Tickets für die Fußball-WM Zutritt gefährdet

Tickets für die Fußball-WM, hier einige Originale.

(Foto: dpa)

Wer bei der offiziellen Fifa-Verlosung leer ausgegangen ist und trotzdem Eintrittskarten für die Fußball-WM in Brasilien will, bekommt sie in dubiosen Internetshops - auch für Spiele, die längst ausverkauft sind. Viele Fußballfans werden am Ende vor verschlossenen Stadiontoren stehen.

Von Carsten Eberts

Vor einer Woche warnte der Fußball-Weltverband (Fifa) noch vor falschen WM-Tickets. Von "dubiosen Firmen" war dort die Rede, von "gutgläubigen Fans", die bereitwillig überteuerte Preise für ungültige oder gar frei erfundene Eintrittskarten zahlen.

Nun ist eine schnöde Pressemitteilung ein eher halbherziger Versuch, die Fußballfans der Welt auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Eine größere Werbekampagne zur Aufklärung der Anhänger gibt es nicht. Auch arbeitet die Fifa mit denselben Kreditkartenfirmen zusammen, die den "dubiosen Firmen" ihre Zahlungseingänge ermöglichen.

Dabei ist der Missstand offensichtlich. In den Monaten und Wochen vor der Weltmeisterschaft in Brasilien tauchen im Internet ständig neue Ticket-Webseiten auf - und bieten zu horrenden Preisen Karten für die WM an. Die Masche ist stets dieselbe. Eine kleine Firma wird angemeldet, die Website ist schnell gebaut, der Verkauf beginnt. Kommen nach dem Turnier die Beschwerden, weil ein Ticket nicht funktioniert hat, gibt es den Shop nicht mehr. Und das Geld ist futsch, eine Klage aussichtslos.

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Experten warnen vor den Anbietern. Georg Schnurer, stellvertretender Chefredakteur der Computerzeitschrift c't, beschäftigt sich seit Jahren mit Ticketverkäufen im Netz. Aktuell verfolgt er den Fall der Plattform ticket.org, einer Website mit Sitz auf Malta. Eigentlich ist die Seite auf Konzerttickets spezialisiert, nun finden die Kunden hier auch Eintrittskarten für die WM. "Wer will, kann hier Tickets für alle Spiele bekommen", sagt Schnurer.

Vor kurzem erspähte Schnurer ein Endspiel-Ticket für 13.000 Euro. Das Spiel ist offiziell ausverkauft, die Fifa untersagt Weiterverkäufe. "Eigentlich kann kein Ticket auf dem Markt sein, das verkauft werden könnte", sagt auch Frank Twents von der Ticket-Community tooor.de. Doch es gibt die Angebote. Und es gibt Kunden, die bezahlen.

Die Macher von ticket.org sind keine Unbekannten. Bereits bei Olympia 2012 in London seien sie auffällig geworden, sagt Schnurer, damals noch unter anderem Firmennamen. Als nach den Sommerspielen die Klagewelle begonnen habe, hätten sie Insolvenz angemeldet, berichtet auch der britische Mirror. "Das ist ein sehr bequemes Geschäft", sagt Schnurer, "es sind immer die Gleichen, die es versuchen."