihr gilt unser aufrichtiges Beileid", schrieb der Verein einen Tag später im Kurznachrichtendienst Twitter.

Ribérys Schuss des Tages

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Unweigerlich wurde das für den Bundesligisten, bei dem neben Assistenztrainer Sascha Franz vor allem die Profis Benjamin Gorka und eben Sulu bis zuletzt noch näheren Kontakt zu Heimes hatten, auch am Spieltag selbst noch zum Thema. "Diese schreckliche Nachricht von seinem Tod hat eine große Rolle unter der Woche gespielt und war auch in der Besprechung ein Thema", gab Trainer Dirk Schuster zu, der dem Vernehmen nach vehement für die Schweigeminute plädiert hatte.

Die in Darmstadt tausendfach verkauften Heimes-Armbänder ("Du musst kämpfen") hatte der 48-Jährige vor dem Relegations-Rückspiel 2014 bei Arminia Bielefeld unter seinen Kickern ausgeben und tragen lassen, um den hoffnungslosen Rückstand aus dem Hinspiel (1:3) wettzumachen. Auch jetzt tragen noch viele die Botschaft am Handgelenk. Bevor Tobias Kempe den Eckball schlug, nach dem Sandro Wagner das 2:0 köpfelte (40.), küsste er das Armband. Einer von vielen Gänsehautmomenten an diesem Tag.

Helmes war hessischer Tennismeister

Heimes hätte vielleicht selbst ein Profisportler werden können, er spielte Tennis beim TEC Darmstadt, war hessischer Jugendmeister, galt als talentiert und ehrgeizig. Doch mit 14 Jahren wurde bei ihm ein bösartiger Tumor im Kleinhirn entdeckt. Die erste bekannte Sportlerin, die sich für ihn einsetzte, war die Darmstädter Tennisspielerin Andrea Petkovic.

Der Kontakt zum dem fußballerischen Aushängeschild kam unweigerlich zustande. "Wir werden Johnnys Werte bewahren und sie weiterleben", kündigte Schuster bereits vor dem Augsburg-Spiel an und fügte danach noch an: "Wir werden für ihn alles versuchen, dass wir am 14. Mai den Klassenerhalt geschafft haben." Im Stadion hingen eine Reihe weiterer Plakate; beim Verlesen der Aufstellung wurde kein Spieler bei seinem Namen gerufen. Alle hießen "Heimes".