Eine 17-Jährige brachte den Stein ins Rollen
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Was stimmen mag, sofern man eine Langzeitsperre wegen Medikamentenmissbrauchs im Sport nicht als im Grundsatz durchaus ähnlich gelagerte Problematik betrachten will.
Wie gestern bereits berichtet, betrezute Springstein in seiner Magdeburger Laufschule neben Breuer und Schumann eine Trainingsgruppe mit vier Athletinnen im Alter zwischen 17 und 18 Jahren.
Ins Rollen brachte die Affäre nun die Jugend-Sprintmeisterin Anne- Kathrin Elbe (17), die bei einem Trainingslager dem Bundestrainer Thomas Kremer eine Arzneipackung übergab.
Die Athletin, größte deutsche Nachwuchs-Hoffnung, ist im August zu Bayer Leverkusen gewechselt, kurz nach einer Anhörung mit Offiziellen des DLV, aus der die Strafanzeige gegen Springstein am 2. August erwuchs.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Springstein Jugendlichen seiner Trainingsgruppe unerlaubte Substanzen verabreichte, drohen ihm nach dem Arzneimittelgesetz bis zu zehn Jahre Haft - dass das Leichtathletik- Regelwerk dafür eine lebenslange Sperre vorsieht, fiele da kaum noch ins Gewicht.
Nachwuchssprinterin Elbe ist Tochter des früheren Weltklasse-Dreispringers Jörg Elbe. Der Chemnitzer war schon einmal, 1992, an einer spektakuläre deutsch-deutsche Dopingaffäre beteiligt.
Damals hatte Elbe der kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrten Doping-Aufklärerin Brigitte Berendonk brieflich den staatlich organisierten Sportbetrug in der DDR gebeichtet, wobei auch der langjährige DLV-Cheftrainer Bernd Schubert auftauchte.
In dem Schreiben hieß es: "17jährig wurde ich von meinem damaligen Trainer Grützner (Schubert war damals noch Cheftrainer unseres SC und mußte das also wissen) nach (...) Kreischa zum ,Erholungslehrgang' geschickt. Zu diesem Lehrgang (...) bekamen wir täglich Kapseln, über deren Inhalt wir nichts erfuhren.
Zu Beginn des Aufenthaltes und am Ende wurden Krafttests durchgeführt sowie Laufbandtests absolviert. Des weiteren wurde täglich 3x Blut gezapft und Urin abgegeben. Ich erkannte damals schon, daß ich ein ,Versuchskaninchen' war - nur nicht wofür. (...)
Mich erschreckt am meisten die Verabreichung des klinisch nicht zugelassenen Präparates STS-646 und des Präparates OT, ohne daß ich - geschweige denn meine Eltern - dazu um Einverständnis gebeten wurden. (...) Fakt ist, daß ich seit Juniorenzeit bis zu meinem eigenmächtigen, geheimen Aussteigen (1988) Dopingmittel erhalten habe."
Auch wenn Kronzeuge Elbe später eine Kehrtwende vollzog, alle Verantwortung auf sich nehmen wollte - sein Brief bleibt Fakt. Und auch, dass sich deutsche Sportgeschichte gern wiederholt.
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(Süddeutsche Zeitung vom 01.10.04)
Berliner Zeitung