Tischtennis Tischtennis-Männer: Schlecht wie vor 31 Jahren

Steffen Mengel schied mit Deutschland aus der WM aus - der Sieg gegen Schweden half nicht mehr.

(Foto: Robertus Pudyanto/Getty Images)
  • Mit dem Ausscheiden der deutschen Tischtennis-Männer bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft in Kuala Lumpur schneiden die Deutschen so schlecht ab wie zuletzt vor 31 Jahren.
  • Ohne die Verletzten Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov reicht es nicht für die Weltspitze im Tischtennis.
  • Nach der Enttäuschung muss Bundestrainer Jörg Roßkopf sein Team auf die Olympischen Spiel in Rio einstellen.
Von Ulrich Hartmann

Als die deutschen Tischtennis-Männer noch dachten, sie könnten es bei der Mannschafts-WM in Kuala Lumpur erneut mit den Chinesen aufnehmen, da hat der Bundestrainer Jörg Roßkopf von früher erzählt. Aus gegebenem Anlass. Im Jahr 2000 haben die Chinesen zum bislang letzten Mal ein WM-Finale verloren. Gegen Schweden - in Kuala Lumpur. Das könnte ein gutes Omen sein, dachten die Deutschen. Chinesen gelten als abergläubisch. Vielleicht würden sie mit der Erinnerung an die Schmach von einst ja Beklemmungen verspüren . . . ?

Doch dann entwickelten sich die Dinge anders. Dabei spielte China keine Rolle mehr, Schweden aber gleich in doppelter Hinsicht. Weil Deutschlands Bester, Dimitrij Ovtcharov, wegen eines gereizten Rückennervs gar nicht erst mit zur WM reisen konnte, weil Deutschlands Zweitbester, Timo Boll, ein angeschlagenes Knie und überdies eine schwere Erkältung hatte, und weil die anderen vier deutschen Nationalspieler nicht am Limit spielten, haben die deutschen Männer trotz eines 3:2-Sieges gegen Schweden im letzten von fünf Gruppenspielen das Achtelfinale verpasst.

Jetzt spielen sie statt um den Final-Einzug und die China-Herausforderung nur noch um die Plätze 13 bis 20. So schlecht schnitten deutsche Tischtennis-Männer bei einer Mannschafts-WM zuletzt vor 31 Jahren ab. 1985 wurden sie 17. in Göteborg.

Frauen machen es besser

Trost kam am Mittwoch unerwartet durch das deutsche Frauen-Team, das das letzte Gruppenspiel gegen den Mitfavoriten Japan mit 3:2 gewann. Die stark auftrumpfende Weltcup-Dritte Petrissa Solja (Berlin) holte zwei Punkte, und Kristin Silbereisen (Kolbermoor) bezwang im letzten Einzel Japans Star-Spielerin Ai Fukuhara. Als Gruppendritte hinter den punktgleichen Teams aus Japan und Nordkorea qualifizierte sich die Auswahl von Bundestrainerin Jie Schöpp fürs Achtelfinale.

Tristesse hingegen bei den Männern. Dreimal nacheinander hatten die Deutschen zuletzt bei der Mannschafts-WM den Einzug ins Endspiel (2010, 2012, 2014) geschafft und erst dort gegen die Chinesen verloren. Deutschland behauptete lange eine feste Position im globalen Tischtennis: zu schwach für die Chinesen, aber stärker als der Rest. Das sicherte der Mannschaft dauerhaft den zweiten Platz im globalen Ranking und damit die Gewissheit, bei den großen Turnieren aufgrund der Setzliste erst im Endspiel auf die übermächtigen Chinesen zu treffen.

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Eine niedrigere Platzierung aufgrund der jüngsten Ergebnisse könnte das deutsche Ziel gefährden, im Sommer in Rio wie schon 2008 in Peking (Silber) und 2012 in London (Bronze) eine olympische Medaille zu gewinnen. Doch Roßkopf hat vorausgerechnet: "Wir werden unseren Setzplatz zwei wohl trotzdem behalten. Und ab Ende Mai gehen wir in eine sehr intensive Olympia-Vorbereitung."