Tim Wiese in Hoffenheim Bizarre Konstellation endet teuer

Tim Wiese in Hoffenheim.

(Foto: dpa)

Vom Nationaltorwart zur Trainingsgruppe 2: Tim Wiese verlässt die TSG Hoffenheim mit schlechten Erinnerungen, aber mit viel Geld. Der Klub ist eine Art Abfindungsmeister der Fußball-Bundesliga, während Wiese auf ein Angebot aus Deutschland wartet.

Von Tobias Schächter

Lutz Pfannenstiel kann sich jetzt wieder voll auf seine Aufgabe als Hoffenheimer Scout konzentrieren. Der frühere Torwart arbeitete seit Monaten mehrmals pro Woche als persönlicher Trainer des ausgemusterten Tim Wiese. Diese bizarre Konstellation ist beendet, die TSG und der ehemalige Nationaltorwart Wiese lösten den bis Juni 2016 gültigen Vertrag auf.

Selbst aus den salbungsvollen Worten der Pressemitteilung war ein lauter Seufzer der Erlösung herauszulesen - auf beiden Seiten. Statt eine Erfolgsgeschichte mit Europacup-Abenden zu schreiben, wie es sich Wiese nach seinem Wechsel von Bremen zu Hoffenheim im Sommer 2012 ausgemalt hatte, bremste der Wechsel seine Karriere rapide.

Der von Anfang an umstrittene Transfer wurde zum Lehrbeispiel für Managementseminare, wie eine einzige schlechte Personalie einen ganzen Verein belasten kann. Wieses einflussreicher Berater Roger Wittmann, der beste Kontakte zu Klubpatron Dietmar Hopp unterhält, fädelte das Geschäft ein, der damalige Trainer Markus Babbel ernannte Wiese sofort zum Kapitän. Nach schwachen Leistungen verlor Wiese unter Babbel und dessen Nachfolger Marco Kurz erst die Kapitänsbinde, dann den Stammplatz - und machte schließlich mit unglücklichen Auftritten außerhalb des Platzes Schlagzeilen.

Sein letztes Spiel für die TSG bestritt Wiese im Februar 2013 in Frankfurt. Auch beim Neustart unter Trainer Markus Gisdol und Manager Alexander Rosen spielte er keine Rolle mehr, im Sommer wurde er zum Gesicht jener "Trainingsgruppe 2", in die der Klub alle Profis steckte, mit denen er sportlich nicht mehr plante. Bis heute sind Gisdol und Rosen damit beschäftigt, die Folgen der chaotischen Vereinspolitik in den Jahren davor zu beseitigen.

Die Auflösung des Wiese-Vertrages war dabei eine sehr teure Lösung: Die Abfindung Wieses, der ein Jahresgehalt von drei Millionen Euro gehabt haben soll, liegt wohl im mittleren einstelligen Millionen-Bereich. Durch die unstete Transfer- und Personalpolitik der vergangenen Jahre wurde Hoffenheim eine Art Abfindungsmeister der Liga.

Zählt man alle Entschädigungen und weiterlaufenden Gehaltszahlungen für frühere Manager (Schindelmeiser, Tanner, Müller), Trainer (Pezzaiuoli, Stanislawski, Babbel, Kurz) und Spieler (Wiese, Babel) zusammen, käme gewiss ein erstaunlicher Betrag heraus. Aktuell hat Rosen noch zwei Ausgemusterte im Angebot: Edson Braafheid und Matthieu Delpierre. Darüber hinaus sind elf Spieler bis zum Ende dieser Saison ausgeliehen.

Wiese, 32, will indes nicht nach Russland oder in die Türkei wechseln, Angebote aus Deutschland sind nicht bekannt. Er selbst sieht sich immer noch als einen der besten Torhüter des Landes. Wohnen will er weiter nahe des Hoffenheim-Trainingsgeländes in Rauenberg, seine Tochter geht dort zur Schule.