Thomas Bach will IOC-Präsident werden Bachs schärfste Waffe

Die schärfste Waffe des früheren Fecht-Olympiasiegers ist sein Netzwerk, Bach versteht sich aufs Paktieren mit den Mächtigen in Wirtschaft und Politik. Über die FDP-Schiene ist er bis ins Kanzleramt verdrahtet; dass er dabei nie parteipolitisch in Erscheinung tritt, unterstreicht seine stille Mission. Bachs konkrete Tätigkeiten blitzten öffentlich nur selten auf. Etwa, als seine Beraterverträge bei der Insolvenz des Baukonzerns Holzmann und in der Korruptionsaffäre um die Siemens AG aufflogen. Dazu betonte er stets, er habe seine exquisiten sportpolitischen Drähte niemals für die jeweiligen Geschäftszwecke missbraucht.

Bachs frühe Positionierung bringt zwei Kollegen in Zugzwang, die ihm gefährlich werden könnten: Richard Carrion, ein Banker aus Puerto Rico und erfolgreicher IOC-Finanzchef. Und Ser Miang Ng, Unternehmer aus Singapur, der zwölf Jahre Botschafter in Ungarn und Norwegen war. Noch-Präsident Rogge, der das IOC nach korruptionsumtosten Zeiten unter Vorgänger Juan Antonio Samaranch in ruhigere Gewässer geführt hat und nach zwölf Jahren abtreten muss, steht näher bei Carrion und Ser Miang Ng. Letzterer hatte Rogges Lieblingskind, die Olympischen Jugendspiele, erstmals im Sommer 2010 organisiert.

"Beängstigende Herausforderung"

Bach indes wurde stets dem Lager Samaranchs zugeordnet. Unter diesem war er 1991 ins IOC und bereits 1996 in den Vorstand gelangt. Ser Miang erklärte am Tag, als Bachs Kandidatur bekannt wurde: Der neue IOC-Chef stehe vor einer "beängstigenden Herausforderung", wenn er Rogges Erbe fortführen wolle, insbesondere im Kampf gegen die vielfältigen Manipulationsgefahren inklusive Doping.

Zu Bachs ersten Gratulanten aus hohen Sportkreisen zählte Fifa-Präsident Joseph Blatter. Der Chef des Fußball-Weltverbands startete seine sportpolitische Karriere einst ebenso im engen Umfeld von Horst Dassler wie Bach, der unter Funktionären damals als Dasslers "Adlatus" (Walther Tröger) galt. Eng war die persönliche Bindung. Dassler, der bereits 1987 verstorbene Firmenchef von Adidas, der auch die korrupte Sportagentur ISL begründete, schuf eine Generation von Sportführern, zu deren Mächtigsten Rogges Vorgänger Samaranch sowie die Fifa-Bosse João Havelange (1974 bis 1998) und Blatter zählen.

Die 125. Session des IOC wird am 10. September in Buenos Aires Antwort auf Fragen sportpolitischer Kontinuität geben und darüber befinden, wer neunter IOC-Präsident wird.