Tischtennis Boll fühlt sich "ausgebootet"

(Foto: imago/Eibner)
  • Der Weltverband hat dem Tischtennisspieler Timo Boll eine Wildcard für den Worldcup im Oktober im schwedischen Halmstad verwehrt.
  • Boll entgingen viele mögliche Weltranglistenpunkte. Das wiederum könnte seine Ausgangssituation für Olympia 2016 verschlechtern.
  • Die größte Chance nachzurücken, ist kurioserweise die Verletzungen eines Spielers aus Bolls eigenem Klub.
Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Timo Boll bangt um den vielleicht letzten großen Traum seiner Karriere: eine olympische Einzel-Medaille. Drei Mal schon war Deutschlands erfolgreichster Tischtennisspieler bei Olympia dabei. Er hat mit der Mannschaft 2008 in Peking Silber und 2012 in London Bronze gewonnen. Aber eine Einzel-Medaille war ihm nicht vergönnt. 2016 will er in Rio de Janeiro sein Edelmetall gewinnen. Die Teilnahme sollte kein Problem sein, wenn er gesund bleibt. Bloß seine Weltranglistenplatzierung und damit seine Position in der Setzliste des olympischen Einzelturniers, die bereiten ihm Sorge.

Im Frühjahr hatte ihn der Weltverband vorübergehend aus der Weltrangliste gestrichen, weil Boll mehr als vier Monate lang kein internationales Turnier bestritten hatte. "Fragwürdig" nannte Boll das damals, hielt sich ansonsten aber mit Kritik zurück. Jetzt, fünf Monate später, hat ihm der Weltverband eine Wildcard für den Worldcup im Oktober im schwedischen Halmstad verwehrt. Und nun ist Boll wütend.

Die fast unbezwingbaren Chinesen

Die Wildcard, auf die er sich als Siebter der Weltrangliste Hoffnungen gemacht hatte, bekommt stattdessen ein 18-jähriger schwedischer Nachwuchsspieler, der auf dem 105. Platz rangiert. Sollte Boll auch durch den kurzfristigen Ausfall eines der 20 gesetzten Spieler nicht zum Worldcup nachrücken können, dann entgingen ihm viele mögliche Weltranglistenpunkte. Das wiederum könnte seine Ausgangssituation für Olympia 2016 verschlechtern. Boll droht dann bereits vor dem Halbfinale in Rio auf einen der nahezu unbezwingbaren Chinesen zu treffen. Und dann wäre sein vermutlich letzter Karriere-Traum so gut wie dahin.

Die Sache mit dem Turnier in Schweden wird noch kurioser, wenn man einen anderen Aspekt betrachtet. Dabei geht es um Jimmy Butler. Der Amerikaner ist bereits 44 Jahre alt. Er hat zwischenzeitlich 15 Jahre gar kein Tischtennis mehr gespielt. Er war bei den Olympischen Spielen 1992 und 1996 dabei, ehe seine Karriere vor 17 Jahren wegen muskulärer Probleme beendet zu sein schien.

Doch inzwischen spielt Butler seit zwei Jahren wieder auf professionellem Niveau, ist in der Weltrangliste bis auf Platz 415 vorgestoßen und darf Mitte Oktober zum ersten Mal in seinem Leben bei einem Worldcup mitspielen - und zwar bei jenem im schwedischen Halmstad. Butler ist 20. und Letzter in der Worldcup-Setzliste, vor ihm rangiert der Australier William Henzell, davor der 18-jährige Schwede Anton Källberg, der die einzige Wildcard des Turniers bekommen hat. Damit hatte Boll nicht gerechnet.